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	<title>Joel Barthel</title>
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	<description>Theologie. Apologetik. Freude am Wort.</description>
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	<title>Joel Barthel</title>
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		<title>Lehrt Paulus in Römer 8,29-30 Erwählung?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mail@joelbarthel.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Aug 2026 15:51:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bibelstudium]]></category>
		<category><![CDATA[Reformation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einer der häufigsten Einwände gegen die Lehre der bedingungslosen Erwählung folgt einem weitverbreiteten Gedanken, wie Dinesh D&#8217;Souza ihn kürzlich in seinem öffentlichen Kampf gegen die Lehre verbreitet hat: D&#8217;Souza fragt: „Ist Vorkenntnis dasselbe wie Vorherbestimmung? Wenn ich weiß, dass es morgen regnet, bedeutet das, dass ich es morgen regnen lassen werde?“ Die längere Debatte, um [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Einer der häufigsten Einwände gegen die Lehre der bedingungslosen Erwählung folgt einem weitverbreiteten Gedanken, wie Dinesh D&#8217;Souza ihn kürzlich in seinem öffentlichen Kampf gegen die Lehre verbreitet hat:</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-twitter wp-block-embed-twitter" style="margin-right:0;margin-left:0"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="500" data-dnt="true"><p lang="en" dir="ltr">Is foreknowledge the same as predestination? If I know it will rain tomorrow, does that mean I am making it rain tomorrow? <a href="https://t.co/RV0mQvMcKf">https://t.co/RV0mQvMcKf</a></p>&mdash; Dinesh D&#39;Souza (@DineshDSouza) <a href="https://x.com/DineshDSouza/status/2091864088733179915?ref_src=twsrc%5Etfw">August 24, 2026</a></blockquote><script async src="https://platform.x.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph">D&#8217;Souza fragt: „<em>Ist Vorkenntnis dasselbe wie Vorherbestimmung? Wenn ich weiß, dass es morgen regnet, bedeutet das, dass ich es morgen regnen lassen werde?</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die längere Debatte, um die es hier geht, behandelt Römer 8,29-30, die berühmte Passage, deren Inhalt oft als „goldene Kette der Erlösung“ bezeichnet wird:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Denn welche er</strong> <strong><strong>zuvorerkannt hat, die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig <small>zu sein</small>, damit er <small>der</small> Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.</strong><span style="background-color: rgb(254, 250, 247); font-weight: 400;"> </span></strong>[30]<strong><strong style="background-color: rgb(254, 250, 247);"> Welche er aber zuvorbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht. </strong></strong><br>Römer 8,29-30</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die „goldene Kette“ ist leicht erkennbar: Jeder Gläubige wird von Gott <strong>zuvorerkannt</strong> → <strong>zuvorbestimmt → berufen → gerechtfertigt</strong> → <strong>verherrlicht</strong>. In diesem Punkt gibt es eigentlich keine Debatte. Doch es gibt einen Grund, warum solche, die nicht an die bedingungslose Erwählung glauben, diese Bezeichnung nicht bevorzugen: Sie wollen in den letzten vier der fünf Begriffe ein aktives Handeln Gottes sehen, aber im allerersten, <strong>zuvorerkannt</strong>, ein passives. „Da Gott die Zukunft kennt, erwählt er jeden, bei dem er <strong>zuvorerkannt</strong> <strong>hat</strong>, dass er sich eines Tages für Ihn entscheiden wird.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum dies weder <em>lexikalisch</em> noch <em>grammatikalisch</em> noch im Kontext des Römerbriefes <em>theologisch</em> haltbar ist, werde ich in diesem Beitrag ausführlich behandeln und Paulus&#8216; Lehre<sup data-fn="7bb140da-7440-49f7-aab9-04bd64309144" class="fn"><a id="7bb140da-7440-49f7-aab9-04bd64309144-link" href="#7bb140da-7440-49f7-aab9-04bd64309144">1</a></sup> der bedingungslosen Erwählung verteidigen.</p>



<div class="wp-block-rank-math-toc-block" id="rank-math-toc"><h2>Inhaltsverzeichnis</h2><nav><ul><li class=""><a href="#eine-these-ohne-fundament">Eine These ohne Fundament</a><ul><li class=""><a href="#erwahlung-in-epheser">Erwählung in Epheser</a></li><li class=""><a href="#erwahlung-in-2-timotheus">Erwählung in 2. Timotheus</a></li><li class=""><a href="#die-vierfache-parallele-zu-romer-9-11-12">Erwählung in Römer 9</a></li></ul></li><li class=""><a href="#vorkenntnis-ist-nicht-kognitiv">Vorkenntnis ist nicht kognitiv</a><ul><li class=""><a href="#zuvorerkannt-ist-nicht-passiv">„Zuvorerkannt“ ist nicht passiv</a></li></ul></li><li class=""><a href="#fazit">Fazit</a></li><li class=""><a href="#fussnoten">Fußnoten</a></li></ul></nav></div>



<h2 id="eine-these-ohne-fundament" class="wp-block-heading">Eine These ohne Fundament</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie soeben festgestellt, glauben viele, Gottes Erwählung sei ein <em>reaktiver</em> Akt. Wen Gott zuvorbestimmt, beruft, rechtfertigt und verherrlicht, hänge ultimativ davon ab, wer sich in seinem scheinbar freien Willen von Gottes allgemeiner, allen Menschen gleichermaßen geltender Liebe ergreifen lässt. Gott erwähle niemanden zum Heil, bevor Er wisse, dass die Person eine positive Reaktion auf das Hören des Evangeliums zeige.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich aufzeige, warum dies nicht dem Sinn von <strong>zuvorerkannt</strong> in der hiesigen Passage entspricht, hilft es, zu sehen, wie Paulus anderweitig über Erwählung und Vorherbestimmung spricht.</p>



<h3 id="erwahlung-in-epheser" class="wp-block-heading">Erwählung in Epheser</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders zielführend sind Paulus&#8216; klare Worte in Epheser 1. Er preist den <strong>Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus</strong> (1,3) und erläutert den Umfang Seines Segens:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und untadelig seien vor ihm in Liebe; </strong>[5]<strong> und uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst, nach dem Wohlgefallen seines Willens</strong><br>Epheser 1,4-5</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>in dem wir auch ein Erbteil erlangt haben, die wir zuvorbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rat seines Willens <br></strong>Epheser 1,11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gott hat <strong>uns</strong> also, die <strong>Heiligen und Treuen in Christus Jesus</strong> (1,1) <strong>auserwählt</strong>, und das <strong>vor Grundlegung der Welt</strong>. Die Konsequenz dieser Erwählung: <strong>dass wir heilig und untadelig seien vor ihm in Liebe</strong> und die <strong>Sohnschaft durch Jesus Christus</strong> empfangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere <strong>Heilig</strong>keit ist also die Frucht von Gottes Erwählung. Man merke auf: Nicht unsere <strong>Heilig</strong>keit bedingt unsere Erwählung, sondern genau andersherum. Genau hier „verbirgt“ sich die eigentlich gar nicht so mysteriöse, unschwer auffindbare Lehre der <em>bedingungslosen</em> Erwählung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir stellen fest, dass wir hier ein klares, direktes Objekt dieser Erwählung <strong>in Christus</strong> haben: <strong>Uns</strong>. Ihr Zeitpunkt: <strong>vor Grundlegung der Welt</strong>. Paulus legt den Ephesern unmissverständlich dar, dass Gott die Entscheidung des Heils aller Erwählten bereits getroffen hat, bevor die Erde selbst erschaffen wurde; diese Tatsache ermöglicht seine folgenden, berühmten Worte:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Denn durch Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.</strong><sup data-fn="978f3647-7f52-443c-a65f-c80cb7a81e62" class="fn"><a id="978f3647-7f52-443c-a65f-c80cb7a81e62-link" href="#978f3647-7f52-443c-a65f-c80cb7a81e62">2</a></sup><br>Epheser 2,8-9</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus demselben Grund kann Lukas über die aus den Nationen, zu denen Paulus und Barnabas gepredigt hatten, schreiben: <em>es glaubten, so viele zum ewigen Leben bestimmt waren.</em><strong> </strong>(Apostelgeschichte 13,48)</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Während Paulus in Vers 4 von der Auserwählung spricht, wechselt er in Vers 5 auf Vorherbestimmung – <strong>zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst</strong>. Wir sind als Seine Kinder <strong>zuvorbestimmt</strong>, nicht nach unserem Willen, sondern <strong>nach dem Wohlgefallen seines Willens</strong> (vgl. V. 11: <strong>nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rat seines Willens</strong>)).</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Es fällt auf, dass jedes aktive Verb in dieser Passage ausnahmslos Gott als Subjekt hat. Der menschliche Wille ist außen vor. Die Vorherbestimmung individueller Menschen, die <strong>zur Erlösung des erworbenen Besitzes </strong>ist (1,14), dient <strong>zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade</strong> (1,6, 12, 14).</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Wenn wir also nach dem „Warum“ der Erwählung fragen, ist das hier die eindeutige biblische Antwort, die uns die Schrift offenbart. Dass sie unserem Fleisch nicht dient, da <em>unser</em> Wille dabei völlig außen vor ist und Gottes Ratschluss dadurch auf keiner tieferen Ebene offenbart wird als auf dieser, ist kein valider Grund, die Lehre abzulehnen.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Verse 7-8 zeigen unmissverständlich, dass diese Erwählung eine <em>erlösende</em> ist:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>in dem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade, </strong>[8] <strong>die er uns gegenüber hat überströmen lassen in aller Weisheit und Einsicht</strong> <br>Epheser 1,7-8</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abschließend erläutert Paulus in 1,13-14, dass der <strong>Heilige Geist </strong>das <strong>Unterpfand </strong>(ἀρῥαβών, Garantie) <strong>unseres Erbes ist</strong> – und zwar des Erbes derselben <strong>Heiligen</strong>, die der Vater erwählt hat.</p>



<h3 id="erwahlung-in-2-timotheus" class="wp-block-heading">Erwählung in 2. Timotheus</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ebenfalls beeindruckende Passage, welche die bedingungslose Erwählung lehrt, finden wir in 2. Timotheus:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>der uns errettet hat und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben</strong><br>2. Timotheus 1,9</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier ist Gott das exklusive Subjekt der aktiven Verben. Er ist es, der uns <strong>errettet </strong>und <strong>berufen </strong>hat. Ebenso wenig wie Menschen sich selbst regenerieren, rechtfertigen oder adoptieren können, können sie sich selbst <strong>berufen</strong>; und dieser <strong>Ruf</strong> ist ein wirksamer, nach Gottes <strong>Vorsatz </strong>und <strong>Gnade</strong>, <strong>vor ewigen Zeiten gegeben</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier entfällt jede Möglichkeit, den Willen oder die Fähigkeit des Menschen hineinzulesen, wenn es um unsere Errettung geht. Welchen Zweck hätte es für Paulus, von Gottes vor Ewigkeiten beschlossenem Vorsatz zu sprechen, wenn dieser ultimativ doch auf unserem zukünftigen, von Gottes Eingreifen unabhängigen Glaubensakt basierte?</p>



<h3 id="die-vierfache-parallele-zu-romer-9-11-12" class="wp-block-heading">Erwählung in Römer 9</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Jede Betrachtung von Römer 8 wäre unvollständig, wenn wir nicht Paulus&#8216; Fortsetzung in Kapitel 9 betrachten würden. Nicht nur handelt es sich dort um seine ausführlichste Verteidigung ebendieser Lehre, der ich mich in diesem Beitrag widme, sondern sie macht auch jeden Gedanken zunichte, eine kognitive Vorkenntnis in 8,29-30 hineinzulesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuallererst ist es aber hilfreich, festzustellen, dass wir in Römer 9,11-12 vier Parallelen zu dem eben zitierten Text in 2. Timotheus finden:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>selbst als die Kinder noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten (damit der Vorsatz Gottes nach Auswahl bleibe, </strong>[12] <strong>nicht aus Werken, sondern aus dem Berufenden), wurde zu ihr gesagt: „Der Größere wird dem Kleineren dienen“</strong><br>Römer 9,11-12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir stellen fest: Neben dem zeitlich vergangenen Entschluss (<strong>als die Kinder noch nicht geboren waren</strong>) finden wir hier ebenfalls den <strong>Ruf</strong> (καλέω) Gottes, den Ausschluss von <strong>Werken</strong> (ἔργα) als entscheidendes Kriterium sowie den <strong>Vorsatz</strong> (πρόθεσις) <strong>Gottes</strong>.<sup data-fn="e74378ee-50d7-4f11-a622-c8bf453ba8ee" class="fn"><a id="e74378ee-50d7-4f11-a622-c8bf453ba8ee-link" href="#e74378ee-50d7-4f11-a622-c8bf453ba8ee">3</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph">Äußerst relevant ist die Tatsache, dass Paulus hier unmissverständlich klarstellt: <strong>Der Vorsatz Gottes </strong>geschieht<strong> nach Auswahl</strong> und gründet rein in dem<strong> Berufenden</strong>. Den menschlichen Willen schließt er dabei explizit als Faktor aus: <strong>als die Kinder noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paulus&#8216; Zurückgreifen auf die Geschichte von Jakob und Esau ist hier nicht arbiträr, sondern ein gezielter Konter auf jüdisches Denken seiner Zeit. Im Jubiläenbuch („das kleine Genesis“) vom 2. Jahrhundert v. Chr. lesen wir, wie man versucht hat, durch genau diese Erzählung den menschlichen Willen hervorzuheben:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Da sprach Isaak zu ihr:</em></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Auch ich weiß und sehe, was Jakob an uns tut,<br>wie er uns mit seinem ganzen Herzen ehrt.<br>Aber ich liebte früher Esau mehr als Jakob,<br>weil er zuerst geboren war.<br>Jetzt aber liebe ich Jakob mehr als Esau.<br>Denn dieser verübte viele schlimme Werke,<br>und keine Gerechtigkeit ist an ihm,<br>sondern alle seine Wege sind Ungerechtigkeit und Gewalttat,<br>und keine Gerechtigkeit ist um ihn.</em><br>Jubiläenbuch 35,13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Pseudo-Philo lesen wir sogar aus Gottes Perspektive:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Und Isaak zeugte zwei Söhne, Esau und Jakob. Und Gott liebte Jakob, doch Esau hasste er, aufgrund seiner Werke.&nbsp;Und er gab Jakob das Erbe, doch Esau trennte er von seinem Volk.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der jüdische Philosoph Philo von Alexandria (ca. 20 v. Chr. bis 50 n. Chr., also ein Zeitgenosse des Paulus) versuchte, die Bibel mit griechischer Philosophie zu vermischen – dieselbe Philosophie, die die Christenheit heute immer noch in Fragen der Freiheit unseres Willens sichtbar beeinflusst, und in D&#8217;Souza&#8217;s Worten Widerhall findet:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>„Wiederum sagen sie, dass Jakob und Esau [&#8230;] ihre jeweiligen Bestimmungen zugewiesen bekamen, als sie noch im Mutterleib waren. Denn Gott, der Schöpfer aller Lebewesen, kennt all seine Werke genauestens, und noch bevor er sie vollständig vollendet hat,</em> <em>erfasst er die Fähigkeiten, mit denen sie in Zukunft ausgestattet sein werden, und er sieht all ihre Handlungen und Leidenschaften im Voraus.“</em><br>Philo, Allegorische Interpretation, Buch 3, Abschnitt 88</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem Paulus dieser Philosophie gezielt entgegentritt, betont er in V. 14 den natürlichen Einwand: <strong>Was sollen wir nun sagen? Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Das sei ferne!</strong> Es folgen harte Worte in den Versen 9,15-24. So hart, dass sie jeden Leser auf ganz natürliche Weise schockieren, doch schlussendlich machen sie das eigentlich schon Klare, die absolute Bedingungslosigkeit der Erwählung aus Römer 8,29-30 und den eben zitierten Versen, <em>noch</em> deutlicher:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paulus zitiert Gott aus der Torah, der <strong>zu Mose</strong> spricht: <strong>„Ich werde begnadigen, wen ich begnadige, und ich werde mich erbarmen, wessen ich mich erbarme.“</strong> (9,15) Weiter heißt es: <strong>Also liegt es nun nicht an dem Wollenden noch an dem Laufenden, sondern an dem begnadigenden Gott.</strong> (9,16)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Versuch, den Willen des Menschen in Gottes vor Grundlegung der Welt beschlossener Erwählung zu integrieren, scheitert hier. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Paulus nutzt Gottes Verhärtung des Pharaos als Beispiel und beweist damit, dass er keine neue Lehre erfindet: <strong>Denn die Schrift sagt zum Pharao: „Eben hierzu habe ich dich erweckt, damit ich meine Macht an dir erweise und damit mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde.“</strong><sup data-fn="936c8466-cc16-4249-be15-e0c99ca17e08" class="fn"><a id="936c8466-cc16-4249-be15-e0c99ca17e08-link" href="#936c8466-cc16-4249-be15-e0c99ca17e08">4</a></sup> [18] <strong>So denn, wen er will, begnadigt er, und wen er will, verhärtet er.</strong> (9,17-18)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er greift einen weiteren antizipierten Einwand auf: <strong>Warum tadelt er denn noch? Denn wer hat seinem Willen widerstanden?</strong> (9,19b) Er antwortet, und es ist egal, ob wir diesen Text auf Deutsch oder im griechischen Original lesen – Paulus spricht Klartext, und wir brauchen kein tiefes historisches Vorwissen, um seine Metapher zu verstehen:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Wer bist du denn, o Mensch, der du das Wort nimmst gegen Gott? Wird etwa das Geformte zu dem, der es geformt hat, sagen: Warum hast du mich so gemacht? </strong>[21]<strong> Oder hat der Töpfer nicht Macht über den Ton</strong><sup data-fn="14eb8058-2e01-4e74-8ccc-8c6247a9f6d4" class="fn"><a id="14eb8058-2e01-4e74-8ccc-8c6247a9f6d4-link" href="#14eb8058-2e01-4e74-8ccc-8c6247a9f6d4">5</a></sup><strong>, aus derselben Masse das eine Gefäß zur Ehre und das andere zur Unehre zu machen? </strong>[22] <strong>Wenn aber Gott, willens, seinen Zorn zu erweisen und seine Macht kundzutun, mit vieler Langmut ertragen hat die Gefäße des Zorns, die zubereitet sind zum Verderben, </strong>[23]<strong> und damit er kundtäte den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Begnadigung, die er zuvor zur Herrlichkeit bereitet hat – </strong>[24]<strong> uns, die er auch berufen hat, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Nationen.</strong><br>Römer 9,20-24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man bemerke: Die <strong>Masse</strong>, aus der Gott <strong>das eine Gefäß zur Ehre und das andere zur Unehre</strong> macht, ist dieselbe. Es gibt nichts in der Masse, das Gott zu der einen oder der anderen Entscheidung „verholfen“ hat. Gott macht nicht verschiedene Gefäße aus zwei unterschiedlich wertvollen Massen. So wird die Parallele zu Jakob und Esau zuvor im Kapitel komplett: Beide sind Geschöpfe Gottes, doch eines hat Gott erwählt, das andere nicht. <strong>„Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehasst.“</strong> (9,13) Und so wie Gott den Pharao erweckt hat, um seine Macht an ihm zu erweisen und Seinen Namen auf der ganzen Erde zu verkünden (9,17), so bereitet er Gefäße des Zorns zum Verderben zu (9,22), um <strong>den Reichtum seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Begnadigung</strong> kundzutun (9,23).</p>



<h2 id="vorkenntnis-ist-nicht-kognitiv" class="wp-block-heading">Vorkenntnis ist nicht kognitiv</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nun müssen wir uns ansehen, was es eigentlich mit dem Begriff <strong>Zuvorerkannt</strong> auf sich hat. Vor wenigen Jahren habe ich selbst geglaubt, dass dieser offensichtlich von kognitivem Vorwissen sprechen muss, schließlich heißt er im Original προγινώσκω (<em>proginosko</em>). <em>Aha! Da haben wir doch das Wort „Prognose“ her.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Durchaus ist der primitive Sinn des Wortes „im Voraus wissen, Vorkenntnis haben“<sup data-fn="9097b859-430e-44b8-ae3a-155861ddf18d" class="fn"><a id="9097b859-430e-44b8-ae3a-155861ddf18d-link" href="#9097b859-430e-44b8-ae3a-155861ddf18d">6</a></sup>, und diesen finden wir sogar zweimal im Neuen Testament: Apostelgeschichte 26,5 und 2. Petrus 3,17. Der Kontext macht jeweils unmissverständlich klar, dass die Bedeutung kognitiv ist (wie etwa, dass Paulus&#8216; jüdische Ankläger ihn „von früher her kennen“ (<em>proegnōskasi me</em>)).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wie wird <em>proginosko</em> und das verwandte Nomen <em>prognosis</em> anderweitig in der Bibel genutzt? Dieser Einblick wird uns helfen, die korrekte Definition in Römer 8,29-30 zu identifizieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die früheste Nutzung von <em>proginosko</em> finden wir in der Apostelgeschichte, wo Petrus den gekreuzigten Jesus predigt, der Wunder unter den Juden tat:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>diesen, hingegeben nach dem bestimmten Ratschluss und nach <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Vorkenntnis</mark> Gottes, habt ihr durch <small>die</small> Hand von Gesetzlosen an <small>das Kreuz</small> geschlagen und umgebracht.</strong><br>Apostelgeschichte 2,23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf ähnliche Weise sehen wir den direkten Zusammenhang mit Gottes <strong>Ratschluss</strong>. Entscheidend ist, dass beide Punkte nicht im Widerspruch zueinander stehen, sondern eng zusammengehören; es handelt sich um ein Hendiadyoin, ein rhetorisches Stilmittel, um dieselbe Sache mit zwei verschiedenen, aber verwandten Wörtern, auszudrücken. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Würde Petrus hier meinen, dass der Vater bloß zuvor <em>wusste</em>, dass Sein Sohn <strong>an das Kreuz geschlagen und umgebracht </strong>werden würde, wäre die Erwähnung Seines <strong>bestimmten Ratschluss</strong>es hinfällig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bild wird klarer, wenn wir uns die Beziehung von Vorkenntnis und dem Sohn in Petrus&#8216; eigenen Briefen ansehen. Dort heißt es in seiner Beschreibung des Christus:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>der zwar <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">zuvorerkannt</mark> ist vor Grundlegung <small>der</small> Welt, aber offenbart worden ist am Ende der Zeiten um euretwillen<br></strong>1. Petrus 1,20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das kognitive Verständnis des Wortes wäre hier äußerst seltsam. Gott hat Jesus zuvor erkannt, aber am Ende der Zeiten offenbart? Was genau hat der Vater erkannt? Dass Sein Sohn so handeln würde, wie er es tat?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier wird deutlich, dass wir uns in einer weitaus tieferen Ebene befinden als bloßes Wissen. Der Vater und der Sohn haben bereits vor ewigen Zeiten in Beziehung miteinander gelebt. Nun kommt Römer 8,29 ins Spiel: Dieser Zeitpunkt in der Geschichte war es, zu dem der Vater Seinen Sohn auf die Welt gesandt hat, um Ihn, den <em>Erstgeborenen unter vielen Brüdern</em>, uns in Seinem wunderbaren Heilsplan zu offenbaren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch mal diese Passage im Kontext:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle <small>Dinge</small> zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind. </strong>[29]<strong> Denn welche er <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">zuvorerkannt</mark> hat, die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig <small>zu sein</small>, damit er <small>der</small> Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. </strong>[30] <strong>Welche er aber zuvorbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht. <br></strong>Römer 8,28-30</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genauso wie der Vater den Sohn <strong>zuvorerkannt</strong> hat, und das <strong>vor Grundlegung der Welt</strong>, hat er uns, <em>alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen</em> (Römer 1,7) <strong>vor Grundlegung der Welt </strong>&#8230; <strong>zuvorerkannt</strong>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Beziehung wird im Zusammenhang mit Jesu ewiger Einheit mit dem Vater auf wunderschöne Weise in seinem hohepriesterlichen Gebet sichtbar:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Vater, ich will, dass <em>die</em>, die du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo <em>ich</em> bin, damit sie <em>meine</em> Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung <small>der</small> Welt. </strong><br>Johannes 17,24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Jesus <strong>vor Grundlegung der Welt </strong>von seinem Vater <strong>zuvorerkannt</strong> <strong>ist</strong>, heißt auch, dass dieser bereits zu ebendieser Zeit von ihm <strong>geliebt</strong> war. Was für ein wunderbares Zeugnis der Dreieinigkeit und dem vereinten, göttlichen Willen, Gottes Volk zu erlösen. Hier sehen wir, was es heißt, <em>in Christus</em><strong> </strong>erwählt zu sein (Epheser 1,3-4): <strong>Christus</strong> <strong>ist der erstgeborene unter vielen Brüdern</strong>, die der Vater, genauso wie ihn, zuvorerkannt und geliebt hat.</p>



<h3 id="zuvorerkannt-ist-nicht-passiv" class="wp-block-heading">„Zuvorerkannt“ ist nicht passiv</h3>



<p class="wp-block-paragraph">So ergeben Paulus&#8216; Worte in Römer 8,29-30 nun auch Sinn – denn wir stellen fest, Paulus nutzt mit προέγνω (<strong>zuvorerkannt</strong>) bewusst ein aktives Verb, das sich zu allen anderen aktiven Verben, die Gottes <em>Handlung</em> beschreiben, einreiht. Ein wichtiges Detail, das in der deutschen Übersetzung nicht sichtbar wird. Nichts an Gottes Vorkenntnis bricht sein aktives, erwählendes Handeln vor Erschaffung der Welt, und dieser Text fordert diese Tatsache nicht heraus, sondern bestätigt sie allemal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was aber sehr wohl sichtbar, in dieser Diskussion aber selten erwähnt wird: Was genau hat Gott <strong>zuvorerkannt</strong>? Menschen! Nicht Handlungen, nicht ihre Glaubensschritte. Nein, die Menschen selbst hat er erkannt. Das Relativpronomen οὓς (<strong>welche</strong>) ist ein Akkusativ. Paulus schreibt nicht ὅτι („dass sie glauben würden“) oder τί („was sie tun würden“); das direkte Objekt Gottes sind Personen, keine Handlungen, Bedingungen oder Entscheidungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen ist <strong>Zuvorerkannt</strong> hier ein durch und durch von Beziehung geprägter Begriff. Ich erinnere mich an meine bibelkritische Englischlehrerin, die, obwohl sie eine Sprache unterrichtet, vor ihrer Klasse ihre Ignoranz zu 1. Mose 4,1 kundtat und die Wortwahl für lächerlich hielt:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Und der Mensch <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">erkannte</mark> Eva, seine Frau, und sie wurde schwanger und gebar Kain; und sie sprach: Ich habe einen Mann erworben mit dem HERRN. <br></strong>1. Mose 4,1</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kein Mensch würde behaupten, dass Adam Eva <em>kognitiv</em> erkannte. Wir wissen, was das Verb, im Hebräischen das berühmte <em>yada</em>, beschreibt. Was viele nicht wissen: Auch dieses Wort bedeutet primär <em>wissen</em>, <em>erkennen</em>, <em>kennen</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich wird dieser Begriff in seinen knapp eintausend Nutzungen im Alten Testament sogar in erster Linie entsprechend verwendet. Kapitel 3 enthält mehrere solcher Nutzungen (die <em>Erkenntnis</em> ihrer Nacktheit (3,7) oder von Gut und Böse, wenn Adam und Eva von dem Baum essen (3,22)). Wenige Verse nach diesem (4,1) spricht Kain zu Gott, dass er nicht <em>weiß</em> (yada), wo sein Bruder Abel ist (4,9).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es jedoch um die Beziehung zwischen zwei Personen geht, ist die Definition klar, und alle Übersetzungen bezeugen dies. Besonders häufig beschreibt <em>yada</em>, welches in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments standardmäßig mit <em>ginosko</em> übersetzt wird, die Beziehung zwischen Gott und Seinem Bundesvolk:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Nur euch habe ich von allen Geschlechtern der Erde <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">erkannt</mark>; darum werde ich alle eure Ungerechtigkeiten an euch heimsuchen. <br></strong>Amos 3,2</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Ich aber bin der HERR, dein Gott, vom Land Ägypten her; und du <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">kennst</mark></strong> <strong>keinen Gott außer mir, und da ist kein Retter als <small>nur</small> ich. </strong>[5]<strong> Ich habe dich ja <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">gekannt</mark> in der Wüste, im Land der Gluten. <br></strong>Hosea 13,4-5</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Und diejenigen, die gottlos handeln gegen den Bund, wird er durch Schmeicheleien zum Abfall verleiten; aber das Volk, das seinen Gott <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">kennt</mark>, wird sich stark erweisen und handeln. </strong><br>Daniel 11,32</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders persönlich ist die Beschreibung von Gottes Erwählung Jeremias als Propheten:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Bevor ich dich im Mutterleib bildete, habe ich dich <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">erkannt</mark>, und bevor du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt: Zum Propheten an die Nationen habe ich dich bestellt. <br></strong>Jeremia 1,5</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine von vielen Weisen, in der sich Jesus mit Israels Bundesgott identifiziert, ist das Aufgreifen genau dieser zutiefst persönlichen Vokabel:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Nicht jeder, der zu mir sagt: „Herr, Herr!“, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. </strong>[22]<strong> Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht durch <em>deinen</em> Namen geweissagt und durch <em>deinen</em> Namen Dämonen ausgetrieben und durch <em>deinen</em> Namen viele Wunderwerke getan? </strong>[23] <strong>Und dann werde ich ihnen erklären: Ich habe euch niemals <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">gekannt</mark>; weicht von mir, ihr Übeltäter! </strong><br>Matthäus 7,21-23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück zu Paulus kommen wir, wenn wir den Galaterbrief lesen:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>jetzt aber, da ihr Gott <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">erkannt</mark> habt, vielmehr aber von Gott <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">erkannt</mark> worden seid, wie wendet ihr euch wieder um zu den schwachen und armseligen Elementen, denen ihr wieder von neuem dienen wollt?</strong><br>Galater 4,9 (vgl. 1. Korinther 8,3)</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Doch der feste Grund Gottes steht und hat dieses Siegel: <small>Der</small> Herr <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">kennt</mark>, die sein sind; und: Jeder, der den Namen <small>des</small> Herrn nennt, stehe ab von <small>der</small> Ungerechtigkeit!</strong> <br>2. Timotheus 2,19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sicher würde keiner behaupten, dass der Herr von denjenigen nichts weiß, die <em>nicht</em> sein sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unvergleichbar hilfreich ist es, festzustellen, dass Paulus in Römer 11, also nur wenige Kapitel später und als Teil derselben Diskussion über Israel schreibt – und zwar ebenfalls mit <em>pro</em>ginosko:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Ich sage nun: Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn auch <em>ich</em> bin ein Israelit aus <small>dem</small> Geschlecht Abrahams, vom Stamm Benjamin.</strong> [2] <strong>Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">zuvorerkannt</mark> hat</strong>.<strong><br></strong>Röm 11,1-2a</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Vokabular, das Paulus nutzt, darf hier nicht unterschätzt werden. Die Frage ist: <strong>Hat Gott </strong>&#8230; <strong>sein Volk verstoßen </strong>(ἀπώσατο)<strong>?</strong> Die Antwort: <strong>Gott hat sein Volk nicht verstoßen</strong> – er hat es <strong>zuvorerkannt</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Verb ἀπώσατο (<em>apōsato</em>) ist das, welches im griechischen Alten Testament verwendet wird, wenn ein Ehemann seine Ehefrau verstößt, also sich praktisch von ihr scheiden lässt. In Jeremia 3,8 lesen wir, wie Gott <em>Israel, weil sie die Ehe gebrochen</em> hat, <em>einen Scheidebrief gegeben hatte</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer in Gottes Vorkenntnis in Römer 11 immer noch einen Glauben der Israeliten voraussetzt, damit Sein Nicht-Verstoßen greifen kann, wird sich schwertun. Wenn Gottes Vorkenntnis lediglich das Feststellen eines Glaubens meint, das Er sieht, wenn er durch die Korridore der Zeit blickt, dann wird man hier massiv enttäuscht: Gott würde nichts sehen außer anhaltenden Unglauben, Ungerechtigkeit und fehlende Gottesfurcht. <strong>Von Israel aber sagt er: „Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt zu einem ungehorsamen und widersprechenden Volk.“</strong> (Römer 10,21)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paulus erklärt, wen genau Gott zuvorerkannt hat:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>So besteht nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Auswahl <small>der</small> Gnade. </strong>[6] <strong>Wenn aber durch Gnade, <small>so</small> nicht mehr aus Werken; sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade. </strong>[7] <strong>Was nun? Was Israel sucht, das hat es nicht erlangt; aber die Auserwählten haben es erlangt, die Übrigen aber sind verhärtet worden.</strong><br>Römer 11,5-7</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genauso erläutert Paulus, bevor er in 8,29-30 beschreibt, wen Er zuvorerkannt hat, die Unfähigkeit des natürlichen Menschen, unabhängig von Seinem Willen zu Ihm zu kommen:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Denn die Gesinnung des Fleisches ist <small>der</small> Tod, die Gesinnung des Geistes aber Leben und Frieden, </strong>[7]<strong> weil die Gesinnung des Fleisches Feindschaft ist gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie vermag es auch nicht. </strong>[8] <strong>Die aber, die im Fleisch sind, vermögen Gott nicht zu gefallen.</strong><br>Römer 8,6-8</p>



<h2 id="fazit" class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine grammatikalische, lexikalische, kontextuelle und theologische Untersuchung von Gottes Vorkenntnis in Römer 8,30 macht die heute sehr beliebte, im Ursprung arminianische Lehre der <em>praescientia fidei</em>, Gottes passives „Vorwissen des Glaubens“, exegetisch unhaltbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der darin vielleicht gut gemeinte Gedanke entspringt einem Missbrauch von Paulus&#8216; klaren Worten über die Erwählung, Gottes Ratschluss und exklusivem Willen in der Errettung Seines bereits vor Erschaffung der Welt geliebten Volkes. Gottes Vorkenntnis ist keine passive, kognitive Feststellung, sondern ein aktiver Beziehungsakt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch mal auf das Zitat von Dinesh D&#8217;Souza zurückgehend:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ist Vorkenntnis dasselbe wie Vorherbestimmung? Wenn ich weiß, dass es morgen regnet, bedeutet das, dass ich es morgen regnen lassen werde?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fehler, den er macht, ist letzten Endes kategorischer Natur: „Wenn <em>ich</em> weiß&#8230;“. Wir importieren unser Denken, unser Vermögen und unsere Natur in die unbeschreiblich und unendlich tiefere Natur Gottes, und wir überschreiben damit die Selbstoffenbarung unseres souveränen Schöpfers mit unserer scheinbar besseren humanistischen Philosophie, die den Menschen, seine Würde, seine Vernunft und seine Freiheit in den Mittelpunkt stellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies war der Fehler des Erasmus, den Luther ausführlich in seinem wohl berühmtesten Werk <em>De servo arbitrio</em> („Über den geknechteten Willen“) bereits vor 500 Jahren zunichte machte; genauso tat es bereits Paulus vor knapp zweitausend Jahren, als die griechischen Philosophen und sogar jüdische Gelehrte die Menschen zu seiner Zeit mit denselben Gedanken in die Irre führten.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Gott weiß nichts zufällig voraus, sondern er sieht alles vorher, nimmt sich vor und tut alles nach seinem unwandelbaren, ewigen und unfehlbaren Willen. Durch diesen Donnerschlag wird der freie Wille völlig zu Boden geworfen und zermalmt.</em><br>Martin Luther (WA 18, 615)<br></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 id="fussnoten" class="wp-block-heading">Fußnoten</h2>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="7bb140da-7440-49f7-aab9-04bd64309144">Zu Jesu eigener Erwählungslehre, besonders in Johannes 6, plane ich einen separaten Beitrag, um den hiesigen nicht zu sehr aufzublähen und den paulinischen Fokus zu bewahren. <a href="#7bb140da-7440-49f7-aab9-04bd64309144-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren">↩︎</a></li><li id="978f3647-7f52-443c-a65f-c80cb7a81e62">Es gibt Versuche, die „Gabe Gottes“ in Epheser 2,8-9 so zu interpretieren, dass sie den Glauben ausschließt. Neben der Tatsache, dass dies grammatikalisch unhaltbar ist, stellt Paulus in seinem Brief an die Philipper explizit fest, dass der Glaube an Christus Gottes Gabe ist: <em>Denn euch ist es im Blick auf Christus geschenkt worden, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden</em>. (Philipper 1,29) <a href="#978f3647-7f52-443c-a65f-c80cb7a81e62-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren">↩︎</a></li><li id="e74378ee-50d7-4f11-a622-c8bf453ba8ee">Eine enorm verbreitete Ansicht ist, dass Paulus in Römer 8 zwar von Errettung spricht, aber in Kapitel 9 plötzlich das Thema wechselt. Diese Parallelen zum eindeutig soteriologischen Kontext in 2. Timotheus sind zwar hilfreich, um diesen Punkt zu entkräften, doch die Parallelen im selben Brief, Paulus&#8216; Vokabular in Kapitel 9 selbst sowie dem unmittelbaren Kontext sollten längst reichen, um den Punkt zu widerlegen. Sollte ich hier Bedarf spüren, werde ich ebenfalls dazu einen separaten Beitrag veröffentlichen. <a href="#e74378ee-50d7-4f11-a622-c8bf453ba8ee-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren">↩︎</a></li><li id="936c8466-cc16-4249-be15-e0c99ca17e08">Ein weit verbreitetes Mantra lautet: „<em>Der Pharao hat sich erst selbst verhärtet, bevor Gott es für ihn tat.</em>“ Nicht nur tritt Paulus dem hier direkt entgegen (<strong>Eben hierzu habe ich dich erweckt</strong>), so deklariert Gott Mose bereits in 2. Mose 4,21-23, dass er Pharaos Herz verhärten will, bevor Mose diesem erstmals begegnete. Folglich heißt es wiederholt, als Pharao sein Herz verhärtete: <strong>so wie der HERR geredet hatte. </strong>(2. Mo 7,13; vgl. 7,22, 8,11, 8,15) <a href="#936c8466-cc16-4249-be15-e0c99ca17e08-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren">↩︎</a></li><li id="14eb8058-2e01-4e74-8ccc-8c6247a9f6d4">Ich weiß nicht, wie oft ich schon folgenden Einwand gehört habe: „<em>Gott hat uns nicht als Roboter oder Marionetten geschaffen.</em>“ Nun, da stimme ich zu. Doch der, <em>der <strong>alles</strong> wirkt nach dem Rat seines Willens</em> (Epheser 1,11) hat sich sehr wohl das Recht genommen, uns als Ton zu bezeichnen. <a href="#14eb8058-2e01-4e74-8ccc-8c6247a9f6d4-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren">↩︎</a></li><li id="9097b859-430e-44b8-ae3a-155861ddf18d">BDAG-Lexikon (2001) <a href="#9097b859-430e-44b8-ae3a-155861ddf18d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren">↩︎</a></li></ol>


<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Ist Agape die „Gottesliebe“?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mail@joelbarthel.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jul 2026 15:15:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wortstudie]]></category>
		<category><![CDATA[Bibelstudium]]></category>
		<category><![CDATA[renke bohlen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine der häufigsten Annahmen, die wir in der Gemeinde seit Jahrzehnten immer wieder hören und nie konsequent hinterfragen, lautet in etwa so, wie Renke Bohlen, Pastor der Bochumer Pfingstgemeinde „Ava Kirche“, es wiedergibt: „Jetzt gibt’s im Neuen Testament, das wissen viele, drei Begriffe für Liebe im Griechischen. Das eine ist eros;&#160;ich glaube das wissen wir [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Eine der häufigsten Annahmen, die wir in der Gemeinde seit Jahrzehnten immer wieder hören und nie konsequent hinterfragen, lautet in etwa so, wie Renke Bohlen, Pastor der Bochumer Pfingstgemeinde „Ava Kirche“, es wiedergibt<sup data-fn="d6bbad1a-eb01-45a6-b3d4-fecc72c340a9" class="fn"><a href="#d6bbad1a-eb01-45a6-b3d4-fecc72c340a9" id="d6bbad1a-eb01-45a6-b3d4-fecc72c340a9-link">1</a></sup>: </p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„<em>Jetzt gibt’s im Neuen Testament, das wissen viele, drei Begriffe für Liebe im Griechischen. Das eine ist <strong>eros</strong>;&nbsp;ich glaube das wissen wir alle, was damit gemeint ist. Dann gibt’s das Wort <strong>philia</strong>, das ist die zwischenmenschliche, freundliche Liebe. Und dann gibt’s die <strong>agape</strong>. Weißt du, wofür agape steht? Für göttliche Hingabe, für göttliche Liebe.</em>“&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du wie ich bist, hast du diese Aussage in einer ähnlichen Form jahrelang geglaubt, wie so viele eben, die wir hören und nicht minutiös hinterfragen. Viele Gemeinden, häufig der Pfingstbewegung angehörend, beziehen sich auf diese besondere „Agape-Liebe“, die die Liebe Gottes beschreiben soll, und nennen sich entsprechend „Agape Church“ oder nutzen das Wort für einen bestimmten Dienstbereich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die These schönen Gedanken entspringen mag (wahrscheinlich der Grund, dass sie selten hinterfragt wird), ist die Unterscheidung dieser drei Worte biblisch nicht zu verteidigen. Die diversen Probleme möchte ich hier aufzeigen.</p>



<div class="wp-block-rank-math-toc-block" id="rank-math-toc"><h2>Inhaltsverzeichnis</h2><nav><ul><li class=""><a href="#was-bedeutet-eros">Was bedeutet eros?</a></li><li class=""><a href="#agape-und-philia">agape und philia</a><ul><li class=""><a href="#agape">agape</a></li><li class=""><a href="#philia">philia</a></li></ul></li><li class=""><a href="#fazit">Fazit</a></li><li class=""><a href="#weiterfuhrende-quellen">Weiterführende Quellen</a></li><li class=""><a href="#fussnoten">Fußnoten</a></li></ul></nav></div>



<h2 id="was-bedeutet-eros" class="wp-block-heading">Was bedeutet <em>eros</em>?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist erstaunlich, festzustellen, dass das Wort <em>eros</em>&nbsp;biblisch fast vollkommen fremd ist. Im griechischen Neuen Testament kommt es, entgegen der obigen Aussage Bohlens, gar nicht einmal vor. In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, finden wir es immerhin zwei Mal:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Komm, wir wollen uns in Liebe <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">berauschen</mark> bis zum Morgen, an Liebkosungen uns ergötzen.<br></strong>Sprüche 7,18</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>der Scheol und der <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">verschlossene Mutterleib</mark></strong><sup data-fn="11ef71ba-ab16-4595-b95a-714a7a762557" class="fn"><a id="11ef71ba-ab16-4595-b95a-714a7a762557-link" href="#11ef71ba-ab16-4595-b95a-714a7a762557">2</a></sup><strong>, die Erde, die des Wassers nicht satt wird, und das Feuer, das nicht sagt: „Genug!“</strong><br>Sprüche 30,16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres Mal finden wir <em>eros</em>&nbsp;in den Apokryphen in derselben Septuaginta:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Liebhaber des Bösen und solcher Hoffnungen würdig / sind alle, die es anfertigen, die nach ihm <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">verlangen</mark> und die es anbeten.</strong><br>Weisheit 15,6</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir stellen fest: Ausgerechnet das Hohelied Salomos enthält <em>eros</em>&nbsp;nicht ein einziges Mal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während das Wort in der klassisch-griechischen Literatur durchaus häufig Gebrauch im sexuellen Kontext fand, was wir durch die heute explizit sexuelle <em>Erotik</em>, die davon abgeleitet ist,&nbsp;leicht nachvollziehen können, ist der Gebrauch im 1. Jahrhundert im jüdisch-christlichen Kontext weitaus hilfreicher, um die für uns relevante Dreiteilung der Liebe zu untersuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor wir diesen betrachten, ist es aber wichtig, festzustellen, dass dieser sexuelle Gebrauch auch in der griechischen Literatur nicht <em>exklusiv</em> war. Der Gebrauch im letzten zitierten Text gibt es gut wieder: <em>eros</em> beschrieb ein tiefes Verlangen nach etwas, erst einmal unabhängig von dessen Objekt. Letzteres konnte genauso die <em>Wahrheit</em> oder die <em>Erde</em> sein. Der Kontext konnte genauso positiv wie auch negativ sein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Philo von Alexandria, der zur selben Zeit wie Jesus lebte, nutzte <em>eros</em>, um die himmlische und göttliche Liebe als „Quelle aller Tugend“ zu beschreiben:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„<em>Wenn der Geist aber vom himmlischen Eros (ἔρωτι οὐρανίῳ – erōti ouraniō) erfasst wird, wird er beflügelt, schwingt sich in die Höhe, überschreitet die gesamte sichtbare Welt und dringt in die geistige Welt vor [&#8230;] Dort schaut er die unbeschreibliche Schönheit der unkörperlichen Ideen.</em>“<sup data-fn="d81eb579-9e03-4ca4-b663-848c1f699bb1" class="fn"><a id="d81eb579-9e03-4ca4-b663-848c1f699bb1-link" href="#d81eb579-9e03-4ca4-b663-848c1f699bb1">3</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph">In seinen allegorischen Schriften verbindet er das Verb <em>erao</em>&nbsp;mit der intellektuellen und geistlichen Sehnsucht der Seele u. a. nach „guten Dingen“ wie Frieden oder Wahrheit.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für uns am relevantesten ist für uns ein Autor wie Ignatius von Antiochien (ca. 35-108 n. Chr.), der an die Römer schrieb:&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„<em>Mein <strong>Eros</strong> [ὁ ἐμὸς ἔρως] ist gekreuzigt, und es ist in mir kein Feuer, das die Materie liebt, sondern ein ‚lebendiges und sprechendes Wasser‘ in mir, das in meinem Innern mir zuruft: Komm zum Vater! Ich habe keine Freude an vergänglicher Nahrung noch an den Vergnügungen dieses Lebens. Gottes Brot will ich</em>&#8230;“.<sup data-fn="e0529612-8c85-4c5d-992d-11a70e68642e" class="fn"><a id="e0529612-8c85-4c5d-992d-11a70e68642e-link" href="#e0529612-8c85-4c5d-992d-11a70e68642e">4</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter heißt es: </p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„<em>Ich verlange [ἐρῶ] zu sterben.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Justin der Märtyrer (100-165 n. Chr.) schrieb folgendermaßen:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„<em>In meiner Seele aber entbrannte sogleich ein Feuer, und es erfaßte mich eine <strong>Liebe</strong> [ἔρως] zu den Propheten und zu jenen Männern, welche Freunde Christi sind. Ich überdachte seine Worte und fand, daß dies die einzig sichere und nützliche Philosophie sei.</em>“<sup data-fn="5977abe1-a338-4587-8f82-1e140d8dd9ef" class="fn"><a id="5977abe1-a338-4587-8f82-1e140d8dd9ef-link" href="#5977abe1-a338-4587-8f82-1e140d8dd9ef">5</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 3. Jahrhundert schrieb Porphyrios über den <em>eros</em>&nbsp;auf eine Weise, in der wir nach heutigem Verständnis <em>agape</em>&nbsp;erwarten würden:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Vier Grundprinzipien sollen im Hinblick auf Gott besonders fest verankert sein: Glaube, Wahrheit, <strong>Liebe</strong> [ἔρως] und Hoffnung. Denn man muss glauben, dass die Hinwendung zu Gott das einzige Heil ist; wer aber glaubt, muss sich mit ganzer Kraft bemühen, die Wahrheit über ihn zu erkennen; wer sie erkannt hat, muss den Erkannten <strong>lieben</strong> [ἐρᾶν]; und der Liebende muss seine Seele zeitlebens mit guten Hoffnungen nähren.</em>“<sup data-fn="4dd35f7a-ccd1-43c4-9e27-8a589c7018c3" class="fn"><a id="4dd35f7a-ccd1-43c4-9e27-8a589c7018c3-link" href="#4dd35f7a-ccd1-43c4-9e27-8a589c7018c3">6</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph">Entgegen dieser strengen Einordnung als <em>romantische Liebe</em>&nbsp;stellen wir also fest, dass <em>eros</em>&nbsp;eine breite Nutzung in der antiken Literatur findet. <em>Eros</em>&nbsp;(und die Verbform&nbsp;<em>erao</em>) zeugen von einer starken Liebe, sind aber bei Weitem nicht auf romantische oder „erotische“ Liebe beschränkt, und genauso wenig auf eine <em>impulsive</em> oder <em>negative</em> Form derselben.</p>



<h2 id="agape-und-philia" class="wp-block-heading"><em>agape</em> und <em>philia</em></h2>



<h3 id="agape" class="wp-block-heading">agape</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Während das Hohelied keine einzige Verwendung von <em>eros</em>&nbsp;aufweist, obwohl wir diese dort nach heutigem Verständnis des Wortes sicherlich erwarten würden, finden wir stattdessen häufig <em>agape</em>&nbsp;und dessen Verbform <em>agapao</em>. Dieses Wort kommt hier zehnmal vor, von den 18 Nutzungen insgesamt im Alten Testament. Diverse davon zeugen von einem äußerst leidenschaftlichen Kontext:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Er hat mich in das Haus des Weines geführt, und sein Banner über mir ist die <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Liebe</mark>. </strong>[5] <strong>Stärkt mich mit Traubenkuchen, erquickt mich mit Äpfeln, denn ich bin krank vor <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Liebe</mark>!</strong><br>Hohelied 2,4-5</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems, bei den Gazellen oder bei den Hirschen des Feldes, dass ihr weder weckt noch stört die <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Liebe</mark>, bis es ihr gefällt!</strong><br>Hohelied 2,7</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems, wenn ihr meinen Geliebten findet, was sollt ihr ihm berichten? Dass ich krank bin vor <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Liebe</mark>.</strong><br>Hohelied 5,8</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Lege mich wie einen Siegelring an dein Herz, wie einen Siegelring an deinen Arm! Denn die <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Liebe</mark> ist gewaltsam wie der Tod, hart wie der Scheol <small>ihr</small> Eifer; ihre Gluten sind Feuergluten, eine Flamme Jahs.</strong><br>Hohelied 8,6</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig übersetzt <em>adelphidos</em>&nbsp;(wörtl. eigentlich zurückgehend auf <em>adelphos =</em>&nbsp;Bruder) folgende Verwendungen des Wortes:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Mein <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Geliebter</mark> ist mir ein Bündel Myrrhe, das zwischen meinen Brüsten ruht. </strong>[14] <strong>Eine Zypertraube ist mir mein <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Geliebter</mark>, in den Weinbergen von En-Gedi.</strong><br>Hohelied 1,13-14</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Mein <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Geliebter</mark> komme in seinen Garten und esse die ihm köstliche Frucht.<br></strong>Hohelied 4,16b</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Mein <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Geliebter</mark> streckte seine Hand durch die Öffnung, und mein Inneres wurde seinetwegen erregt.</strong><br>Hohelied 5,4</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nie würden wir auf die Idee kommen, ein auf <em>Brüderlichkeit</em>&nbsp;zurückgehendes Wort in solch zutiefst romantischen, oft sexuellen Passagen einzuordnen. Doch deshalb schauen wir, wie die Bibel Wörter nutzt, um deren Bedeutung kontextuell zu verstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um zum eigentlichen Kern zurückzukommen, ist es hilfreich, genau diesen Kontext für <em>agape</em> zu betrachten – das Wort, das, obwohl es gar nicht in der jüdischen oder christlichen Literatur entstand<sup data-fn="4ba19255-bc66-48ca-8098-dc7ad098772e" class="fn"><a href="#4ba19255-bc66-48ca-8098-dc7ad098772e" id="4ba19255-bc66-48ca-8098-dc7ad098772e-link">7</a></sup>, scheinbar auf die „Gottesliebe“ beschränkt werden muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Exkurs in die weltliche Nutzung ist an dieser Stelle gar nicht notwendig. Die Bibel selbst gibt uns schockierende Beispiele, bei denen wir nicht wagen würden, das Wort auf Gottes Liebe zu limitieren; ansonsten stünden wir vor einem großen theologischen Problem.&nbsp;<em>Agape</em>&nbsp;und dessen Verb beschreiben z. B. Amnons inzestuöse Vergewaltigung seiner Halbschwester Tamar:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Und Amnon hasste sie mit sehr großem Hass; denn der Hass, mit dem er sie hasste, war größer als die <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Liebe</mark>, mit der er sie <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">geliebt</mark> hatte. Und Amnon sprach zu ihr: Steh auf, geh!</strong><br>2. Samuel 13,15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Will irgendjemand behaupten, Amnon hätte Tamar mit bedingungsloser, göttlicher Liebe geliebt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter wird das Verb genutzt, um Simsons fatale Liebe zu Delila zu beschreiben:&nbsp;<strong>Und es geschah danach, da <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">liebte</mark> er eine Frau im Tal Sorek, ihr Name war Delila.</strong> (Richter 16,4)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Liebe war es, mit der Salomo viele fremde Frauen liebte:&nbsp;<strong>An diesen hing Salomo mit <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Liebe</mark>.</strong> (1. Könige 11,2b)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Psalmist beschreibt mit diesem Wort die Liebe der Gottlosen für Gewalttaten: </p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Der HERR prüft den Gerechten; aber den Gottlosen und den, der Gewalttat <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">liebt</mark>, hasst seine Seele.</strong><br>Ps 11,5<sup data-fn="abef5e20-a738-4a33-9617-28a7b1e6818a" class="fn"><a id="abef5e20-a738-4a33-9617-28a7b1e6818a-link" href="#abef5e20-a738-4a33-9617-28a7b1e6818a">8</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph"> Jeder der <strong>widerspenstigen Fürsten</strong><em> … </em><strong><mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">liebt</mark> Geschenke und jagt nach Belohnungen</strong> (Jesaja 1,23). Alle, die Gott <strong>hassen, <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">lieben</mark> den Tod</strong> (Sprüche 8,36).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im Neuen Testament finden wir absolut gottlose <em>agape</em>. In Johannes 3,19 lesen wir, dass die Menschen <strong>die Finsternis mehr <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">geliebt</mark></strong> haben<em> </em><strong>als das Licht.</strong><em>&nbsp;</em>Woanders verurteilt Jesus selbst die <em>agape</em>&nbsp;des <strong>ersten Sitzes in den Synagogen</strong><em> </em>seitens der Pharisäer (Lukas 11,43). Johannes 12,43 kontrastiert die Liebe der Ehre bei den Menschen mit der bei Gott. Auch die Apostel nutzen solche negativen Formen der <em>agape</em>-Liebe, wie etwa Paulus in 2. Timotheus 4,10, wenn er&nbsp;<strong>Demas</strong> beschreibt, der&nbsp;<strong>den jetzigen Zeitlauf <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">lieb gewonnen</mark></strong><em> </em>hat.</p>



<h3 id="philia" class="wp-block-heading">philia</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig stellen wir fest, dass&nbsp;<em>philia</em> nicht nur „freundliche Liebe“ beschreibt, sondern durchaus austauschbar mit anderen Vokabeln für romantische Liebe<sup data-fn="d39d568f-f278-44b4-a0b4-d38fdb02a4c5" class="fn"><a id="d39d568f-f278-44b4-a0b4-d38fdb02a4c5-link" href="#d39d568f-f278-44b4-a0b4-d38fdb02a4c5">9</a></sup> und auch Gottes Liebe stehen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die <em>agape</em>&nbsp;die <em>Gottesliebe</em>&nbsp;beschreibt, gehen wir dann davon aus, dass der Sohn und der Vater sich nur <em>brüderlich</em>&nbsp;lieben, wenn <em>phileo</em> verwendet wird? Tatsächlich finden wir <em>philia </em>und<em> phileo</em>&nbsp;sogar häufig im göttlichen Gebrauch:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Denn der Vater <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">hat</mark> den Sohn <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">lieb</mark> und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm größere Werke als diese zeigen, damit ihr euch verwundert.<br></strong>Johannes 5,20</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>denn der Vater selbst <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">hat</mark> euch <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">lieb</mark>, weil ihr mich <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">lieb gehabt</mark> und geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin.<br></strong>Johannes 16,27</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Agape</em> und <em>philia</em> sind oft austauschbar.  Während Johannes 5,20, wie gerade aufgezeigt, durch <em>phileo</em> die Liebe des Vaters zu seinem Sohn beschreibt, lesen wir synonym in Johannes 3,35 mit <em>agapao</em>:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Der Vater <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">liebt</mark> den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben.<br></strong>Johannes 3,35</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Johannes 20,2 lesen wir von dem Jünger, den Jesus <strong>lieb hatte</strong> (<em>phileo</em>), während wir in 13,23 und 21,7 vom selben Jünger lesen, den Jesus <strong>liebte</strong> (<em>agapao</em>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Septuaginta übersetzt Sprüche 8,17a „<strong>Ich liebe, die mich lieben</strong>“ mit <em>agapao</em> und <em>phileo</em>, obwohl der hebräische Text zweimal dasselbe Wort nutzt.</p>



<h2 id="fazit" class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir stellen fest, dass, wie es so oft der Fall ist, die Bedeutung von Wörtern immer in erster Linie anhand ihres jeweiligen Kontexts festgestellt werden muss. Dies ist der Grund, dass es kaum Wörter gibt, für die wir im Lexikon lediglich eine Definition vorfinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die strenge semantische Trennung von&nbsp;<em>agape⁠,&nbsp;⁠phileo </em>und<em> eros </em>ist ein relativ neuartiges Phänomen und hat keine Basis in der Heiligen Schrift. Stattdessen sehen wir eine viel größere semantische Überlappung als diese künstliche Trennung von Definitionen es zulässt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Erkenntnis erfordert kein tiefes, vorsichtiges Studium der drei Wörter; ein einfacher Blick in die Konkordanz genügt, um zu sehen, wie alle drei in ganz unterschiedlichen Passagen verschiedenste Bedeutungen aufweisen. Alle drei Wörter finden wir im positiven wie auch negativen Sinne, in romantischen, brüderlichen, freundschaftlichen und göttlichen Beschreibungen. Es gibt nicht <em>ein</em>&nbsp;Wort für Gottesliebe, <em>ein</em>&nbsp;Wort für romantische Liebe und <em>ein</em>&nbsp;Wort für die brüderliche Liebe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem gibt es nicht einfach nur drei Wörter für Liebe – allein das Neue Testament zeugt mit Vokabular wie <em>stergo</em>, <em>splagchnon</em>, <em>epipotheō</em> und vielen weiteren Beispielen von einem weitaus umfangreicheren biblischen „Wortschatz der Liebe“, als es diese These erlaubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solange Pastoren nicht aufhören, ihre Predigtinhalte von anderen zu kopieren, anstatt <em>in Wort und Lehre</em> zu <em>arbeiten</em> (1. Timotheus 5,17) und eigenständig ins Wortstudium zu gehen, werden wir so bald leider nicht sehen, dass die Verbreitung dieser leicht widerlegbaren Lehre, auf die niemand im eigenen Studium käme, ein Ende nimmt.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 id="weiterfuhrende-quellen" class="wp-block-heading">Weiterführende Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Exegetical Fallacies</em> von D. A. Carson ist <em>das</em> Standardwerk, das auf dieses und viele weitere misslungene Wortstudien (und weitere Arten von Auslegungsfehlern) hinweist, die zum Teil großflächigen Eintritt in die Gemeinde gefunden haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Greek For Life</em> von Benjamin L. Merkle und Robert L. Plummer enthält passend zu dieser Diskussion eine ausführlichere Betrachtung eines hierzu oft zitierten Textes in Johannes 21.</p>



<h2 id="fussnoten" class="wp-block-heading">Fußnoten</h2>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="d6bbad1a-eb01-45a6-b3d4-fecc72c340a9"><a href="https://www.youtube.com/live/UqSIVVA-XXs?si=MgrnT_p_pVfk2ZJS&amp;t=1950" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a> (YouTube). <a href="#d6bbad1a-eb01-45a6-b3d4-fecc72c340a9-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren">↩︎</a></li><li id="11ef71ba-ab16-4595-b95a-714a7a762557">In der Septuaginta <em>eros gynaikos</em>, also etwa „Liebe der Frau“, gedanklich zurückgehend auf die Sehnsucht einer Frau nach einem Kind. <a href="#11ef71ba-ab16-4595-b95a-714a7a762557-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren">↩︎</a></li><li id="d81eb579-9e03-4ca4-b663-848c1f699bb1">De opificio mundi, § 70–71 (ins Deutsche übersetzt) <a href="#d81eb579-9e03-4ca4-b663-848c1f699bb1-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren">↩︎</a></li><li id="e0529612-8c85-4c5d-992d-11a70e68642e">Ignatius&#8216; Brief an die Gemeinde in Rom (<em>Epistula ad Romanos</em>), Kapitel 7, VV. 2-3. <a href="#e0529612-8c85-4c5d-992d-11a70e68642e-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren">↩︎</a></li><li id="5977abe1-a338-4587-8f82-1e140d8dd9ef">Justin der Märtyrer, Dialog mit dem Juden Tryphon (<em>Dialogus cum Tryphone Judaeo</em>). <a href="#5977abe1-a338-4587-8f82-1e140d8dd9ef-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren">↩︎</a></li><li id="4dd35f7a-ccd1-43c4-9e27-8a589c7018c3">Porphyrios&#8216; Brief an Marcella (<em>Ad Marcellam</em>), Kapitel 24. <a href="#4dd35f7a-ccd1-43c4-9e27-8a589c7018c3-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren">↩︎</a></li><li id="4ba19255-bc66-48ca-8098-dc7ad098772e">Die klassisch-griechische Literatur bezeugt, dass die Verwendung von <em>agape</em> seltener war als die von <em>philia</em> und <em>eros</em>; es wäre also durchaus korrekt zu sagen, dass die biblischen Autoren dessen Nutzung verstärkt haben – dies begann allerdings bei den Juden bereits einige Zeit vor Christus.   <a href="#4ba19255-bc66-48ca-8098-dc7ad098772e-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 7 navigieren">↩︎</a></li><li id="abef5e20-a738-4a33-9617-28a7b1e6818a">vgl. Psalm 52,3-4 und 109,17. <a href="#abef5e20-a738-4a33-9617-28a7b1e6818a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 8 navigieren">↩︎</a></li><li id="d39d568f-f278-44b4-a0b4-d38fdb02a4c5">s. z. B. Titus 2,4 oder die romantischen Küsse in Hohelied 1,2. <a href="#d39d568f-f278-44b4-a0b4-d38fdb02a4c5-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 9 navigieren">↩︎</a></li></ol>


<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Schamhaftigkeit &#038; Bikinis – Was sagt Gott zu Kleidung?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mail@joelbarthel.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jun 2026 04:39:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dies ist der emotional geladenste Artikel, den ich in absehbarer Zeit schreiben werde. Er behandelt eine praktische, oft individualistisch statt biblisch behandelte Frage: Interessiert es Gott, was ich trage? Ich kann vorneweg sagen, dass kein Fazit folgt, das eine strenge Checkliste für eine „christliche Kleiderordnung“ bestimmen wird. Sehr wohl werde ich aber viele Leser bei [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Dies ist der emotional geladenste Artikel, den ich in absehbarer Zeit schreiben werde. Er behandelt eine praktische, oft individualistisch statt biblisch behandelte Frage:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Interessiert es Gott, was ich trage?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kann vorneweg sagen, dass kein Fazit folgt, das eine strenge Checkliste für eine „christliche Kleiderordnung“ bestimmen wird. Sehr wohl werde ich aber viele Leser bei einer ganz fundamentalen Frage herausfordern – eine Frage, an der sich besonders westliche Leser stoßen, da sie sich selten in irgendeiner Tiefe mit ihr beschäftigt haben:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was, biblisch gesehen, ist Nacktheit eigentlich?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum ich weiß, dass diese Frage ignoriert wird? Ich sehe Nacktheit jeden Sommer aufs Neue, und das erfordert nicht einmal den Blick in die dunklen Portale des Internets. Ich sehe sie in unseren Innenstädten; auf meinem Weg zur Arbeit, wenn ich in der Bahn sitze; wenn ich in den Supermarkt gehe&#8230; und leider an vielen Sonntagen in der Kirche, besonders jetzt im Sommer. Ich sehe zuweilen in sozialen Medien, wie sich selbst Frauen von Pastoren trotz ihrer Vorbildfunktion nach dem Minimalprinzip kleiden.</p>



<div class="wp-block-rank-math-toc-block" id="rank-math-toc"><h2>Inhaltsverzeichnis</h2><nav><ul><li class=""><a href="#die-schopfung-des-menschen">Die Schöpfung des Menschen</a><ul><li class=""><a href="#kuttoneth-כֻּתֹּנֶת-das-armelkleid">Kleidung und Nacktheit aus biblischer Sicht</a><ul><li class=""><a href="#der-erste-und-letzte-modedesigner">Der erste und letzte Modedesigner</a></li></ul></li></ul></li><li class=""><a href="#die-entstehung-des-bikinis">Die Entkleidung der Moderne</a><ul><li class=""><a href="#die-entstehung-des-bikinis-1">Die Entwicklung der Bademode</a><ul><li class=""><a href="#die-explosive-einfuhrung-des-bikinis">Die explosive Einführung des Bikinis</a></li></ul></li></ul></li><li class=""><a href="#schamhaftigkeit-sittsamkeit-1-timotheus-2-8-10">Schamhaftigkeit &amp; Sittsamkeit – 1. Timotheus 2,8-10</a><ul><li class=""><a href="#und-die-manner">Was ist mit Männern?</a></li></ul></li><li class=""><a href="#wir-haben-uns-der-welt-hingegeben">Fazit: Wir haben uns entblößt</a></li><li class=""><a href="#aioseo-nicht-das-wetter-bestimmt-deinen-dresscode-sondern-die-bibel-5-1">Weiterführende Ressourcen</a></li></ul></nav></div>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du diesen Beitrag liest, gehe ich davon aus, dass du Christ(in) bist. Ich gehe auch davon aus, dass du entschieden hast, dein Leben unter dem Willen unseres Herrn Jesus Christus zu stellen und ernstzunehmen, was Gottes Maßstab für einen heiligen Wandel ist. Du weißt, dass du seinem Anspruch nie gerecht werden kannst und sehnst dich Tag für Tag nach der Gnade unseres Retters, der sein Leben für deine Sünden gab. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig weißt du, dass du den Geist Gottes in dir trägst, der dir Gottes Wort offenbart und dich der Sünde überführt. Ich brauche also keine rhetorische Überzeugungskraft, sondern darf gewiss auf das Werk des selben Geistes vertrauen, den wir in uns tragen, dich zu verändern, wenn du neu darüber nachdenkst, was Er uns in Seinem Wort zu dieser alltäglich relevanten Frage zu sagen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich treffe eine Annahme, die ich keinen Christen je hinterfragen hörte: <em>Wir sind als Christen berufen, nicht nackt herumzulaufen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Folgen wir diesem Prinzip? Dieser Frage möchte ich in diesem Beitrag so gründlich wie möglich auf exegetische Weise auf den Grund gehen – also darauf basierend, was uns die Bibel vollumfänglich darüber berichtet. Es folgt eine entsprechende Abhandlung und ein bisschen Geschichtsunterricht.<br></p>



<h2 id="die-schopfung-des-menschen" class="wp-block-heading">Die Schöpfung des Menschen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Interessant ist folgender Punkt: Es braucht kein direktes Gebot, weder im Alten noch im Neuen Testament, um uns in dem oben genannten Grundsatz zu vereinen, dass wir als Christen – sogar als Menschen (auch wenn die FKK-Kultur dies zu hinterfragen vermag) – nicht nackt herumlaufen sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir leiten unsere natürliche Aversion aus dem Schöpfungsbericht ab. Gottes Wort macht deutlich, dass Nacktheit mit Scham verbunden ist, und dass die Scham eine Folge des Sündenfalls ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor Adam und Eva sündigten, lebten sie in perfekter Gemeinschaft mit dem Herrn. Und sie waren nackt.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht.<br></strong>1. Mose 2,25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach ihrer in 3,6 beschriebenen Rebellion ist das erste, was uns die Bibel offenbart:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie erkannten, dass sie nackt waren; und sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. <br></strong>1. Mose 3,7</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau dieses Bild der <strong>Feigenblätter </strong>ist es, das uns durch Gemälde und Filme normalerweise in Erinnerung bleibt.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="683" height="1024" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:683/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/image-1.png" alt="" class="wp-image-1155" style="width:290px;height:auto" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:683/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/image-1.png 683w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:200/h:300/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/image-1.png 200w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:720/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/image-1.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:720/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/image-1.png 800w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:720/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/image-1.png 2x" sizes="(max-width: 683px) 100vw, 683px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Le péché originel</em> (950-955 n. Chr.)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell gerät ein nicht zu unterschätzendes Detail aus den Augen: Gott hatte einen besseren Plan, um ihre Scham zu bedecken.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Und Gott der HERR machte Adam und seiner Frau </strong><br><strong>Kleider aus Fell und bekleidete sie.<br></strong>1. Mose 3,21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Adam und Eva <em>bedeckten</em> sich mit Feigenblättern, aus denen sie sich Schurze machten, die gerade mal ihre Genitalien versteckten. Gott war es aber, der sie vollumfänglich <em>bekleidete</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die primäre, christuszentrierte Anwendung dieses Textes nicht vergessend (Gott musste schließlich ein Tier opfern, um in seiner Gnade diese Kleidung zu ermöglichen), darf nicht übersehen werden, wie signifikant es ist, dass Adams und Evas Versuch, ihre Scham zu bedecken, praktisch nicht ausreichte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Gott selbst trat als der erste Modedesigner der Geschichte ein. Sollte es für uns in dieser Diskussion nicht von Interesse sein, dass Gott eine sehr bestimmte Vorstellung davon hatte, was es für <em>Ihn</em> heißt, unsere Scham ausreichend zu bedecken?</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img decoding="async" width="1024" height="853" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:853/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/Cole_Thomas_Expulsion_from_the_Garden_of_Eden_1828.png" alt="" class="wp-image-1156" style="aspect-ratio:1.2004712593786817;width:605px;height:auto" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:853/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/Cole_Thomas_Expulsion_from_the_Garden_of_Eden_1828.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:250/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/Cole_Thomas_Expulsion_from_the_Garden_of_Eden_1828.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:640/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/Cole_Thomas_Expulsion_from_the_Garden_of_Eden_1828.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1296/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/Cole_Thomas_Expulsion_from_the_Garden_of_Eden_1828.png 1536w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1296/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/Cole_Thomas_Expulsion_from_the_Garden_of_Eden_1828.png 2048w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1296/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/Cole_Thomas_Expulsion_from_the_Garden_of_Eden_1828.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1296/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/Cole_Thomas_Expulsion_from_the_Garden_of_Eden_1828.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ausschnitt aus <em>Expulsion from the Garden of Eden</em> (1828) von Thomas Cole</figcaption></figure>



<h3 id="kuttoneth-כֻּתֹּנֶת-das-armelkleid" class="wp-block-heading">Kleidung und Nacktheit aus biblischer Sicht</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die <strong>Kleider</strong>, von denen in 1. Mose 3,21 die Rede ist, gehen auf das hebräische Wort <em>kuttoneth</em> zurück. Das <em>kuttoneth</em> ist ein Kleidungsstück, das unterschiedliche Längen haben kann, aber immer mindestens die Schultern und Knie bedeckt. Bekannt ist es auch durch das spätere Priestergewand.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das Wort gymnos</em>, „nackt“, beschreibt in der Bibel normalerweise nicht völlige Nacktheit, wie wir es im modernen Sprachgebrauch verstehen. Häufig bezieht es sich auf jemanden, der sein äußeres Gewand abgenommen hat und nur noch das untere Gewand trägt (die antike Form von Unterwäsche). Auch wenn dieses nach heutigen Standards die größten Teile des Körpers bedeckte, so war es deutlich enger anliegend und machte die Körperform sichtbarer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das BDAG-Lexikon definiert dieses Wort deshalb neben „nackt“ nach modernem Verständnis auch als „unangemessen, schlecht bekleidet“ und „leicht bekleidet“ oder „ohne äußeres Gewand“ sein. Diese Definitionen helfen, so manche Passagen besser zu verstehen:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>ich war Fremdling, und ihr nahmt mich nicht auf; <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">nackt</mark>, und ihr bekleidetet mich nicht; krank und im Gefängnis, und ihr besuchtet mich nicht. </strong>[44] <strong>Dann werden auch <em>sie</em> antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig oder durstig oder als Fremdling oder <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">nackt</mark> oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?</strong> <br>Matthäus 25,43-44</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Wenn aber ein Bruder oder eine Schwester <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">nackt</mark> ist und der täglichen Nahrung entbehrt, </strong>[16] <strong>jemand von euch spricht aber zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht das für den Leib Notwendige – was nützt es?</strong> <br>Jakobus 2,15-16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessant ist auch folgende Passage, als Jesus nach seiner Auferstehung am Ufer stand, bevor Petrus erkannte, wer er ist:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Da sagt jener Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr. Simon Petrus nun, als er hörte, dass es der Herr sei, gürtete das Oberkleid um – denn er war <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">nicht bekleidet</mark> (<em>gymnos</em>) – und warf sich in den See. </strong><br>Johannes 21,7</p>



<p class="wp-block-paragraph">Petrus war nicht <em>nackt</em> im modernen Verständnis – aber sehr wohl im biblischen! Er sah es als notwendig an, dem Herrn nicht in seinem Untergewand zu begegnen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Manche Passagen sind wiederum ambivalent. Dies offenbart, dass das Wort Gottes zwischen vollständiger und <em>teilweiser</em> Nacktheit längst nicht so stark unterscheidet wie die meisten von uns. Würden wir diese Passagen heute verfassen, wären wir längst nicht so ambivalent wie die Autoren des Neuen Testaments.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig wird deutlich, dass das Tragen eines langen Kleidungsstücks offenbar nicht reichte, um als bekleidet zu gelten, während heute besonders zu Sommerzeiten schon viel weniger, und oftmals weitaus enger anliegender, Stoff als <em>Kleidung</em> qualifiziert wird.</p>



<h4 id="der-erste-und-letzte-modedesigner" class="wp-block-heading">Der erste und letzte Modedesigner</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Weniger ambivalent ist das weiße <em>Gewand</em>, gr. <em>stolé</em>, das die verherrlichten Heiligen in Offenbarung 6,11 und 7,9 erhalten werden, mit dem sie vor dem Thron und vor dem Lamm stehen. Dieses per Definition <em>lange, fließende Gewand</em> dient als griechisches Äquivalent des <em>kuttoneth</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sehen also, dass Gott Sein Volk seit Beginn der Menschheitsgeschichte kleidet, als Bedeckung unserer Scham, über die fest definierte Bekleidung der Hohepriester zu Mose Zeiten als auch zur endgültigen Verherrlichung.</p>


  
  
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<h2 id="die-entstehung-des-bikinis" class="wp-block-heading">Die Entkleidung der Moderne</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vor wenigen Jahren traf ich zum letzten Mal die Entscheidung, öffentlich schwimmen zu gehen. Ein paar nepalesische Brüder luden mich zum See ein. Was wir nicht wussten: Einige Meter neben dem Familienstrand gab es einen FKK-Bereich. Mein Bruder Som wagte es, sich einer alten Dame, die dort völlig entblößt war, zu nähern und sie zu fragen: „<em>Schämen Sie sich nicht?</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies brachte mich später zum Grübeln. Ich landete in Gedanken wieder bei Adam und Eva: Sie unternahmen ihren lächerlichen Versuch, sich zu kleiden, indem sie gerade so ihre Genitalien bedeckten. Ist das etwa der Grund, warum ich mich an öffentlichen Bädern nie wohlfühlte? Was ist denn ein Bikini, wenn nicht das <em>Gerade-so-Bedecken</em> unserer intimsten Bereiche? Und müsste man konsequent dieser Frau nicht die selbe Frage stellen, wenn sie ein Bikini tragen würde?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erinnere mich an ein paar Mädchen in meiner damaligen Schulklasse, die zufällig immer zum Schwimmunterricht ihre Periode hatten. Ob es wohl nicht jedem von ihnen passte, so viel Haut vor männlichen Mitschülern und Lehrern zu zeigen? Sollte es denn sein, dass Klassenkameraden in diesem beschämenden Zustand voreinander auftreten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ausgerechnet in Herne, der Stadt, in der ich damals lebte, sorgte ein Gymnasium für <a href="https://www.spiegel.de/panorama/herne-gymnasium-kauft-burkinis-fuer-muslimische-schuelerinnen-wir-haben-nachgefragt-a-00000000-0003-0001-0000-000002495263" target="_blank" rel="noopener">Schlagzeilen</a>, als dieses 20 sog. „Burkinis“ anschaffte, da so viele muslimische Schülerinnen den eigentlich verpflichtenden Schwimmunterricht schwänzten. Die Empörung war groß, auch in meinem christlichen Umfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mittlerweile bin ich viel empörter über eine ganz andere Tatsache: Dass viele Christen ausgerechnet die muslimische Kleiderordnung als solch großen Schandfleck des Islams betrachten. So haben doch Muslime, mit allen ihren leider tiefgründigen geistlichen Fehlern, und in all ihrer Inkompatibilität mit unserem Glauben durch ihr fehlendes Fundament, gerade in diesem Punkt ein zumindest <em>äußerlich</em> biblischeres Auftreten als viele Christen! Sie haben eine klare Definition von Sittsamkeit und Schamhaftigkeit. Auf welcher biblischen Grundlage äußern wir unsere Kritik?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Antwort kann ich geben: Wir haben jeglichen Versuch, biblische Kleiderordnung zu verstehen, durch westlichen Individualismus und eine weltlich geprägte Definition von Freiheit ersetzt – eine Definition, die nicht entfernter von der <em>biblischen</em> sein könnte. Das betrifft nicht nur die Art, wie wir uns kleiden.<br></p>



<h3 id="die-entstehung-des-bikinis-1" class="wp-block-heading">Die Entwicklung der Bademode</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bikini ist ein sehr hilfreicher Indikator, wie wir als Christen historisch mit Kleidung umgegangen sind. Warum? Er schöpft gewissermaßen das Extreme aus, um unserer Betrachtung zu dienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele lassen noch mit sich reden, wenn es darum geht, was wir sonntags zum Gottesdienst tragen. Das Prinzip, das sie dann nur vergessen: Der Gottesdienst eines Christen sollte sich nicht auf vier Wände und wenige Stunden der Versammlung in der Woche beschränken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es um den Strand oder das Freibad geht, besonders sobald wir von Sommertemperaturen sprechen, sehen viele von uns einen Freifahrtschein in die Zügellosigkeit. Irgendwie gelten nun keine Regeln mehr. Wir werden den Heiden so ähnlich, dass uns an diesen Orten praktisch nichts mehr von ihnen unterscheidet. Unsere Frauen sammeln die selben Blicke, sei es zum Vergleich der anderen Frauen oder die Wollust der Männer. Und die Männer tun meist genauso wenig, sich hier abzusondern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wirft die notwendige Frage auf: Wie haben sich Christen an öffentlichen Badeplätzen historisch verhalten? Jeff Pollard, Autor von <em>Christian Modesty and the Public Undressing of America</em>, liefert einen hilfreichen Rückblick:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Fall des Römischen Reiches waren die dort beliebten Badeaktivitäten gesellschaftlich kaum noch ein Thema. Erst im 18. Jahrhundert kam es in englischen und französischen öffentlichen Bädern zurück.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="557" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:557/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image.png" alt="" class="wp-image-1283" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:557/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:163/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:418/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1260/h:685/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image.png 1260w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1260/h:685/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">„Public Bathing at Bath, or Stewing Alive“ von Isaac Cruikshank, 1825</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im frühen 19. Jahrhundert brach der neue Trend in die USA ein. Alle Wasseraktivitäten wurden zwischen beiden Geschlechtern getrennt: Männer und Frauen schwammen entweder in separaten Bereichen oder zu verschiedenen Uhrzeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Unsere Kultur entsprang im Allgemeinen einem biblischen Weltbild, das das Bedecken des Körpers beinhaltete“, so Pollard. Dank diesem Weltbild entsprach die Badeuniform derselben Philosophie wie die Straßenuniform.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute würden wir dieses Bild mit dem Islam verbinden. Vor nur etwas mehr als 100 Jahren nannte man dies Christentum.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="800" height="561" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:auto/h:auto/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-2.png" alt="" class="wp-image-1308" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:800/h:561/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-2.png 800w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:210/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-2.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:539/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-2.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:800/h:561/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-2.png 2x" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eine Badekarre im viktoranischen England, die das Trennen beider Geschlechter ermöglichte</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="817" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:817/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-1.png" alt="" class="wp-image-1284" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:817/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-1-scaled.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:239/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-1-scaled.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:613/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-1-scaled.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1354/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-1-scaled.png 1536w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1353/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-1-scaled.png 2048w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1320/h:1053/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-1-scaled.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1353/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-1-scaled.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">Urlauber in Santa Monica, Kalifornien, ca. 1890</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="930" height="732" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:auto/h:auto/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-3.png" alt="" class="wp-image-1309" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:930/h:732/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-3.png 930w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:236/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-3.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:604/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-3.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:930/h:732/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/05/image-3.png 2x" sizes="(max-width: 930px) 100vw, 930px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein ganz normaler Tag in Atlantic City, ca. 1908</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund offensichtlicher Limitierungen im Schwimmerlebnis trat die säkuläre Modewelt ein. Pollard zeigt auf, wie früh die Unterwäsche-Industrie bereits in der Gestaltung von Badebekleidung involviert war. Seit über einem Jahrhundert entkleidet die Modewelt die Frau Stück für Stück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den 1900er-Jahren begann man, die Arme der Frau zu entkleiden. Was heute harmlos klingt, war vor 120 Jahren noch ein gewagter Schritt – die Schultern und Arme einer Frau waren in der Öffentlichkeit standardmäßig bedeckt, wie obige Bilder noch zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 20er entfernten stückweise die Bedeckung der Beine und des Rückens. „Eine Frau, die heute einen sogenannten ‚züchtigen‘ Badeanzug trägt, wäre 1922 verhaftet worden.“ (Pollard)</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den 30ern entstand der erste zweiteilige Badeanzug, was erstmals den heute bekannten Ausschnitt einführte. Dies war so neu, dass die eigenen Showroom-Models des Designers „über die beispiellose Entblößung des nackten Bauches so entsetzt waren, dass sie sich weigerten, ihn anzuziehen.“</p>



<h4 id="die-explosive-einfuhrung-des-bikinis" class="wp-block-heading">Die explosive Einführung des Bikinis</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In den 40ern entstand ganz offiziell der Bikini. Der Modedesigner Louis Réard fand kein Model, das sein Produkt freiwillig tragen würde. Erst in einem Pariser Striplokal fand er sein frewilliges Opfer, Micheline Bernardini. Benannt wurde der Bikini nach dem <em>Bikini Atoll</em>, der Ort des Atombombentests der Vereinigten Staaten, der vier Tage vor Réards <em>Enthüllung</em> stattfand. Den Namen fand er passend, da er korrekt prophezeite, dass dieses „Kleidungsstück“ eine explosive Wirkung auf die Gesellschaft und die sexuellen Gemüter der Männer haben würde. So vermarktete er ihn sogar als „anatomische Bombe“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es bringt an dieser Stelle wenig, den Verlauf den 40er-Jahre bis heute zu verfolgen. Was klar ist: Die systematische gesellschaftliche Konditionierung durch Fernsehen, Kino und Magazine war erfolgreich. Der Bikini wurde immer kleiner; heute sind bereits Tangas an Stränden und in öffentlichen Familienbädern keine Seltenheit. Ich bezweifle, dass Eva mit ihrer selbstgemachten Schürze aus Feigenblättern <em>weniger</em> bedeckte, als die meisten Frauen auf Stränden heute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kaum anders ist es beim modernen einteiligen Badeanzug – dieser liegt durch moderne, synthetische Stoffe nicht nur mittlerweile viel enger an, sondern entwickelte sich zum immer knapperen Modell, das heute bekannt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der gottgewollte Zweck von Kleidung, also zu <em>bedecken</em>, ist im Badeanzugkatalog nicht mehr auffindbar. Das Ziel ist es, den Körper so schön wie möglich darzustellen. Die Kleidung versteckt nichts, sondern soll zeigen, was da ist – oder das „Bedeckte“ gerade so der Fantasie zu überlassen, dass neben Sex kaum noch ein Gedanke übrig bleibt, wenn man dich anguckt.<br></p>



<h2 id="schamhaftigkeit-sittsamkeit-1-timotheus-2-8-10" class="wp-block-heading">Schamhaftigkeit &amp; Sittsamkeit – 1. Timotheus 2,8-10</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Paulus gebietet mit klaren Worten:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Ich will nun, dass die Männer an jedem Ort beten, indem sie heilige Hände aufheben, ohne Zorn und zweifelnde Überlegung. </strong>[9]<strong> Ebenso auch, dass <small>die</small> Frauen sich in bescheidenem Äußeren mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung, </strong>[10] <strong>sondern – was Frauen geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen – durch gute Werke. </strong><br>1. Timotheus 2,8-10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier nutzt Paulus die Worte <strong>Schamhaftigkeit und Sittsamkeit</strong>. Diese werden sichtbar im <em>bescheidenen Äußeren</em>. Entsprechend sollen die Frauen sich <strong>schmücken</strong>. Dieses Wort ist <em>kosmeo</em>, woher wir den <em>Kosmos</em> und <em>Kosmetik</em> haben. Es heißt hier so viel wie „sich durch Dekoration attraktiv machen, sich schmücken, zieren“ (BDAG). Bestärkt wird es durch <em>kosmios</em> (hier: <strong>bescheiden</strong>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paulus verbietet es Frauen nicht, nach Schönheit zu trachten. Dieser natürliche Wunsch einer Frau wird unter die Leitung des Heiligen Geistes gebracht. Der Kontext anhand des Vokabulars (<strong>Haarflechten</strong>, <strong>Gold</strong>, <strong>Perlen</strong>, <strong>kostbarer Kleidung</strong>) deutet auf ein luxuriöses Äußeres als Antithese zu den guten Werken als Folge des Bekenntnisses zur <strong>Gottesfurcht</strong>. Viele Ausleger sind sich einig, dass Paulus hier ein kulturelles Phänomen aufgreift: Er beschreibe die Uniform einer Kurtisane, einer adligen Prostituierten. Diese Kleidung spiegelt neben ihrer Opulenz die sexuelle Verfügbarkeit einer Frau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch der mögliche kulturelle Hintergrund ist nicht entscheidend, sondern ein konsistentes Bild im Alten Testament. Hosea etwa greift immer wieder ein opulentes Auftreten in Zusammenhang mit Ehebruch auf, in diesem Kontext seitens Israel und Gott gegenüber:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Und ich werde an ihr die Tage der Baalim heimsuchen, an denen sie ihnen räucherte und sich mit ihren Ohrringen und ihrem Halsgeschmeide schmückte und ihren Liebhabern nachging; mich aber hat sie vergessen, spricht der HERR.</strong> <br>Hosea 2,15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um den Text auf heute zu übertragen, ist es wichtig, zu verstehen, auf welches <em>Prinzip</em> Paulus deutet, um den Sinn dieses Textes nicht zu vergessen. Die moderne Hure kleidet sich nicht wie die des 1. Jahrhunderts. So wäre es besonders an so einer Stelle fatal, den Weg des Biblizisten zu gehen, der nun meint, kein <strong>Gold</strong> oder <strong>Perlen</strong> mehr tragen zu dürfen, oder seine Haare ungeflechtet lassen zu müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Überhaupt würden wir den Sinn verpassen, wenn wir Paulus Gebot gesetzlich verstehen. Man erinnere sich: Es ist gerade die Antithese der inneren Herzenshaltung, die für ihn zählt; die <strong>Gottesfurcht</strong> und die <strong>guten Werke</strong>. Aus diesen heraus entscheidet die Tochter Gottes und Sklavin Christi, wie sie sich Tag für Tag kleidet. Und dabei soll ihr natürliches Verlangen nach Schönheit nicht unterdrückt werden.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Die Anmut ist Trug, und die Schönheit Eitelkeit; eine Frau, die den HERRN fürchtet, <em>sie</em> wird gepriesen werden. <br></strong>Sprüche 31,30</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paul Washer <a href="https://youtu.be/2O6JqqQCJQ8?si=qbWDDYKjuFzyuLAJ&amp;t=1537" target="_blank" rel="noopener">zitiert passenderweise seine Ehefrau</a>: „<em>Wenn deine Kleidung ein Rahmen für dein Gesicht ist, aus dem die Herrlichkeit Gottes strahlen soll, dann ist sie angemessen, wenn sie die Aufmerksamkeit auf dein Gesicht lenkt. Wenn deine Kleidung die Aufmerksamkeit auf deinen Körper lenkt, um seine Formen zu betonen und ihn auffallen zu lassen, dann ist sie sinnlich.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass unser von Gott verändertes Herz der bestimmende Faktor unserer Kleiderwahl sein soll, und dass letztere sehr wohl entscheidend ist (entgegen der Meinung, er würde hier lediglich aufs Innere und nicht auf Kleidung schauen), wird auch durch Paulus&#8216; Nutzung des Wortes <strong>Äußeren</strong> (<em>katastolé</em>) deutlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der <strong>Schamhaftigkeit</strong> (<em>aidos</em>) erwähnt Paulus die <strong>Sittsamkeit</strong> (<em>sophrosune</em>), die in englischen Übersetzungen auch mit <em>Nüchternheit</em> oder <em>Selbstkontrolle</em> übersetzt wird. Der Gebrauch dieser Vokabel zeugt häufig von sexueller Zurückhaltung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das <em>Äußere</em> betrachtend, scheint sich also ein seidener Faden durch Paulus Worte zu ziehen: Eine Frau, die zu Gottes Familie gehört, hat sich nicht so zu kleiden, dass ihr Körper sexuelle Gedanken hervorruft. Man soll sie loben, ja, sogar für ihre Schönheit bewundern können. Wenn ihr Äußeres aber die Wollust anderer Männer hervorruft (und die eigene bezeugt), ist ihre Gottesfurcht zu hinterfragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um zu verstehen, was denn wirklich diesen Effekt hat, und so manche Frau wird sich gerne ignorant geben (man möge ihr jedoch vergeben, denn wir leben in einer wirklich sexualisierten und dekadenten Zeit, sodass wir selbst in der Kirche die verrücktesten Dinge normalisiert haben), sollte eine Tatsache hier nicht außer Acht gelassen werden: Paulus sieht sich in der Lage, Frauen zu sagen, wie sie sich kleiden sollen. Der moderne Mann, und sei er Gemeindehirte, traut sich das so oft nicht mehr! Und kaum tut es noch die Schwester, um eine andere liebend zu ermahnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn am Ende, so der Zeitgeist, ist Kleidung doch ein höchstpersönliches und individuelles Thema. „Ich will damit doch niemanden verführen.“ „Ich fühle mich wohl darin.“ „Es ist nicht meine Schuld, dass Männer sich nicht zurückhalten können.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sind moderner und liberaler, als wir oft annehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Petrus ermahnt die Frauen mit ähnlichen Worten:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Ebenso ihr Frauen, ordnet euch euren eigenen Männern unter, damit, wenn auch einige dem Wort nicht gehorchen, sie durch den Wandel der Frauen ohne Wort gewonnen werden mögen, 2 indem sie euren in Furcht reinen Wandel angeschaut haben; 3&nbsp;deren Schmuck nicht der äußere sei durch Flechten&nbsp;der&nbsp;Haare und Umhängen von Goldschmuck oder Anziehen von Kleidern,&nbsp;4 sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unvergänglichen&nbsp;<small>Schmuck</small>&nbsp;des sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist. 5 Denn so schmückten sich einst auch die heiligen Frauen, die ihre Hoffnung auf Gott setzten und sich ihren eigenen Männern unterordneten: 6 wie Sara dem Abraham gehorchte und ihn Herr nannte, deren Kinder ihr geworden seid, wenn ihr Gutes tut und keinerlei Schrecken fürchtet.<br></strong>1. Petrus 3,1-6</p>



<p class="wp-block-paragraph">Petrus bringt die Kleidung in den direkten Zusammenahng mit Unterordnung und den <strong>in Furcht reinen Wandel </strong>der Frau. Auch er ist stark antithetisch: Der <strong>Schmuck </strong>(<em>kosmeo</em>) der Frau sei nicht <strong>der äußere</strong>, <strong>sondern der verborgene Mensch des Herzens</strong> <strong>in dem unvergänglichen Schmuck des sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <strong>Schmuck</strong> selbst ist die Unterordnung, was er in Vers 6 durch den Vergleich mit Saras Gehorsam Abraham gegenüber verdeutlicht. Und auch hier ist ihr <strong>Wandel</strong> untrennbar von dem, wie sie sich äußerlich präsentiert. Während der Zeitgeist also sagt, dass wir jemandes Herz nicht an seinem Äußeren beurteilen können, sagt Petrus hier genau das Gegenteil. Der Schein trügt nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abschließend sei der entscheidende Punkt erwähnt, ohne den wir nicht einmal die halbe Wahrheit erkennen: Die <strong>Furcht </strong>und Anbetung Gottes dienen als Ausgangspunkt unserer Entscheidung, wie wir uns kleiden. Bevor Petrus Saras Unterordnung gegenüber Abraham erwähnt, geht es um den <strong>sanften und stillen Geist</strong>, <strong>der vor Gott sehr kostbar ist</strong>.</p>



<h4 id="und-die-manner" class="wp-block-heading">Was ist mit Männern?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Es sei in Paulus&#8216; Ermahnung herauszustellen, dass sein Brief an Timotheus verschiedene gruppenspezifische Warnungen enthält. Er greift über den gesamten Brief hinweg bestimmte Gruppen auf, die von besonderen Versuchungen betroffen sind, wie den Zorn unter Männern, wenn sie sich zum Gebet versammeln (Vers 8) oder den Hochmut der Reichen (6,17-18). </p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbstverständlich können Arme höchmütig sein und Frauen zornig Diskussionen führen, die Gebetsversammlungen trüben. Genauso können sich Männer schamlos <em>ent</em>kleiden und ihre Körper zur Schau stellen; Gott bekleidete immerhin nicht nur Eva, sondern auch Adam. Doch die männliche Versuchung ist hier von Natur aus bei weitem nicht dieselbe wie bei den Frauen. Der Puritaner Richard Baxter beschrieb Frauen in diesem Kontext als „Candles among gunpowder“ („Kerzen in der Nähe von Schießpulver“); die Versuchung eines Mannes, durch die visuelle Kraft einer Frau in Sünde zu geraten, wird durch bewusst oder unbewusst unweise gewählte Kleidung übermäßig erhöht, wie es im umgekehrten Fall kaum stattfindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Umkehrschluss darf nicht unerwähnt bleiben, dass auch die <em>äußere</em> Schönheit einer Frau im Kontext der Ehe nicht zwecklos bleibt. Sprüche 5, der Segenswunsch eines Vaters an seinen Sohn, erläutert sowohl die Gefahr der Verführung der <em>fremden</em> Frau, dessen Füße in den Tod hinabsteigen und dessen Schritte am Scheol haften (Vers 5), als auch den Segen der <em>Frau deiner Jugend</em> &#8230; <em>ihre Brüste mögen dich berauschen zu aller Zeit, taumle stets in ihrer Liebe</em> (Vers 19). </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die berauschende Kraft des Körpers der Frau ist ein Fluch in der Öffentlichkeit, und sie kann zur <em>Fremden</em> für viele Männer werden. Richtig eingesetzt hat sie aber einen wunderbaren Zweck in dem heiligen Bund ihrer Ehe.</p>



<h2 id="wir-haben-uns-der-welt-hingegeben" class="wp-block-heading">Fazit: Wir haben uns entblößt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie zuvor bereits angedeutet, war die visuelle Macht des weiblichen Körpers und die natürliche Schwäche des Mannes etwa in bestimmten Zeiten des viktorianischen Englands und den USA des frühen 19. Jahrhunderts kein Geheimnis. Ein biblisches Weltbild war die gesellschaftliche Norm, und dieses diktierte auf ganz organische Weise die Kleiderordnung, sei es auf der Arbeit, auf der Straße oder sogar im öffentlichen Schwimmbad sowie am Familienstrand. Nicht das Wetter bestimmte unsere Kleiderwahl, sondern ein Selbstverständnis der Schamhaftigkeit und des Respekts – des Selbst und der Mitmenschen, geordnet unter dem Willen Gottes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die weltliche Modeindustrie hat es geschafft, Leggings, Bikinis, Miniröcke, Hotpants, Minikleider und Dekolletés zu normalisieren. Dieser Schritt mag für die Welt verständlich sein, die verloren ist und Gott nicht sucht. Der Eintritt in die Kirche und die Köpfe der Heiligen, die Christi Repräsentanten auf dieser Erde sind, erfordert jedoch ein radikales Umdenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um nun auf die ursprüngliche Frage, auf die dieser Beitrag baut, zurückzugehen: Wir haben zu wenig von Paulus und Petrus in der Gemeinde, die bereit sind, klare Worte zu den Frauen zu reden; wir haben zu wenig ältere Frauen, die den jüngeren beibringen, was sich geziemt; und wir haben der Welt viel zu viel Raum gegeben, unseren Maßstab zu definieren, sodass viele von uns überhaupt gar keine Definition mehr von biblischen Fundamenten wie die Schamhaftigkeit oder Sittsamkeit besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was hält uns ab, zurückzukehren zu einer biblischen Grundlage bei unserer täglichen Entscheidung, wie wir uns kleiden?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bete zum Herrn, dass er durch diesen Beitrag Herzen verändert.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="800" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:800/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/image-from-rawpixel-id-13028591-original.jpg" alt="" class="wp-image-1174" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:800/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/image-from-rawpixel-id-13028591-original-scaled.jpg 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:234/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/image-from-rawpixel-id-13028591-original-scaled.jpg 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:600/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/image-from-rawpixel-id-13028591-original-scaled.jpg 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1382/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/image-from-rawpixel-id-13028591-original-scaled.jpg 1536w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1383/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/image-from-rawpixel-id-13028591-original-scaled.jpg 2048w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1320/h:1031/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/image-from-rawpixel-id-13028591-original-scaled.jpg 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1383/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/09/image-from-rawpixel-id-13028591-original-scaled.jpg 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<h2 id="aioseo-nicht-das-wetter-bestimmt-deinen-dresscode-sondern-die-bibel-5-1" class="wp-block-heading">Weiterführende Ressourcen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Viel mehr könnte zur Schamhaftigkeit und Sittsamkeit aus biblischer Sicht geschrieben werden, doch weitaus erfahrenere Geschwister haben dies schon vor mir getan:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Jeff Pollards Buch&nbsp;<em>Christian Modesty and the Public Undressing of America</em>&nbsp;(<a href="https://www.goodreads.com/book/show/13820714" target="_blank" rel="noopener">Goodreads</a>) empfehle ich Ryan Fullertons&nbsp;<a href="https://youtu.be/vs5BdU17mH0?si=0JS2F4jfV3SiGTFC" target="_blank" rel="noopener">Predigt</a>&nbsp;mit dem Titel „Modesty: A Biblical Approach“. Für Frauen empfiehlt sich der kurze Ratgeber&nbsp;<em>Interessiert es Gott, was ich trage</em>? von Nancy DeMoss Wolgemuth.</p>
<p>&lt;p&gt;The post <a rel="nofollow" href="https://joelbarthel.de/schamhaftigkeit-bikinis-was-sagt-gott-zu-kleidung/">Schamhaftigkeit &amp; Bikinis – Was sagt Gott zu Kleidung?</a> first appeared on <a rel="nofollow" href="https://joelbarthel.de">Joel Barthel</a>.&lt;/p&gt;</p>
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		<title>Bibelstudium – Ein Leitfaden für Autodidakten [2026]</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mail@joelbarthel.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Apr 2026 12:06:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bibelstudium]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bibelstudium ist ein Wort, das wir ständig nutzen, aber unterschiedlich meinen. Häufig wird es genutzt, um sich auf das regelmäßige Bibellesen oder -hören zu beziehen, abseits jeglichen Studiums im eigentlichen Sinne des Wortes. Hilfreich ist die ursprüngliche lateinische Bedeutung von&#160;studere, die das Lernen eher als&#160;Sich ernsthaft bemühen, streben nach oder eifern betrachtet⁠. Wer im ursprünglichen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Bibelstudium ist ein Wort, das wir ständig nutzen, aber unterschiedlich meinen. Häufig wird es genutzt, um sich auf das regelmäßige Bibellesen oder -hören zu beziehen, abseits jeglichen <em>Studiums </em>im eigentlichen Sinne des Wortes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hilfreich ist die ursprüngliche lateinische Bedeutung von&nbsp;<em>studere</em>, die das Lernen eher als&nbsp;<em>Sich ernsthaft bemühen, streben nach </em>oder <em>eifern </em>betrachtet⁠. Wer im ursprünglichen Sinne studiert, tut dies aus innerem Antrieb, aus einem ersten Verlangen auf der Suche nach der Wahrheit in welcher Sache auch immer, die man&nbsp;<em>studiert</em>. Sicher ist diese Definition der ideale Ausgangspunkt, um etwas so Essentielles zu lernen wie die Bibel.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir also von <em>Bibelstudium</em> sprechen, so meine ich in diesem Artikel die tiefe, bereichernde und ewige Freude schenkende Beschäftigung mit dem Wort Gottes. Deshalb ist mein Blog auch mit <strong>Freude am Wort</strong> beschriftet – Bibelstudium ist der treibende Faktor hinter jedem meiner Artikel. Dass&nbsp;<em>Bemühung</em> und&nbsp;<em>Eifern</em> im Kontext des Bibelstudiums keine Fremdwörter sein sollten, macht Paulus unmissverständlich in seinem zweiten Brief an Timotheus klar:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-style-plain is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em>Befleißige dich, dich selbst Gott als bewährt darzustellen, als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt.</em></p>



<p class="has-text-align-left has-small-font-size wp-block-paragraph">– 2. Timotheus 2,15</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Leitfaden zeige ich Schritt für Schritt auf, wie ich dies nach ein paar Jahren als Hauskreisleiter tue und was ich bisher dabei gelernt habe. Ich hoffe, vielen Lesern damit zu helfen, ihr eigenes Bibelstudium mit zahlreichen Tipps und Ressourcen zu bereichern, und vielleicht hilft mir ja der eine oder andere erfahrene Leser, mein eigenes Wissensrepertoire zu erweitern!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Motiviert wurde ich zu diesem Beitrag, weil ich es persönlich am hilfreichsten finde, zu sehen, <em>wie</em>&nbsp;andere arbeiten und welche Mittel sie dabei nutzen und empfehlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, dass jeder Leser hier etwas mitnehmen können wird – am meisten, wenn man selbst noch nicht weiß, wo man überhaupt anfangen soll. Aber auch, wenn man bereits im Studieren des Wortes etabliert ist: Es gibt eine Fülle an großartigen Ressourcen, von denen du sicher noch nicht alle kennst oder bei denen ich Überzeugungsarbeit leisten darf!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Inhaltsverzeichnis</h2>



<div class="wp-block-aioseo-table-of-contents"><ul><li><a href="#aioseo-bibelstudium-ist-auch-fur-dich-10">Bibelstudium ist auch für dich</a></li><li><a href="#aioseo-bevor-du-die-bibel-studierst-15">Bevor du die Bibel studierst…</a><ul><li><a href="#aioseo-hilfreiche-vorkenntnisse-17">Hilfreiche Vorkenntnisse</a><ul><li><a href="#aioseo-englisch-18">Englisch</a></li><li><a href="#aioseo-die-sprachen-der-bibel-20">Die Sprachen der Bibel</a><ul><li><a href="#aioseo-jede-ubersetzung-ist-eine-auslegung-25">Jede Übersetzung ist eine Auslegung</a></li></ul></li></ul></li><li><a href="#aioseo-vermeide-diese-fehler-25">Vermeide diese Fehler</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-schritt-nr-1-lesen-lesen-lesen-35">Schritt Nr. 1 – Lesen, lesen, lesen.</a><ul><li><a href="#aioseo-welche-ubersetzung-38">Welche Übersetzung?</a></li><li><a href="#aioseo-bibelsoftware-accordance-43">Bibelsoftware: Accordance</a><ul><li><a href="#aioseo-accordance-vs-logos-49">Accordance vs. Logos</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-induktives-bibelstudium-55">Induktives Bibelstudium</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-schritt-nr-2-einfuhrungen-71">Schritt Nr. 2 – Einführungen</a></li><li><a href="#aioseo-schritt-nr-3-kommentare-80">Schritt Nr. 3 – Kommentare</a><ul><li><a href="#aioseo-technische-vs-pastorale-kommentare-83">Technische vs. Pastorale Kommentare</a></li><li><a href="#aioseo-wie-wahle-ich-einen-kommentar-91">Wie wähle ich einen Kommentar?</a></li><li><a href="#aioseo-fallbeispiel-galater-103">Fallbeispiel: Galater</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-schritt-nr-4-notizen-schreiben-115">Schritt Nr. 4 – Notizen schreiben</a></li><li><a href="#aioseo-schritt-nr-5-sekundare-kommentare-119">Schritt Nr. 5 – Sekundäre Kommentare</a><ul><li><a href="#aioseo-griechische-urtexte-127">Griechische Urtexte</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-schritt-nr-6-wortstudien-131">Schritt Nr. 6 – Wortstudien</a></li><li><a href="#aioseo-schritt-nr-7-ki-uberprufung-machtig-aber-nur-mit-vorsicht-147">Schritt Nr. 7 – KI-Überprüfung. Mächtig, aber nur mit Vorsicht!</a><ul><li><a href="#aioseo-ein-hilfsmittel-kein-ersatz-fur-arbeit-149">Ein Hilfsmittel, kein Ersatz für Arbeit</a></li><li><a href="#aioseo-wie-ich-ki-sicher-und-effektiv-einsetze-154">Wie ich KI sicher und effektiv einsetze</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-die-kosten-des-bibelstudiums-179">Die Kosten des Bibelstudiums</a><ul><li><a href="#aioseo-software-apps-182">Software &#038; Apps</a></li><li><a href="#aioseo-bibelubersetzungen-190">Bibelübersetzungen</a></li><li><a href="#aioseo-lehrmaterial-videos-203">Lehrmaterial &#038; Videos</a></li><li><a href="#aioseo-lexika-210">Lexika</a></li><li><a href="#aioseo-urtexte-begleitmaterial-215">Urtexte &#038; Begleitmaterial</a></li><li><a href="#aioseo-kommentare-222">Kommentare</a></li><li><a href="#aioseo-unter-dem-strich-231">Unter dem Strich</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-abschliessende-worte-237">Abschließende Worte</a></li></ul></div>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-bibelstudium-ist-auch-fur-dich-10">Bibelstudium ist auch für dich</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie, wann und wie viel man die Bibel studiert, ist eine sehr persönliche Frage. Niemand sollte Bibelstudium in seinem Leben abweisen. Doch wenn du Hausfrau und Mutter bist, wirst du in der Praxis nicht dieselbe Zeit haben, und in geringerem Maße dazu berufen sein, als etwa die Ehemänner. Diese sind am Ende des Tages dazu beauftragt, ihre Frauen im <em>Wasserbad des Wortes zu waschen</em> (Epheser 5,26). </p>



<p class="wp-block-paragraph">Gewiss fällt uns Ehemännern und Vätern mehr&nbsp;gottgegebene Verantwortung zuteil als den Frauen und Kindern, die wir in unseren Häusern belehren sollen, das <em>Wort der Wahrheit recht zu teilen</em>&nbsp;(2. Timotheus 2,15). Wir studieren nicht nur für uns selbst, sondern tragen ebenso Verantwortung für das geistliche Wachstum anderer Seelen, die Gott uns beauftragt hat, zu leiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch besteht ein universeller Auftrag über alle Geschlechter- und Hierarchie-Grenzen hinweg – auch Frauen sind (wenn auch begrenzter, was ihr Amt betrifft) dazu geboten, zu lehren, zu ermahnen und zu korrigieren. Auch Kinder, die in christlichen Elternhäusern aufwachsen, führen Gespräche mit anderen Kindern. Unsere Berufung, das Evangelium in die ganze Welt hinauszutragen, ist allgemein, und wir können diese nicht vom gesamten Ratschluss Gottes trennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurzgefasst: Wenn du Christ bist, <em>brauchst</em>&nbsp;du Bibelstudium. Und für niemanden kann es zu viel davon geben. Wenn du mehr Zeit hast und mehr Verantwortung trägst (wie ich als Ehemann, Vater und Hauskreisleiter), solltest du dich umso eifriger darum bemühen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor es in den praktischen Teil geht, möchte ich noch ausführen, welche Vorkenntnisse hilfreich&nbsp;sind. Ich sage <em>hilfreich</em>, weil ich niemanden davon abhalten möchte, die Bibel sofort in die Hand zu nehmen und zu studieren. Aber zwei, drei Dinge gibt es zu beachten, um gewisse Hürden aus dem Weg zu räumen und die häufigsten Fehler zu vermeiden, die viele beim Bibelstudium machen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-bevor-du-die-bibel-studierst-15">Bevor du die Bibel studierst…</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bibelstudium erfordert viel Zeit und Energie. Ich möchte dir einmal die wichtigsten Tipps mit auf den Weg geben, bevor du dich in die wunderbare Reise des Bibelstudiums begibst, die du für den Rest deines Lebens bestreiten wirst.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-hilfreiche-vorkenntnisse-17">Hilfreiche Vorkenntnisse</h3>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-englisch-18">Englisch</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du diesen Beitrag liest, wirst du feststellen, dass ich mich fast exklusiv auf englischsprachige Ressourcen beziehe. Der Grund ist simpel: In der deutschen Sprache gibt es viel, viel weniger Literatur, besonders wenn wir vom feinsten Material reden, das die Gemeinde in den letzten Jahrzehnten produziert hat. Von Bibelkommentaren, Lexika und hilfreichem Video- und Audiomaterial kommst du früher oder später nicht darum herum, die englische Sprache zu beherrschen. Bibelforschung und theologischer Diskurs findet heutzutage vorwiegend in dieser Sprache statt.</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-die-sprachen-der-bibel-20">Die Sprachen der Bibel</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sprachen (Griechisch, Hebräisch und ggf. Aramäisch) lernt man natürlich, um die Bibel in ihrer ursprünglichen Form lesen zu können, aber der Student braucht sie in erster Linie, um zu verstehen, was der Autor eines Kommentars mit den ganzen Fachbegriffen meint, wenn er Syntax und Grammatik analysiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Griechisch lesen kann man schnell lernen, zumindest brüchig. Das <em>Auswerten</em> von Kommentaren (gute Informationen von weniger guten unterscheiden) ist ein andauernder Lernprozess. Kein Mittel wird dich hier weiter bringen als das Lernen der Sprachen. Man kann hier bei Null anfangen – lerne das griechische oder hebräische Alphabet (eine Sache von wenigen Tagen), um die größte Hürde bei deinem ersten tiefen Studium eines Buches zu entfernen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer in 1-2 Jahren mit 10-20 Minuten täglichem Aufwand eine der biblischen Sprache lernen möchte, ist mit der Biblingo-App bestens bedient. Es gibt auch viele Textbücher, welche die Inhalte der ersten zwei Semester an einer Hochschule zum Selbststudium ermöglichen (mein Favorit ist <em>Beginning Greek</em> von&nbsp;Benjamin L. Merkle und Robert L. Plummer).</p>



<h5 class="wp-block-heading" id="aioseo-jede-ubersetzung-ist-eine-auslegung-25">Jede Übersetzung ist eine Auslegung</h5>



<p class="wp-block-paragraph">Jeder, der nur wenige Wochen Griechisch oder Hebräisch lernt, stellt fest: Übersetzen ist eine durch und durch theologische Arbeit. Kein Übersetzer kommt darum herum, Vers für Vers zwischen einer Fülle an möglichen Definitionen von Wörtern zu wählen und diese Entscheidungen an eine systematischen Theologie anzuknüpfen, damit sein Werk kohärent bleibt. Wer die Bibel nackt, also ohne menschlichen Einfluss lesen möchte, genau so, wie der Heilige Geist ihn eingegeben hat, kommt nicht um die Originalsprachen herum. Rein mechanisches Übersetzen ist gar nicht so schwierig, führt aber ohne theologischen Einfluss zu einem völlig unlesbaren Produkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erwähne diesen Punkt, weil ich schon öfters folgenden Gedanken gehört habe: </p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">„<em>Verlass dich nicht auf Menschenwerk, wenn du die Bibel studierst. Lasse dich vom Heiligen Geist leiten und Er wird dir offenbaren, was die Wahrheit ist.</em>“ </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn das dein Denken ist, so sei es. Aber dann sei auch konsequent und höre auf, die Bibel in irgendeiner Übersetzung zu lesen! Jede Übersetzung ist <em>Menschenwerk</em>. Keine Übersetzung kommt an Theologen vorbei, die dahinter stehen. Dieselben Theologen, die die Kommentare schreiben, die du ablehnst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du noch besser verstehen möchtest, wie wertvoll, wenn auch nicht <em>essentiell</em>, das Lernen der Sprachen ist, lies <em>Greek For Life</em>&nbsp;(oder <em>Hebrew For Life</em>) von&nbsp;Benjamin L. Merkle and Robert L. Plummer. Es enthält pro Kapitel ein ausführliches Fallbeispiel anhand des Urtextes. Für mich war das Buch die entscheidende Motivation, mit dem Lernen anzufangen. Biblingo war das entscheidende Tool, um dranzubleiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-vermeide-diese-fehler-25">Vermeide diese Fehler</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du sonst nichts mitnimmst, dann bitte das hier: Hab Demut. Wenn du die Bibel in etwa so studierst, wie ich es in diesem Beitrag aufzeige, gehörst du zu einer Minderheit in der Gemeinde. Es ist garantiert, dass du früher oder später in <em>manchen </em>Bereichen&nbsp;ein tieferes Wissen erlangt haben wirst als ein Ältester, der sonntags predigt. Wissen kann unglaublich bereichernd sein, aber es kann auch unser Fleisch durch Stolz und ein Verlangen nach Anerkennung füttern. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Neues Wissen kann uns auch zur Selbstüberschätzung führen. Dass du nun besser Johannes 6 auslegen kannst als dein Pastor, gibt dir immer noch nicht die jahrelange Erfahrung in Wort und Lehre, die zu seiner umfangreichen theoretischen und praktischen Weisheit führt, die seinen Dienst ausmacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sei gewiss, dass hinter jeder Anstrengung, die du unternimmst, das Wort besser zu verstehen, der Geist Gottes steht, und behalte immer die Demut, dies anzuerkennen. Ich denke an meinen Pastor Edmund Coronel Jr., der bei jedem Lob zu seinem Bibelwissen ohne zu zucken auf Gott verweist, da er kein Lob für sich behalten möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Demut heißt auch, korrigierbar zu bleiben. Zuversicht ist etwas Gutes, aber wenn wir meinen, alles erkannt zu haben, liegen wir grundsätzlich falsch. Natürlich sollen wir korrigieren und ermahnen, und dafür brauchen wir das&nbsp;Wissen, das wir im Wort empfangen; gleichzeitig sollten&nbsp;wir immer offen sein, Neues zu lernen und uns korrigieren zu lassen, wenn wir doch einmal falsch liegen, da wir nun mal fehlbare Wesen sind. Mein Rat also: Prüfe dein Wissen! Erst, wenn du neue Erkenntnisse an genauso enthusiastischen Brüdern „getestet“&nbsp;hast, kannst du ihrem Wert gewiss sein.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="841" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:841/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image.jpeg" alt="" class="wp-image-1228" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:841/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image.jpeg 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:246/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image.jpeg 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:631/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image.jpeg 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1218/h:1000/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image.jpeg 1218w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1218/h:1000/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image.jpeg 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Eine Streitfrage aus dem Talmud (Carl Schleicher, 19. Jahrhundert)</em></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt nämlich <em>sehr</em>&nbsp;viele Fehler, die man in der Bibelauslegung machen kann. Es wäre peinlich, hier aufzulisten, welche ich zuvor schon alle gemacht habe, und manche davon öffentlich im Hauskreis. Anstatt hier ausführlich auf die beliebtesten Fehler einzugehen, rate ich jedem Studenten, <em>Exegetical Fallacies</em>&nbsp;von D. A. Carson zu lesen (auch&nbsp;<a href="https://cbuch.de/Carson-Stolpersteine-der-Schriftauslegung/175979?srsltid=AfmBOortI4PRiX2kJrIeQhWXP7-UL7_hRC3tXG_GmG6xMGti5Qa8IrSR" target="_blank" rel="noopener">auf Deutsch</a>&nbsp;verfügbar), bevor er sich ins Bibelstudium begibt. Wäre ich Dozent, so würde ich dieses Buch als verpflichtende Grundlage als Hausaufgabe aufgeben, bevor ich mit meinen Studenten den ersten Bibeltext durchgehe. Es zeigt so ziemlich jeden Fehler auf, den man machen kann, wenn man die Bibel auslegt. Lies es bloß, um gedemütigt zu werden.</p>


  
  
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<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-schritt-nr-1-lesen-lesen-lesen-35">Schritt Nr. 1 – Lesen, lesen, lesen.</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das erste, was ich tun möchte, wenn ich ein Buch studiere, wird nicht überraschend klingen: es in meiner bevorzugten Übersetzung lesen. Dieser Schritt ist <em>simpel</em>, aber gar nicht so einfach: Die Versuchung ist groß, schon mitten in der Lesephase einzelne Wörter im Lexikon nachzuschlagen oder bestimmte Formulierungen verstehen zu wollen. Ich bin aber abgeneigt, zu behaupten, dies sei ein Problem. Anderen Geschwistern, die ich für ihre Auslegungsfähigkeiten sehr respektiere, scheint es ebenfalls schwer zu fallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch: Wenn Paulus einen Brief an eine Gemeinde geschrieben hat, ist es nicht falsch, zu versuchen, ihn so wie die ursprünglichen Empfänger zu lesen (oder vorgelesen zu bekommen): Einmal durch.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-welche-ubersetzung-38">Welche Übersetzung?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich mich mit der Bibel primär auf Englisch beschäftige, lese ich hauptsächlich die <strong>LSB</strong>-Übersetzung, die für eine präzise, wenn auch manchmal etwas starre, Wort-für-Wort-Überlieferung bekannt ist. Für den sofortigen deutschen Vergleich lese ich die <strong>CSV Elberfelder</strong> oder die <strong>Revidierte Elberfelder 1985</strong>, über die man das Gleiche sagen kann. Im sprachlichen Vergleich werden erste interessante Unterschiede in der Wortwahl deutlich, oft auch über verschiedene Übersetzungen hinweg.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich die <strong>LSB </strong>und <strong>CSV</strong>&nbsp;gelesen habe, vergleiche ich während des laufenden Studiums noch vier weitere Übersetzungen: Die <strong>ESV</strong>, da sie genauso wörtlich ist, aber hier und da anders übersetzt und so einen ersten Hinweis gibt, wo es Interpretationsschwierigkeiten geben könnte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <strong>NIV</strong> ist eine freiere Übersetzung, die aber besonders gut darin ist, den heute verständlichen Sinn wiederzugeben und zusätzliche Interpretationshinweise liefert. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <strong>NET&nbsp;</strong>ist eine oft sonderbare und von dem Mainstream abweichende Übersetzung, die gerade deswegen einen für diesen ersten Teil des Studiums interessanten Blickwinkel liefert. Diese Übersetzung wird später besonders hilfreich sein, wenn ich tiefer in den Text eintauche, da sie für besonders ausführliche und hilfreiche Fußnoten bekannt ist. Zuletzt nutze ich die <strong>Menge 2020</strong>&nbsp;als deutsche Vergleichsbibel, da sie ebenfalls akademisch sehr präzise formuliert ist und manche <strong>CSV</strong>-Entscheidungen herausfordert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wechseln zwischen diesen Übersetzungen tue ich aufgrund meiner hohen Neugier und mangelnden Geduld&nbsp;<em>nicht</em>, bevor ich weitere Ressourcen abrufe, sondern ist ein wiederkehrender Prozess im laufenden Studium, gekoppelt mit allen anderen Mitteln, die ich hier im weiteren Verlauf beschreibe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für weitere Details und Gedanken zu verschiedenen Übersetzungen in der deutschen Sprache, und eine Erklärung, warum die beliebte Schlachter-Bibel hier nicht aufgeführt ist, verweise ich auf meinen Artikel:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://joelbarthel.de/welche-bibeluebersetzung-ist-die-beste/">Welche Bibelübersetzung ist die beste?</a></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-bibelsoftware-accordance-43">Bibelsoftware: Accordance</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ich arbeite fast ausschließlich digital. Meine bevorzugten Übersetzungen kann ich Seite an Seite in der Bibelsoftware-App <strong>Accordance</strong> lesen:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="617" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:617/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-7.png" alt="" class="wp-image-1235" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:617/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-7.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:181/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-7.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:463/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-7.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1536/h:926/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-7.png 1536w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1320/h:796/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-7.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1659/h:1000/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-7.png 1659w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1659/h:1000/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-7.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wie man hier sieht, habe ich links den Originaltext, daneben drei englische Übersetzungen und ganz rechts die Revidierte Elberfelder 1985 als deutschen Vergleich (leider gibt es die CSV Elberfelder nicht in Accordance – diese lese ich aber <a href="https://www.csv-bibel.de/start" target="_blank" rel="noopener">online</a>, und Gott sei Dank ist sie auch mobil verfügbar). Die Übersetzungen laufen immer parallel, egal, welche ich lese. Wenn ich meine Maus über ein Wort bewege, wird es in allen Texten hervorgehoben. So kann ich Wort für Wort schnell sehen, wie es jeweils übersetzt wird.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="164" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:164/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-4.png" alt="" class="wp-image-1230" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:164/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-4.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:48/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-4.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:123/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-4.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1536/h:246/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-4.png 1536w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1920/h:307/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-4.png 2048w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1320/h:212/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-4.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1920/h:307/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-4.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-accordance-vs-logos-49">Accordance vs. Logos</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Accordance ist für mich <em>die</em> Bibelsoftware schlechthin. Logos hat nach einigen objektiven Faktoren die Nase vorn, aber subjektiv und für den Alltagsgebrauch brilliert Accordance in entscheidender Hinsicht:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Das Team hinter Accordance ist klein und besteht nur aus bibeltreuen Geschwistern.</li>



<li>Accordance funktioniert auf jedem Rechner blitzschnell, weil es auf das Mindeste fokussiert ist und ohne Schnickschnack auskommt.</li>



<li>Die Preisgestaltung ist deutlich benutzerfreundlicher und planbarer: Accordance ist lebenslang mit einem zweistelligen Einmalkauf (zu besonderen Zeiten sogar völlig kostenlos) erhältlich. Logos funktioniert wie ein teures Netflix-Abo, dessen Preis sich durch aggressives Marketing und eine Fülle an überflüssigen Funktionen rechtfertigen lässt. Nur wer das teuerste Abo „Max“ wählt, bekommt überhaupt alle Funktionen.</li>



<li>Accordance verkauft nichts von Joyce Meyer.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-induktives-bibelstudium-55">Induktives Bibelstudium</h3>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle kann ich das sog. <em>induktive Bibelstudium</em> nicht unerwähnt lassen. Es gibt viele Modelle, die einen bestimmten Weg vorgeben, <em>wie</em> man die Bibel liest und welche Fragen man sich dabei stellen sollte, bevor man den ersten Kommentar aufschlägt. Dazu gehören essentielle hermeneutische Fragen wie z. B.:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Wer hat diesen Text geschrieben, und wann?</li>



<li>Was war der kulturelle Kontext?</li>



<li>Um welche Textform handelt es sich (Brief, Poesie, Narrative, Weisheitsliteratur…)?</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Persönlich fällt es mir schwer, Anleitungen zu befolgen. Aus diesem Grund kann ich diesem Thema nicht viele Zeilen widmen. Ich sehe es nicht als Problem, schon früh einen Kommentar aufzuschlagen, wenn man dies unbedingt möchte. Neugier muss nicht durch strenge Systeme gedämpft werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Induktiv studieren beinhaltet i. d. R. auch selbstständiges Auslegen des Textes. Das kann äußerst spannend und erbauend sein, aber wenn es ein Problem gibt, das die moderne Gemeinde immer wieder plagt, ist es ein irreführendes Vertrauen in eine biblisch unbegründete Form der „Leitung des Geistes“ abseits des Handwerks, das wir durch vom Geist geleitete Arbeiter im Wort erhalten haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man bedenke, dass in der großen in Nehemia beschriebenen, von Gott bewirkten Erweckung, bei der sich das ganze Volk versammelte, das Auslegen des Wortes von Lehrern ein essentieller Bestandteil war, damit das Volk das Wort verstand:</p>



<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em><em>Und Jeschua und Bani und Scherebja, Jamin, Akkub, Schabbetai, Hodija, Maaseja, Kelita, Asarja, Josabad, Hanan, Pelaja und die Leviten belehrten das Volk über das Gesetz; und das Volk <small>stand</small> an seiner Stelle. Und sie lasen in dem Buch, in dem Gesetz Gottes, deutlich und <strong>gaben den Sinn an, so dass man das Gelesene verstand.</strong></em></em></p>



<p class="has-text-align-left has-small-font-size wp-block-paragraph">– Nehemia 8,7-8</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit sage ich nicht, induktives Bibelstudium sei in irgendeiner Weise schlecht – wer problemlos viel lesen und beobachten kann, sollte dies auf jeden Fall tun, bevor er externe Ressourcen hinzufügt. Gleichzeitig sollte man nicht hochmütig meinen, durch intensives Lesen und Beobachten nun Dinge erfasst zu haben, die vielleicht völlig falsch deduziert sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst die weisesten unter uns wären ohne die Hilfe externer Ressourcen aufgeschmissen; Weisheit zeichnet sich nicht durch eine besonders hohe Auffassungsgabe aus, sondern durch die Anerkennung der eigenen Unfähigkeit und der Demut, sich Hilfe anderer vom Geist geführten Autoren zu holen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Fundament jeder induktiven Anleitung ist aber essentiell: Gott um Weisheit und Leitung bitten. Dies ist Schritt 0 eines jeden Studiums und sollte jeden weiteren begleiten. Gebet hilft auch dabei, unseren Kopf nicht von unserem Herzen zu trennen, wenn wir uns in die Tiefe der Bibelauslegung begeben.</p>



<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em><em><em>Öffne meine Augen, damit ich Wunder schaue in deinem Gesetz!</em></em></em></p>



<p class="has-text-align-left has-small-font-size wp-block-paragraph">– Psalm 119,18</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-schritt-nr-2-einfuhrungen-71">Schritt Nr. 2 – Einführungen&nbsp;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich mich ab Schritt 3 ins tiefe Studium begebe und Vers für Vers durch ein Buch gehe, greife ich auf folgende Quellen zurück, um eine erste Einführung in das jeweilige Buch zu erhalten:</p>



<p class="wp-block-paragraph" id="aioseo-the-baker-illustrated-bible-background-commentary-73"><strong>The Baker Illustrated Bible Background Commentary</strong><br>Dieses Buch nutze ich in erster Linie, um meinen Hauskreis vorzubereiten; manchmal enthält es Illustrationen, die ich für diesen nutzen kann. Zudem enthält es kompakte Einführungen in alle Bücher, die mir in diesem ersten Schritt helfen, mich in den geschichtlichen und kulturellen Kontext eines Buches reinzudenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph" id="aioseo-biblical-training-75"><strong>Biblical Training</strong><br>Diese <a href="https://biblicaltraining.org" target="_blank" rel="noopener">spendenbasierte Datenbank</a> ist eine echte Goldmine. Hier gibt es tausende Stunden an hochwertigstem Lehrmaterial in Form von Videos oder Audios, das man sonst nur auf teuren Hochschulen erhält. Die selben Dozenten, die gleichen Kurse, nur eben aufgezeichnet und mit keinem Theologieabschluss verbunden. Zu jedem Buch gibt es hier mittlerweile einführende Kurse, die etwa fünf Stunden gehen. Es gibt auch tiefergehende Kurse und viele weitere zu allen Themen rund um Theologie. Hier ist für jeden was dabei.</p>



<p class="wp-block-paragraph" id="aioseo-the-gospel-coalition-kurse-esv-study-bible-77"><strong>The Gospel Coalition Kurse / ESV Study Bible</strong><br>Diese&nbsp;<a href="https://www.thegospelcoalition.org/courses/#old-testament" target="_blank" rel="noopener">kostenlosen Kurse</a>&nbsp;bestehen aus den Einführungen aus der ESV Study Bible, die übersichtliche Grafiken, Karten und Inhaltsangaben enthalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Schritt beschreibe ich Kommentare; diese beinhalten die ausführlichsten Einführungen zu den jeweiligen Büchern, womit sich dieser Schritt mit dem folgenden überschneidet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-schritt-nr-3-kommentare-80">Schritt Nr. 3 – Kommentare</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die meiste Zeit im Studium eines Buches verbringe ich mit dem Lesen von Kommentaren. Das mag für manch unerfahrene Studenten fast schon falsch klingen. Man bedenke aber, dass die Lesezeit eines Buches wie Galater etwa zehn bis fünfzehn Minuten beträgt; die Lesezeit eines 800-seitigen Kommentars dazu geht in die vielen Stunden. Man verbringt dadurch natürlicherweise viele Stunden mit dem <em>eigentlichen</em>&nbsp;Text, der an sich so kurz ist; man <em>arbeitet</em>&nbsp;mit ihm. Passage für Passage, Vers für Vers und manchmal sogar Wort für Wort.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer einen tiefgreifenden, exegetischen Kommentar für das Studium nutzt, kann sich auf ein wochen- bis monatelanges Unterfangen einstellen. 80 oder 90 Prozent der Erkenntnisse entstehen in diesem Schritt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-technische-vs-pastorale-kommentare-83">Technische vs. Pastorale Kommentare</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich begann, meinen ersten Hauskreis zu leiten, nutzte ich lediglich den frei verfügbaren Kommentar&nbsp;<a href="https://enduringword.com/commentary/" target="_blank" rel="noopener">Enduring Word</a> von David Guzik, den es für die gesamte Bibel gibt. Ich schätze Guziks Arbeit sehr, konsultiere ihn aber aus zwei Gründen nicht mehr: Erstens ist er zu kompakt. Zweitens ist er ein <em>pastoraler</em> Kommentar – grundsätzlich nichts Verwerfliches, aber hier werden die theologischen Einflüsse der Calvary-Chapel-Bewegung, der Guzik angehört, oft zu einer Einschränkung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein technischer bzw. akademischer Kommentar, den ich mittlerweile weitaus bevorzuge, lässt sowas nicht zu. Der technische Kommentator ist nämlich gezwungen, verschiedene Sichten zu kontrastieren und eine gewisse Sachlichkeit zu wahren. Seine Position darf durchschimmern, aber er muss sie in jedem Punkt exegetisch anhand der Originalsprache verteidigen können; dem Leser ist es selbst überlassen, überzeugt zu werden. Eine <em>Meinung</em>&nbsp;wird immer klar herausgestellt. Der Autor kann es sich nicht leisten, eine offensichtlich zweifelhafte Auslegung als unbestreitbaren Fakt darzustellen, ohne seine akademische Glaubwürdigkeit zu verlieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein pastoraler Kommentar wie Enduring Word ist frei, den argumentativen Teil zu überspringen; der Leser muss nicht herausgefordert oder überzeugt werden, sondern lediglich informiert und gefüttert. Genau so läuft es ja in einer gesunden Gemeinde, die von qualifizierten Ältesten geleitet wird. Wenn ein Pastor predigt, <em>kommentiert</em> er einen Text – nur eben <em>pastoral</em>. Er sollte nicht gezwungen sein, jeden Punkt, den er macht, akademisch zu verteidigen. Er ist für das geistliche Wachstum seiner Herde verantwortlich, und diese lebt gewissermaßen davon, dass er die notwendige Vorarbeit gründlich und mit Verantwortung geleistet hat. Bete für deine Pastoren!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also kurzgesagt: Ein <em>pastoraler</em> Kommentar ist ein Balanceakt zwischen Erklärung und Predigt. Ein <em>technischer</em> Kommentar ist viel mehr darauf aus, den Text möglichst objektiv wiederzugeben. Er beginnt im Idealfall nicht mit Annahmen, die in den Text hineingelesen werden, sondern arbeitet <em>aus</em>&nbsp;dem Text heraus. Genau das nennt man Exegese. Ein ernsthaftes Bibelstudium sollte sich nicht auf unerklärte Auslegungen verlassen; wir wollen verstehen, <em>wie</em>&nbsp;es zu einer Auslegung kommt, und dabei primär den uns gegebenen Text des jeweiligen Autors betrachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rate hiermit nicht pauschal davon ab, pastorale Kommentare zu nutzen. Wenn du es tust, sei nur gewiss, dass du oftmals näher an einer Predigt bist als an einem ausführlichen Kommentar. Ich lese Guziks Kommentare nun genauso wenig wie die von MacArthur in seiner zurecht vielgeliebten Studienbibel – auch dieser ist nicht bemüht, jeden Punkt ausführlich zu verteidigen. Seine Theologie gehört einfach in den Kommentar, und er wird geschrieben, als gäbe es keine zweite Meinung. Noch mal: Das ist nicht per se falsch. Aber für den Prediger oder Hauskreisleiter ist das nicht genug, um informiert zu lehren.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurze Zeit nutzte ich neben Enduring Word erstmal noch einen weiteren kostenlos verfügbaren Online-Kommentar namens&nbsp;<a href="https://www.kingcomments.com/de" target="_blank" rel="noopener">Kingcomments</a>. Nach einigen Kapiteln stellte ich fest, dass es wenig Abweichung von Enduring Word gibt und beide Autoren sowieso theologisch zu einem großen Teil d’accord sind. Das Wechseln zwischen beiden war also selten hilfreich. Als ich dann aber erstmals einen technischen Kommentar heranzog, stellte ich fest: Alles, was ein kompakterer Kommentar wie Enduring Word, MacArthurs Studienbibel oder Kingcomments aufgreift, ist bereits in den viel ausführlicheren, technischen Kommentaren enthalten und wird mit anderen Sichten verglichen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">So habe ich mein Repertoire von irgendwann vier Kommentaren auf einen einzigen reduziert. Ich kann ein 800-seitiges Werk lesen und mir die 50 Seiten von kompakteren Kommentaren dadurch sparen. Wenn ich jedoch kompakte Kommentare lese, und seien es sogar mehrere, aber auf einen technischen Kommentar verzichte, entgeht mir vieles.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-wie-wahle-ich-einen-kommentar-91">Wie wähle ich einen Kommentar?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wahl des Kommentars ist kritischer als jede andere. Vor allem, wenn ich weiß, dass dieser mich und unseren Hauskreis monatelang begleiten wird.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um eine erste Übersicht zu erhalten, nutze ich drei Anlaufstellen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>New Testament Commentary Survey von D. A. Carson (2013)</li>



<li><a href="https://bestcommentaries.com/" target="_blank" rel="noopener">BestCommentaries.com</a></li>



<li>The Gospel Coalitions <a href="https://www.thegospelcoalition.org/best-commentaries/" target="_blank" rel="noopener">Best Commentaries</a>&nbsp;</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Carsons Buch ist meine erste Anlaufstelle, weil er den Leser ausführlich durch die existierende Literatur führt. Da die siebte Edition des Buches mittlerweile 13 Jahre alt ist, enthält es nicht mehr die allerneuesten Kommentare, deshalb ziehe ich zwei weitere Quellen heran:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://BestCommentaries.com" target="_blank" rel="noopener">BestCommentaries.com</a>&nbsp;fasst Bewertungen aus verschiedenen Plattformen zusammen; die Nutzerbewertungen finde ich allerdings meist uninteressant, und somit gewissermaßen auch die Gesamtbewertung eines Buches und manchmal folglich die Rangliste, die durch den Algorithmus zusammenkommt. Es ist genauso wie auf Amazon – auch ein Buch von Joyce Meyer kann sehr gut bewertet sein, aber mich würde es wundern, wenn Tim Challies, Ligonier oder gute Hochschulen eine Fünf-Sterne-Bewertung hinterlassen. Das sind die Rezensionen, die mich interessieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuletzt ist für mich die Auflistung auf The Gospel Coalition hilfreich. Interessant ist für mich nur die Kategorie „Scholarly Commentaries“, deren Kurzbeschreibung suggeriert, man müsse ein Experte der biblischen Sprachen sein, um sie lesen zu können. Ich kann bezeugen, dass dies meist <em>nicht</em>&nbsp;der Fall ist! Ein Anfängerwissen ist durchaus hilfreich, und mindestens sollte man das griechische Alphabet können, wobei manche Kommentarreihen standardmäßig den griechischen Text transliterieren, sodass dort sogar diese Voraussetzung wegfällt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine eigenen theologischen Präferenzen sind hier nicht maßgebend – immer wieder stelle ich fest, dass die besten verfügbaren Kommentare häufig ohnehin aus der reformierten Welt kommen, der ich mich am ehesten zuordne. Ich war verblüfft, als ich auf meiner Suche nach einem dispensationalistischen Kommentar zu Galater nichts gefunden habe, das die Schlüsselpassagen in ansatzweise ähnlicher Tiefe behandelt, wie es solche von reformierten Autoren tun (<em>Leser, erleuchte mich!</em>). Nichtsdestotrotz spielt es keine große Rolle, wie der jeweilige Autor im Detail zu bestimmten bestreitbaren Themen steht – Grundlage ist für mich ein evangelikales Grundbekenntnis (Ausnahme sind ggf. jüdische Auslegungen für alttestamentliche Bücher, um besser in das ursprüngliche Verständnis einzutauchen). Für die Apostelgeschichte scheint bspw. Darrell L. Bocks Werk von 2007 <em>der</em> Kommentar schlechthin zu sein. Bock ist progressiver Dispensationalist. Selbst stark reformierte Institutionen wie Ligonier geben hier eine deutliche Empfehlung ab; dort finden wir sogar Craig Keeners 4.500-seitiges (!) Werk auf Platz 1. Sein Kommentar ist nun mal ausführlich und fair geschrieben. Die theologische Vorbelastung sollte hier kein Hindernis sein, ein Werk zu respektieren, wenn es nun mal exzellent ist!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende hat jeder ernstzunehmende Autor den selben Anspruch: Das Wort Gottes verstehen und so fair wie möglich behandeln, ohne seine eigene theologische Brille in die Auslegung zu importieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-fallbeispiel-galater-103">Fallbeispiel: Galater</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Hier ein Beispiel, wie ich meine bevorzugten Quellen genutzt habe, um mich für einen Galater-Kommentar zu entscheiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst habe ich Carsons Buch konsultiert. Dort habe ich einige Empfehlungen gesehen, mitunter Richard N. Longeneckers Kommentar von 1990 oder den von F. F. Bruce von 1982. Carson erwähnte eine kommende Veröffentlichung von Douglas J. Moo, die im selben Jahr (2013) erschienen ist, er aber nur vorsichtig empfehlen konnte, weil er bisher nur einen Entwurf gelesen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach habe ich beide Webseiten verglichen. Zuerst fiel mir auf, dass die Nummer 1 auf <a title="" href="https://BestCommentaries.com" target="_blank" rel="noopener">BestCommentaries.com</a>&nbsp;zwar Longeneckers Kommentar ist, aber dieser nun bereits 36 Jahre alt ist.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="1018" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:1018/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-8.png" alt="" class="wp-image-1236" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:1018/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-8.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:298/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-8.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:150/h:150/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-8.png 150w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:764/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-8.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1085/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-8.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1085/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-8.png 1484w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1085/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-8.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://bestcommentaries.com/galatians/" target="_blank" rel="noopener" title="">BestCommentaries.com</a></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das bedeutet, dass das Werk nicht mehr den aktuellsten Stand der lexikalischen Erkenntnisse darstellt (das aktuelle Standard-Lexikon BDAG ist 2000 erschienen). Neuere Ideen oder Erkenntnisse von anderen Gelehrten können nicht berücksichtigt werden. Zudem hat das Buch „nur“ 442 Seiten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">F. F. Bruces Werk ist hier auf Platz 2, hat aber nur 325 Seiten und ist von 1982. Ein wiederholter Kritikpunkt, den ich lese, ist das Annehmen gewisser Punkte, ohne sie detailliert genug zu erklären (Bruce war Verfechter des biblischen Egalitarismus), obwohl der Kommentar anderweitig gelobt wird. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein neueres Werk, das mir ins Auge sticht, ist das von Thomas R. Schreiner, den ich ebenfalls sehr respektiere. Aber mit seinen 432 Seiten ist dieser verglichen mit Moos 848 Seiten auch nur halb so lang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Halte ich lang für besser? Nicht prinzipiell – aber The Gospel Coalition merkt bei Moo positiv an, dass er sich „extensiv und nuanciert“ einem „breiten Spektrum an wissenschaftlicher Literatur zu Galater“ widmet. Bedeutet für mich: Ich werde immer da, wo es relevant ist, <em>sowieso</em>&nbsp;Longeneckers oder Bruces Meinung erhalten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="647" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:647/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-9.png" alt="" class="wp-image-1237" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:647/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-9.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:189/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-9.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:485/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-9.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1320/h:834/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-9.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1460/h:922/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-9.png 1460w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1460/h:922/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-9.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://www.thegospelcoalition.org/recommendation/best-commentaries-galatians/" target="_blank" rel="noopener"><em>The Gospel Coalition</em></a></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Und genauso war es! Ich entschied mich für diesen tiefgreifenden Kommentar von Douglas J. Moo und hatte wirklich selten das Bedürfnis, einzelne weitere Kommentare aufzurufen. Dieser Kommentar gibt viel mehr als nur Moos Sicht auf die Dinge: Er ist eine Art Meta-Studie der existierenden Literatur. Ich habe ein gutes Gefühl dafür bekommen, wie Longenecker, Bruce und auch andere Theologen wie J. Louis Martyn, James D. G. Dunn oder Martinus C. de Boer stellenweise anhand des Textes argumentieren</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-6.png" alt="" class="wp-image-1234" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-6.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:300/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-6.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:150/h:150/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-6.png 150w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:768/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-6.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1080/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-6.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1080/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-6.png 1344w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1080/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-6.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Auszug aus Galatians von Douglas Moo.&nbsp;</em></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Lesen nutze ich grundsätzlich Kindle. Wenn ich ein eBook woanders als auf Amazon gekauft habe, kann ich es dort importieren und die für mich essentielle Markierungsfunktion nutzen. Ich markiere Texte immer in abwechselnden Farben (ohne tiefergehendes System), um zwischen Stichpunkten zu trennen. Diese helfen mir im nächsten Schritt, meine Notizen zu erstellen. Ich lasse zwischen beiden Schritten einige Zeit verstreichen, um noch mal einen frischen Blick auf den Text werfen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-schritt-nr-4-notizen-schreiben-115">Schritt Nr. 4 – Notizen schreiben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für meine Notizen nutze ich <a href="https://getupnote.com/" target="_blank" rel="noopener">UpNote</a>, weil es Markdown unterstützt und (noch?) zum niedrigen Preis als Einmalkauf erhältlich ist. Es unterstützt unendlich viele Notizen und Anhänge mit je max. 20 MB Größe, was ideal ist, wenn man Grafiken, PDFs oder PowerPoint-Präsentationen in Notizen einbetten möchte, was mir für den Hauskreis sehr hilft.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="750" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:750/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-10.png" alt="" class="wp-image-1238" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:750/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-10-scaled.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:220/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-10-scaled.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:562/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-10-scaled.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1475/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-10-scaled.png 1536w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1475/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-10-scaled.png 2048w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1320/h:966/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-10-scaled.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1475/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-10-scaled.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich meine Notizen anhand der Markierungen aus dem Kommentar fertiggestellt habe, folgen noch drei Schritte, um Informationen hinzuzufügen und die Notizen abzurunden:</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-schritt-nr-5-sekundare-kommentare-119">Schritt Nr. 5 – Sekundäre Kommentare</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neben meinem <em>primären</em>&nbsp;Kommentar gibt es aktuell zwei Kommentare, die ich aufgreife, bevor ich meine Notizen abschließe:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>New Dictionary of Biblical Theology (NDBT)</li>



<li>Commentary on the New Testament Use of the Old Testament (CNTUOT)</li>
</ul>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="443" height="648" data-id="1247" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:auto/h:auto/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-11.png" alt="" class="wp-image-1247" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:443/h:648/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-11.png 443w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:205/h:300/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-11.png 205w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:443/h:648/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-11.png 2x" sizes="(max-width: 443px) 100vw, 443px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="717" height="1024" data-id="1250" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:717/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-14.png" alt="" class="wp-image-1250" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:717/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-14.png 717w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:210/h:300/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-14.png 210w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:756/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-14.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:755/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-14.png 1075w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:755/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-14.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:756/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-14.png 1400w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:756/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-14.png 2x" sizes="(max-width: 717px) 100vw, 717px" /></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn das <strong>NDBT</strong> nicht Buch für Buch kommentiert, so enthält es immer wieder hilfreiche Kommentare zu einzelnen Passagen, die im großen Kontext der biblischen Heilsgeschichte betrachtet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für das Neue Testament ist das <strong>CNTUOT</strong>&nbsp;eine sehr hilfreiche Ressource, an der viele Autoren beigetragen haben. Dieses Werk sammelt und kommentiert ausschöpfend&nbsp;<em>alle</em>&nbsp;Stellen, in denen das Neue Testament entweder aus dem Alten zitiert bzw. paraphrasiert oder ganz deutlich (und manchmal etwas weniger deutlich) darauf zurückgeht. Man kann sich denken, dass Matthäus hier mit das längste Kapitel bietet, aber man stellt fest, dass es häufig auch an weniger scheinbaren Stellen passiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="630" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:630/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-3.png" alt="" class="wp-image-1229" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:630/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-3.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:185/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-3.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:472/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-3.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1320/h:812/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-3.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1356/h:834/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-3.png 1356w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1356/h:834/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-3.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Auszug aus Commentary on the New Testament Use of the Old Testament – hier abgebildet: Galater 4,30 und 5,14.</em></figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-griechische-urtexte-127">Griechische Urtexte</h3>



<p class="wp-block-paragraph">So gut wie jeder technische Kommentar geht ausführlich auf jede Instanz einer umstrittenen und signifikanten Textvariante ein – also umstrittene Textgrundlagen, aus denen Bibelübersetzer wählen müssen. Standardmäßig nutzen Übersetzer den UBS-Text (bzw. NA) der Deutschen Bibelgesellschaft als Grundlage, aber Übersetzern sind nie die Hände gebunden, hier und da selbst Entscheidungen zu treffen, welche Lesart sie für wahrscheinlicher halten. Genauso ist es für den Autor eines Kommentars; Moo etwa stellt eine ganz eigene Übersetzung des Galaterbriefes bereit, auf dessen Basis er kommentiert. Das ist völlig normal, da ein technischer Kommentar ohnehin den griechischen Text betrachtet und nicht irgendeine Übersetzung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um Entscheidungen im Kommentar besser nachzuvollziehen, nutze ich zusätzlich das THGNT (<em>Tyndale House Greek New Testament</em>). Dieses stimmt in weiten Teilen mit dem UBS6-Text überein, entscheidet hier und da aber doch anders. Leider werden einzelne Entscheidungen hier nicht erklärt, anders als beim UBS6-Text, wo jede theologisch signifikante Variante in einem Begleitwerk kommentiert wird. Außerdem enthält der UBS6-Text in seinen Fußnoten Bewertungen von A bis D und einem Gleichstand, je nachdem, wie viel Einigkeit es innerhalb des akademischen Gremiums hinter dem Text gibt (A steht für volle, D für nur leicht überwiegende Einigkeit).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der UBS6-Text ist übrigens erst vor wenigen Monaten erschienen. Neue Übersetzungen und Editionen werden nun einige Jahre brauchen, bis sie auf den aktuellsten Stand der Textkritik angepasst sind. Es ist also die beste Zeit, Griechisch zu lernen!</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-schritt-nr-6-wortstudien-131">Schritt Nr. 6 – Wortstudien</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich meine Kommentare abgeklappert habe, begebe ich mich ins Wortstudium. Eine Passage, bei der dies auf jeden Fall notwendig war, ist Galater 4,19-23 – die <em>Werke des Fleisches</em> und <em>Frucht des Geistes</em>. Hier eröffnen sich mehr als ein Dutzend Wortstudien in nur fünf Versen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgende Grafik schlägt eine sinnvolle Reihenfolge für das Wortstudium vor:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="699" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:699/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-5.png" alt="" class="wp-image-1232" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:699/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-5.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:205/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-5.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:524/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-5.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1320/h:900/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-5.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1422/h:970/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-5.png 1422w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1422/h:970/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-5.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Screenshot aus <a href="https://www.biblicaltraining.org/learn/institute/nt203-greek-tools-for-bible-study/nt203-11-greek-word-studies" target="_blank" rel="noopener">„Greek Tools For Bible Study –&nbsp;Lesson 11“</a>&nbsp;von Bill Mounce</em>.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ein sehr häufiger Fehler, auf den D. A. Carson auch in seinem Buch <em>Exegetical Fallacies</em> hinweist, ist die Annahme, dass jeder Autor der Bibel ein Wort in jeder Instanz auf gleiche Weise nutzt. Den Fehler nennt man „Illegitimate Totality Transfer“. Das hier gezeigte Beispiel ist großartig – denn Paulus würde Jakobus widersprechen, wenn es so wäre. Er schreibt nämlich:</p>



<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em><em><em>Denn wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, <small>so</small> hat er etwas zum Rühmen – aber nicht vor Gott. Denn was sagt die Schrift? „Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.“</em></em></em></p>



<p class="has-text-align-left has-small-font-size wp-block-paragraph">– Römer 4,2-3</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jakobus schreibt jedoch:</p>



<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em><em><em>Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar opferte? Du siehst, dass der Glaube mit seinen Werken zusammen wirkte und <small>dass</small> der Glaube durch die Werke vollendet wurde. Und die Schrift wurde erfüllt, die sagt: „Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet“, und er wurde Freund Gottes genannt.</em></em></em></p>



<p class="has-text-align-left has-small-font-size wp-block-paragraph">– Jakobus 2,21-23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir ein Wort studieren, müssen wir also erst einmal betrachten, <em>was</em>&nbsp;dieses Wort bedeutet – wir stellen dann häufig fest: Nicht nur eine Sache. <em>Gerechtigkeit</em>&nbsp;hat in der Bibel eine Fülle an Bedeutungen, und Kontext ist maßgeblich entscheidend, um uns zu helfen, die richtige zu finden. Deshalb bewegen wir uns dann in die Vers-Ebene, und dann in die Passagen-Ebene, und dann schauen wir, wie Paulus, Jesus oder Johannes ein Wort sonst verwendet. Das nennt man <em>Hermeneutik</em>, die rechte Auslegung von Texten. Die Betrachtung eines Textes in seinem Kontext ist eine ihrer obersten Regeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Blick in die deutsche Sprache gibt uns beispielhaft vor, wie viele Definitionen ein Wort haben kann: Ein Zug kann eine Eisenbahn meinen, vielleicht aber auch die nächste Handlung in einem Schachspiel, einen Luftstrom in einem Raum, oder es deutet auf eine Charaktereigenschaft. Der Kontext hilft mir, die richtige Bedeutung zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben vielen anderen Dingen ist es auch wichtig, die Nutzung eines Wortes im ungefähren Zeitraum der Erstellung der neutestamentlichen Texte zu berücksichtigen. Wir sollten hier genauso wenig standardmäßig eine 800 Jahre alte Definition verwenden wie wir es im Deutschen tun wollen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesen Fehler sieht man erstaunlich oft, und im schlimmsten Fall werden daraus geistliche Lektionen gezogen, die der Autor nie macht. So impliziert mancher Prediger, weil προσκυνέω (proskuneo) im primitivsten Sinne auf <em>küssen</em> zurückgeht, wahre Anbetung bedeute, sich niederzubeugen, bis man den Boden berührt; ein Pfingslerfavorit ist es, die δύναμις (dynamis) des Heiligen Geistes auf <em>explosive Kraft</em> zurückzuführen, wobei das Dynamit, das wir heute kennen, erst 1800 Jahre später erfunden wurde. Interessanterweise wird sogar gesagt, „daher haben wir das Wort Dynamit“, und offenbart damit seine unglückliche Ignoranz. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das sind Dinge, auf die der Weiseste von uns schnell reinfallen kann. Wortstudium erlaubt viele Fehler, und verlangt entsprechend besondere Vorsicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Studieren eines Wortes nutze ich das NIDNTTE, ein massives Bibellexikon. Da ich kürzlich einen ausführlichen Beitrag zum Thema Bibellexika geschrieben habe, verweise ich an dieser Stelle darauf:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://joelbarthel.de/das-bibellexikon-problem/">Das Bibellexikon-Problem</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fasse es für diesen praktischen Teil aber noch einmal kurz zusammen. Das NIDNTTE (<em>New International Dictionary of New Testament Theology and Exegesis</em>) enthält alles, was man für ein ausführliches Wortstudium braucht: Alle Bedeutungen im Neuen Testament, die Nutzung in der weltlichen-griechischen sowie die in der jüdischen Literatur. Es enthält pro Wort eine ausführliche Kategorisierung und Querverweise durch die ganze Schrift hinweg; außerdem werden semantisch verwandte Wörter gebündelt. Dieses Lexikon macht so viel Spaß zu nutzen, dass es fast verboten klingt, ihm einen so langweilig klingenden Namen zu verleihen! Es wäre sogar als ziellose Lektüre auf dem Kaffeetisch geeignet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für&nbsp;δικαιοσύνη (Gerechtigkeit) kann ich als Prachtexemplar kaum aufzählen, wie viele Definitionen es gibt – dieses Wort ist so umfangreich, dass das NIDNTTE es zwischen Autoren trennt, da sie es so unterschiedlich verwenden. Allein für Paulus gibt es noch mal fünf Unterdefinitionen. Wie du siehst, kann man sehr viel Zeit damit verbringen, Wörter zu studieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch Accordance ist die Nutzung dieses massiven Lexikons kinderleicht. Ich klicke auf ein Wort und es öffnet sich automatisch sowohl im BDAG (das akademische Standard-Lexikon mit ausgiebigen Definitionen) als auch im NIDNTTE (das Lexikon, das ich tatsächlich&nbsp;auch nutze und ohnehin auf die Definitionen des BDAG aufbaut).</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-schritt-nr-7-ki-uberprufung-machtig-aber-nur-mit-vorsicht-147">Schritt Nr. 7 – KI-Überprüfung. Mächtig, aber nur mit Vorsicht!</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich mein Wortstudium abgeschlossen habe, sind meine Notizen fertig. Als letzten Schritt nehme ich genau diese Notizen und füttere sie meiner personalisierten KI-Umgebung, um anhand der selben bisher genannten Quellen Flüchtigkeitsfehler festzustellen, auf potenzielle Denkfehler oder inhaltliche Lücken hinzuweisen und ggf. noch letzte Zitate von Luther, Spurgeon und Co. hinzuzufügen. Mehr dazu gleich.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-ein-hilfsmittel-kein-ersatz-fur-arbeit-149">Ein Hilfsmittel, kein Ersatz für Arbeit</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es darf nicht unerwähnt bleiben, wie gefährlich unzuverlässig KI-Chatbots sein können (und oft mit einer scheinbaren Zuversicht, dass man kaum zweifeln kann, dass sie „recht haben“). Genau deshalb bin ich besonders im Bibelstudium <em>extrem</em>&nbsp;vorsichtig, wie ich KI einsetze. Es wäre jedoch dumm, ihren immensen Wert außer acht zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuallererst: Keine KI kann einem das Denken abnehmen. Es tut mir weh, wenn ich Geschwister im Gottesdienst sehe, die KI nutzen, um irgendeinen biblischen Punkt zu klären. Bibelstellen suchen? Ja. Bibelstellen erklären? Auf <em>gar keinen</em>&nbsp;Fall. Das ist oft genauso hilfreich wie googeln. Wollen wir uns wirklich unsere Quellen für diesen heiligsten, geistlichen Zweck wie das Verständnis von Gottes Wort von einer weltlichen Plattform vorgaukeln lassen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">KI sollte ebenso auf keinen Fall dafür genutzt werden, ausführliche, technische Kommentare zusammenzufassen, um mir die Denkarbeit und Lesezeit zu sparen. Wenn jemand wie Douglas Moo jahrelang an einem 800-seitigen Kommentar für Galater gearbeitet hat, dann mit dem Ziel, dass Leser es…&nbsp;<em>lesen.&nbsp;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurzgefasst: Wenn KI Denkarbeit oder das Sammeln und Zusammensetzen der Informationen ersetzt, von denen du lernen möchtest, förderst du damit Faulheit und lernst nicht annähernd so nachhaltig. Wenn sie jedoch das Durchsuchen von Quellen vereinfacht oder Informationen konsolidiert, die du bereits manuell bearbeitet hast, kann sie ein hilfreicher Zeitsparer sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-wie-ich-ki-sicher-und-effektiv-einsetze-154">Wie ich KI sicher und effektiv einsetze</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wo KI aber durchaus eingesetzt werden darf: Als intelligente Suche und Zusammenfassungstool für Bücher, die ich bereits gelesen habe, gut kenne und bei denen ich deshalb feststellen kann, ob der generierte Inhalt korrekt und ausschöpfend ist. Dann wird sie zu einem mächtigen Werkzeug, dem ich nicht mehr vertrauen muss. Noch besser: Ich lasse die KI für jede Aussage Originalzitate aus demselben Werk liefern. So wird sie vielmehr ein zeitsparendes <em>Suchtool</em> als ein <em>Denktool</em>. Die KI muss gebändigt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein bevorzugtes Tool, um das Bändigen meiner KI sicherzustellen, ist <strong>NotebookLM</strong> von Google, genau genommen in der kostenpflichtigen Variante mit einem AI-Pro-Abo. Dort kann ich dutzende Quellen pro Notizbuch hinzufügen. So sieht z. B. mein Notizbuch für Galater aus:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="854" height="1024" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:854/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image.png" alt="" class="wp-image-1225" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:854/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image.png 854w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:250/h:300/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image.png 250w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:921/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:900/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image.png 1202w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:900/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image.png 2x" sizes="(max-width: 854px) 100vw, 854px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Quellen beinhalten Moos Kommentar sowie die zuvor erläuterten sekundären Kommentare, die beiden griechischen Texte und das NIDNTTE-Lexikon. Nur auf diese Texte greift NotebookLM zu, wenn ich eine Frage eingebe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier nur ein paar Beispiele für sinnvolle Zwecke und entsprechende Prompts:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellen durchsuchen</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Welche Passagen von Jesaja werden direkt, und welche indirekt, von Paulus in Galater aufgegriffen?</li>



<li>Auf welcher Seite in Moos Kommentar wird beschrieben, dass…</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Textkritik vergleichen</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Welche Textvarianten enthält Galater 4 laut UBS6, und welche Variante bevorzugen die Kommentare jeweils? Nutze Originalzitate.</li>



<li>Wo im Galaterbrief unterscheidet sich THGNT von UBS6?</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Prüfung</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Überprüfe meine Notizen auf Vollständigkeit anhand deiner Quellen. Fehlen wichtige Infos?</li>



<li>Prüfe folgende Liste mitsamt Parallelstellen auf Vollständigkeit. Fülle die Lücken und zeige jeweils auf, warum deine Quellen sie für wichtig halten.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Letzteres ist ein praktisches Beispiel aus meinem echten Leben; siehe hier einen Teil der Antwort. Es ging darum, meine Liste an Identifizierungen der Gemeinde mit Israel im Galaterbrief samt Parallelstellen auf Vollständigkeit zu prüfen:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="991" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:991/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-1.png" alt="" class="wp-image-1226" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:991/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-1.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:290/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-1.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:743/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-1.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1050/h:1016/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-1.png 1050w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1050/h:1016/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-1.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die rund umkreisten Zahlen lassen sich anklicken, um den entsprechenden Absatz in der Originalquelle aufzuzeigen, aus dem NotebookLM seine Info bezogen hat. So kann ich doppelt sicherstellen, dass die KI nicht halluziniert, bevor ich Informationen in meine Notizen übernehme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In NotebookLM pflege ich noch ein weiteres Notizbuch allein für meine Lexika und Zusatzkommentare, um allgemeine Anfragen zu bearbeiten. Zudem habe ich ein Notizbuch, das ich mit klassischen, gut zitierbaren Autoren wie Luther, Calvin und Spurgeon füttere, damit es mir bei der Eingabe einer Passage alle relevanten Zitate gibt, die ich ggf. noch in meine Notizen einfügen kann.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben NotebookLM haben klassische Chatbots natürlich auch ihren Nutzen. Wenn z. B. Moo in seinem Kommentar relevante Passagen nennt, aber nicht ausschreibt, habe ich nun zwei Möglichkeiten, um diese herauszufinden: Sie manuell suchen (was bei außerbiblischen Quellen noch mal etwas länger dauert) oder einfach einen Screenshot auswerten und die Passagen ausschreiben lassen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="818" height="1024" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:818/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-2.png" alt="" class="wp-image-1227" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:818/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-2.png 818w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:240/h:300/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-2.png 240w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:961/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-2.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:862/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-2.png 1227w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:862/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-2.png 1232w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:862/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/04/image-2.png 2x" sizes="(max-width: 818px) 100vw, 818px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem mir nun die KI für den letzten Feinschliff meiner Notizen geholfen hat, kann ich mit voller Zuversicht in den Hauskreis gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-die-kosten-des-bibelstudiums-179">Die Kosten des Bibelstudiums</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Zeit und Energie muss natürlich noch berücksichtigt werden, was das Studieren kostet. Die gute Nachricht: Bis auf die KI-Tools, die zwar <em>hilfreich</em>, aber nicht <em>essentiell</em> sind, ist jede Ressource frei von Abonnements, sodass die Kosten gut planbar sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier eine konkrete Auflistung anhand aller hier genannten Ressourcen für das aktive Bibelstudium (deutsche Preise sind umgerechnet und aufgerundet, Stand: 03.04.2026):</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-software-apps-182"><strong>Software &amp; Apps</strong></h4>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Accordance </strong>Bibelsoftware<br>0€ bis 43€ (zum Jahresbeginn wurde es kostenlos angeboten, sogar mit einigen Inhalten im Wert von hunderten Euros).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Kindle </strong>zum Lesen<br>Kostenlos.</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Upnote</strong> für Notizen<br>Einmalig ca. 35 Euro.</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>NotebookLM</strong> mit Google AI Pro Abonnement (optional)<br>21,99€/Monat.</li>
</ul>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-bibelubersetzungen-190">Bibelübersetzungen</h4>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>CSV Elberfelder</strong><br>Kostenlos digital verfügbar (<a href="https://www.csv-bibel.de/start" target="_blank" rel="noopener">csv-bibel.de</a>).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Menge 2020</strong><br>33€ bis 45€ (je nach Edition).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Legacy Standard Bible (LSB)</strong><br>Kostenlos (<a href="https://www.accordancebible.com/product/legacy-standard-bible-with-strongs-numbering/" target="_blank" rel="noopener">Accordance</a>).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>English Standard Version (ESV)</strong><br>13€ (<a href="https://www.csv-bibel.de/start" target="_blank" rel="noopener">Accordance</a>).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>New English Translation (NET) inkl. Notes</strong><br>17€ (<a href="https://www.csv-bibel.de/start" target="_blank" rel="noopener">Accordance</a>).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Revidierte Elberfelder 1985</strong><br>17€ (<a href="https://www.accordancebible.com/product/german-elberfelder-bible/" target="_blank" rel="noopener">Accordance</a>).</li>
</ul>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-lehrmaterial-videos-203">Lehrmaterial &amp; Videos</h4>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>BiblicalTraining.org<br></strong>Kostenlos.</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>The Gospel Coalition Kurse und Kommentarempfehlungen<br></strong>Kostenlos.</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>BestCommentaries.com</strong><br>Kostenlos.</li>
</ul>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-lexika-210">Lexika</h4>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>BDAG &amp; HALOT</strong><br>207€ (<a href="https://www.accordancebible.com/product/bdag-and-halot-add-on/" target="_blank" rel="noopener">Accordance</a>; aktuell für 155€ im Sale, Stand: 03.04.2026).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>NIDNTTE</strong><br>217€ (<a href="https://www.accordancebible.com/product/new-international-dictionary-of-new-testament-theology-and-exegesis/" target="_blank" rel="noopener">Accordance</a>).</li>
</ul>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-urtexte-begleitmaterial-215">Urtexte &amp; Begleitmaterial</h4>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>UBS6</strong><br>78€ (<a href="https://www.accordancebible.com/product/ubs6-greek-new-testament-with-apparatus-crossreferences-and-tagging/" target="_blank" rel="noopener">Accordance</a>).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>UBS6 Houghton’s Textual Commentary</strong><br>26€ (<a href="https://www.accordancebible.com/product/houghton-textual-commentary-on-ubs6-greek-new-testament/" target="_blank" rel="noopener">Accordance</a>).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>THGNT</strong><br>35€ (<a href="https://www.accordancebible.com/product/the-greek-new-testament-produced-at-tyndale-house-cambridge-with-apparatus-and-tagging/" target="_blank" rel="noopener">Accordance</a>).</li>
</ul>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-kommentare-222">Kommentare</h4>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Bspw. Galatians von Douglas Moo</strong><br>35€ (als eBook).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>The Baker Illustrated Bible Background Commentary</strong><br>46€.</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Commentary on the New Testament Use of the Old Testament (CNTUOT)</strong><br>65€ (<a href="https://www.accordancebible.com/product/commentary-on-the-new-testament-use-of-the-old-testament/" target="_blank" rel="noopener">Accordance</a>).</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>New Dictionary of Biblical Theology (NDBT)</strong><br>31€ (<a href="https://www.accordancebible.com/product/new-dictionary-of-biblical-theology/" target="_blank" rel="noopener">Accordance</a>).</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-unter-dem-strich-231">Unter dem Strich</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die <strong>Gesamtkosten</strong> aller Ressourcen, die ich einmal für das wiederkehrende Studium gekauft habe, belaufen sich auf <strong>830€</strong>.&nbsp;Preisnachlässe sind nicht berücksichtigt, durch die der Preis in meinem Fall noch niedriger war. Etwa die Hälfte dieses Geldes geht in die drei großen Lexika.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Pro Buch</strong> muss ich einen maximal mittleren zweistelligen Betrag, etwa <strong>30-40€</strong> einplanen, um einen passenden Kommentar dazu nutzen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Fall kommen <strong>21,99€</strong> im Monat für die Nutzung von NotebookLM und Gemini Pro dazu, um KI als nützlichen und zeitsparenden Assistenten einzusetzen. Diese Ressource ist empfehlenswert, aber optional. Es gibt für beides auch kostenlose Varianten mit kleineren Kontextfenstern, mit denen man bereits viel machen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit <strong>weniger als 1000€</strong>&nbsp;Gesamtinvestition kann man also ohne qualitative Kompromisse die Bibel studieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geld soll aber keine Hürde sein. Wer nicht viel ausgeben, aber dennoch ein hochqualitatives Bibelstudium durchführen möchte, kann auf jegliche Bibelsoftware mitsamt den Ressourcen verzichten. Auch frei verfügbare Notizen-Apps tun ihren Dienst. Lediglich der textbezogene Kommentar ist essentiell – wer diesen Beitrag gelesen hat, wird sowieso festgestellt haben, dass dieser 80-90% der Informationen liefert. Die darauf folgenden Schritte fügen vereinzelt Dinge hinzu, aber ein ausführlicher Kommentar gibt dir ohnehin die wichtigsten Wortstudien aus denselben Lexika, die ich hier empfehle. Weitere Ressourcen können im Laufe der Jahre hinzugefügt werden, wie es das Bankkonto erlaubt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-abschliessende-worte-237">Abschließende Worte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es hat einige Jahre gebraucht, bis ich lernte, welche Ressourcen wirklich im Alltag zählen, und welche, zumindest für mich, überflüssig sind. Ich hoffe, dass ich mit diesem ausführlichen Leitfaden besonders solchen Geschwistern helfen konnte, tiefer in die Bibel einzutauchen. Für erfahrene Studenten hoffe ich, dass auch sie noch ein paar wenige Tipps mitnehmen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Erfahrung mit dem Bibelstudium beläuft sich nur auf wenige Jahre, und kein Jahr davon in Vollzeit. Ich bin also für jeden Hinweis dankbar, der mir hilft, diesen Leitfaden für die Zukunft noch weiter zu optimieren (und folglich auch mein eigenes Bibelstudium). Gibt es Zusatzkommentare, die ich unbedingt in meinem Repertoire haben sollte? Bin ich bei den Lexika nicht auf dem aktuellen Stand? Jeder Tipp ist willkommen!</p>
<p>&lt;p&gt;The post <a rel="nofollow" href="https://joelbarthel.de/bibelstudium-ein-leitfaden-fuer-autodidakten-2026/">Bibelstudium – Ein Leitfaden für Autodidakten [2026]</a> first appeared on <a rel="nofollow" href="https://joelbarthel.de">Joel Barthel</a>.&lt;/p&gt;</p>
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		<title>Das Bibellexikon-Problem</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mail@joelbarthel.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 16:19:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bibelstudium]]></category>
		<category><![CDATA[Wortstudie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es mag viele Mittel und Methoden geben, die Bibel zu studieren, doch kein Weg führt um Wörterbücher oder Lexika herum, um den (oft zahlreichen) Bedeutungen der mindestens zweitausend Jahre alten Wörter auf den Grund zu gehen, mit denen wir es in jedem einzelnen Vers zu tun haben. Es ist gerade das Wortstudium, das uns die [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Es mag viele Mittel und Methoden geben, die Bibel zu studieren, doch kein Weg führt um Wörterbücher oder Lexika herum, um den (oft zahlreichen) Bedeutungen der mindestens zweitausend Jahre alten Wörter auf den Grund zu gehen, mit denen wir es in jedem einzelnen Vers zu tun haben. Es ist gerade das Wortstudium, das uns die Welt, Kultur und Theologie der Autoren des Alten und Neuen Testaments eröffnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Beitrag zeige ich auf, welche die wichtigsten und bekanntesten Lexika sind, bevor ich aufzeige, wie man diese für das Bibelstudium nutzt. Ich fokussiere mich hier nur auf solche, die das griechische Neue Testament betrachten. Im Fazit nenne ich die äquivalenten Favoriten für das Alte Testament, Hebräisch und Aramäisch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Inhaltsverzeichnis</h2>



<div class="wp-block-aioseo-table-of-contents"><ul><li><a href="#aioseo-der-mangelhafte-mainstream-3">Der mangelhafte Mainstream</a></li><li><a href="#aioseo-die-geschichte-der-lexika-9">Die Geschichte der Lexika</a></li><li><a href="#aioseo-kurzer-uberblick-uber-lexika-18">Kurzer Überblick über Lexika</a><ul><li><a href="#aioseo-theologische-lexika-32">Theologische Lexika</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-fazit-51">Fazit</a></li><li><a href="#aioseo-weiterfuhrende-ressourcen-54">Weiterführende Ressourcen</a></li></ul></div>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-der-mangelhafte-mainstream-3">Der mangelhafte Mainstream</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bibelstudent muss keinen Cent ausgeben, um Zugriff auf die besten Bibelübersetzungen in allen Sprachen zu haben (mehr dazu in <a href="https://joelbarthel.de/welche-bibeluebersetzung-ist-die-beste/">meinem letzten Artikel</a>). Bibel<em>lexika</em> haben jedoch ein großes&nbsp;Problem im digitalen Zeitalter: Alles, was kostenlos online zur Verfügung steht, ist alt – so alt, dass es sich bereits in der Public Domain befindet, die diese Ressourcen kostenfrei macht. Diese sieht vor, dass der Autor eines Werkes seit mindestens 70 Jahren verstorben ist. Die Folge: Die meisten von uns nutzen Wörterbücher aus dem 19. Jahrhundert!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für keine tote Sprache ist dies ein größeres Problem als für Koine-Griechisch, die Sprache des Neuen Testaments: Diese Lexika sind entstanden, bevor die meisten antiken Handschriften in ebendieser Sprache ausgegraben und erforscht worden sind, zu denen wir heute Zugang haben und die uns massiv hilfreiche Infos dazu liefern, was Wörter bedeuten und wie sie in welchen Zusammenhängen genutzt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das meistbenutzte Wörterbuch ist zweifellos das Strong’s. Der Grund ist simpel: Die Strong<em>-Konkordanz&nbsp;</em>ist ein hilfreiches, bis heute standardmäßig genutztes System zur Kategorisierung der griechischen Vokabeln. Das dazugehörige Wörterbuch, das sich auf einfache Definitionen begrenzt, wird von Plattformen wie BlueLetterBible, Bible Hub oder der YouVersion-Bibel-App mitgegeben. Dieses Wörterbuch wurde 1890 veröffentlicht.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die berühmten Alternativen heißen Thayer’s Greek Lexicon (1889), Brown-Driver-Briggs für Hebräisch/Aramäisch (1906) und Vine’s Expository Dictionary (1939-1940). All diese Optionen finden wir auf BlueLetterBible – und nichts aktuelleres. Macht es das zu einer schlechten Plattform? Auf keinen Fall; sie ist kostenlos und ihre Entwickler können somit einfach keine besseren, aktuellen Ressourcen zur Verfügung stellen. Es liegt am Bibelstudenten, zu wissen, wie er damit umgeht. Genau dafür ist dieser Beitrag da.</p>


  
  
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<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-die-geschichte-der-lexika-9">Die Geschichte der Lexika</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im frühen 16. Jahrhundert wurde das erste Bibellexikon, die <em>Complutensische Polyglotte</em>, veröffentlicht, bestehend aus sagenhaften 75 Seiten von Wörtern mit ihren lateinischen Äquivalenten. Im Mittelalter war das Lernen der griechischen Sprache kein akademischer Standard. Die Bibel wurde in ihrer lateinischen Übersetzung studiert; das Gleiche galt für griechische Philosophie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1868 gab es den ersten signifikanten Sprung, als&nbsp;Carl Ludwig Wilibald Grimm das 1839 erschienene Lexikon von Christian Gottlob Wilke überarbeitete. Dieses Lexikon war es, das Joseph H. Thayer als deutsche Grundlage nutzte, um 1886 sein englisches Lexikon zu veröffentlichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die neutestamentliche Lexikographie des 19. Jahrhunderts war von einem gutgemeinten Irrglauben geprägt, das Neue Testament sei in einem „Heiliger-Geist-Griechisch“ geschrieben worden. Der Theologe Hermann Cremer etwa schrieb 1866 als Vorwort zu seinem Lexikon:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Man kann in der That mit gutem Fug von einer <strong>Sprache des Heiligen Geistes </strong>reden. Denn es liegt in der Bibel offen vor unsem Augen, wie der in der Offenbarung wirksame göttliche Geist jedesmal aus der Sprache desjenigen Volkskreises, welcher den Schauplatz jener ausmacht, sich eine ganz eigentümliche religiöse Mundart gebildet hat, indem er die sprachlichen Elemente, die er vorfand, ebenso wie die schon vorhandenen Begriffe zu einer ihm eigentümlich angemessenen Gestalt umformte.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thayer, dessen Lexikon 1886 erschien, stimmte diesem Gedanken zu. Er listete etwa 300 Wörter auf, die nur in der Bibel und nirgendwo sonst in der antiken Literatur auffindbar waren. Dies ist nicht korrekt – besser hätte er dies zu seiner Zeit allerdings auch nicht wissen können. Erst kurze Zeit später nämlich, in den 1890ern, entdeckte man antike Manuskripte, die die Möglichkeiten der Lexikographie massiv verbesserten. Was deutlich wurde: Das Neue Testament wurde in einem ganz alltäglichen, für die Masse verständlichen Griechisch geschrieben. Rodney J. Decker kommentiert zurecht: „<em>Es ist bedauerlich, dass seine (Thayers) umfangreichen Bemühungen so schnell hinfällig wurden.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thayer war zudem Unitarier. Das ist in sich für eine wissenschaftliche Arbeit kein Problem; leider sind seine Definitionen zum Teil sichtbar davon geprägt, dass er die Dreieinigkeit nicht für biblisch hielt. Bereits in seinem Vorwort gibt er diesen Einfluss bekannt, sein Wörterbuch sei explizit ein <em>theologisches</em>. Geprägt sind hierdurch elementare Einträge wie&nbsp;υἱός (Sohn) oder&nbsp;θεός (Gott). Bei&nbsp;πνεῦμα (Geist) heißt es im Lexikon grundsätzlich „It“ und nicht „He“, sodass die Identifikation mit Gott nicht besteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1910 veröffentlichte Erwin Preuschen das erste Lexikon, das das neue Wissen aus den ersten der vielen noch zu erforschenden Manuskripte (ein Prozess, der noch heute währt) inkludierte. 1928 war es aber, als Walter Bauer auf Preuschens Werk aufbaute. 1952 veröffentlichte er seine vierte Edition. 1957 wurde diese von William F. Arndt und F. Wilbur Gingrich ins Englische übersetzt und überarbeitet, woraus die <strong>BAG</strong> entstand. 1958 erschien Bauers fünfte und letzte Edition, mit viel neuen Informationen, die eine neue englische Revision veranlassten, die 1979 erschien: Das <strong>BAGD</strong> (Bauer Arndt Gingrich Danker). Dieses massive Lexikon übertraf Bauers Werk inhaltlich noch einmal deutlich, und nutzte neue Informationen aus Manuskripten. 2000 erschien dann das <strong>BDAG</strong>, woran allein F. William Danker arbeitete, da Arndt und Gingrich bereits verstorben waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das 2000 erschienene BDAG ist also das aktuellste Standard-Lexikon, das wir heute besitzen. Kein deutsches Lexikon kommt diesem im Umfang nur ansatzweise nahe – genau genommen hinkt es schon 68 Jahre hinterher, da nach Bauer kein deutschsprachiger Theologe dasselbe Unterfangen wagte wie er.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-kurzer-uberblick-uber-lexika-18">Kurzer Überblick über Lexika</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um es zu vereinfachen, hier eine Liste der wichtigsten und/oder bekanntesten Lexika und ihre Einordnung:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Das <strong>BDAG </strong>(2000)&nbsp;ist der unbestrittene, objektivste König unter den Bibelwörterbüchern. Wer alle Definitionen zu einem Wort erhalten möchte, mit einer ausschöpfenden Auflistung <em>aller</em>&nbsp;Vorkommnisse mit der jeweiligen Bedeutung (hier kommt der Lexikograph nicht um eine gewisse Wertung herum!), wird nichts annähernd so Zuverlässiges finden. Nicht nur das Neue Testament, sondern auch die Septuaginta (also das griechische Alte Testament) und eine massive Datenbank an frühkirchlichen und antiken weltlichen Schriften sind hier mit eingeschlossen, was das Studium eines Wortes in scheinbar unendlicher Tiefe ermöglicht.</li>



<li>Die <strong>Strongs-Konkordanz </strong>(1890) ist zweifellos das meistbenutzte „Wörterbuch“, aber eigentlich kein Lexikon und längst veraltet und unzuverlässig.</li>



<li>Das <strong>Thayer-Lexikon&nbsp;</strong>(1889) ist veraltet und stark theologisch mitunter durch den Unitarismus geprägt.</li>



<li><strong>Abbott-Smith</strong> (1937) ist veraltet.</li>



<li><strong>Vine’s&nbsp;Expository Dictionary</strong>&nbsp;(1996) ⁠ist oft auf Etymologie fokussiert und liegt oftmals nachweisbar falsch.</li>



<li><strong>Louw and Nida</strong> &nbsp;(1989) ist deutlich aktueller als die meisten Optionen, dient aber einem anderen Zweck (semantische Gruppierung der Wörter).</li>



<li><strong>Liddell and Scott/LSJ&nbsp;</strong>(1996) ist ein akademisch respektiertes Lexikon, aber kein <em>Bibellexikon</em>, sondern fokussiert auf Altgriechisch – wodurch dennoch die LXX und das NT eingeschlossen sind.</li>



<li><strong>Newman’s Dictionary </strong>(2010) ist aktuell, aber nur für Anfänger gedacht und bietet lediglich einfache Übersetzungen, keine detaillierten Definitionen (weshalb es ein Wörterbuch und kein Lexikon ist).</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Rodney Decker fasst zusammen: „<em>Kauf dir BDAG (falls nötig, verkaufe dein Auto!) und lerne, es zu nutzen. Du wirst deinen Kauf nicht bereuen.</em>“ (Ins Deutsche übersetzt). </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1042" height="1000" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:auto/h:auto/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-4.png" alt="" class="wp-image-1217" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1042/h:1000/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-4.png 1042w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:288/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-4.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:983/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-4.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:737/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-4.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1042/h:1000/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-4.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Auszug aus dem BDAG-Lexikon.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Für eine ausführliche Anleitung zur Nutzung des BDAG ist&nbsp;<a href="https://www.logos.com/grow/wp-content/uploads/2023/03/DeckerRodneyAnIntroductionToBDAG.pdf" target="_blank" rel="noopener">diese PDF</a>&nbsp;von Rodney J. Decker, aus der ich viele Informationen für diesen Beitrag entnommen habe, Gold wert.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-theologische-lexika-32">Theologische Lexika</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich zu regulären Lexika gibt es noch sog. <em>theologische</em> Lexika. Diese Werke geben nicht bloß die Definition wieder, sondern erklären, wie ein Wort seitens der verschiedenen Autoren verwendet wird, statt nur eine möglichst genaue kompakte Definition zu liefern. Die Einträge ähneln eher Aufsätzen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Standard in diesem Fall ist das <em>New International Dictionary of New Testament Theology and Exegesis</em> (NIDNTTE) von Moisés Silva. Über Bibelsoftware beläuft sich der Preis auf&nbsp;$250 (~220€), eine Investition, die nur teuer erscheint, wenn man noch nicht weiß, wie massiv und ausschöpfend dieses 5-teilige Werk ist. Wie wir sehen, ist das Veröffentlichen signifikanter neuer Lexika kein häufiges Ereignis in der Geschichte. Da das NIDNTTE 2014 veröffentlicht wurde, wird es sicher noch mindestens die nächsten zwei Jahrzehnte das Standardwerk in diesem Umfang bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Kommentaren ist das NIDNTTE mein meistgelesenes Referenzwerk, wenn ich ein Buch studiere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier bspw. ein Auszug aus dem Eintrag für&nbsp;<strong>γενεά</strong>:</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1000" height="1061" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:auto/h:auto/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-5.png" alt="" class="wp-image-1218" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1000/h:1061/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-5.png 1000w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:283/h:300/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-5.png 283w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:965/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-5.png 965w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:815/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-5.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1000/h:1061/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-5.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wie man sieht, ist es hier unmöglich, den gesamten Eintrag auf einem Screenshot einzufangen. Es ist aber genug, um einen guten Eindruck zu geben, was das Lexikon bietet.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="548" height="278" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:auto/h:auto/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-1.png" alt="" class="wp-image-1214" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:548/h:278/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-1.png 548w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:152/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-1.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:548/h:278/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-1.png 2x" sizes="(max-width: 548px) 100vw, 548px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wie wir hier sehen, wird&nbsp;γενεά⁠ mitsamt seinen semantisch verwandten Wörtern gelistet; der Eintrag umfasst in diesem Fall also alle fünf relevanten Vokabeln. Daneben erhalten wir jeweils eine schnelle Übersicht der möglichen direkten Übersetzungen des Wortes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter unten sehen wir, unter welchen Konzepten das Wort im Inhaltsverzeichnis gelistet ist. Wenn ich z. B. auf&nbsp;<em>Family</em> klicke, sehe ich alle in diese Kategorie passenden Wörter, z. B. <em>Vater</em>, <em>Schwester</em>, <em>Bruder</em>, <em>Nachkomme</em>, <em>Erstgeborener</em>, etc.:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="968" height="1024" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:968/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png" alt="" class="wp-image-1216" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:968/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png 968w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:284/h:300/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png 284w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:812/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1020/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png 1452w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1021/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1020/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png 1728w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1020/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png 2x" sizes="(max-width: 968px) 100vw, 968px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück zum Eintrag für&nbsp;γενεά: Sofern zutreffend, gibt es jeweils einen Eintrag für <em>Klassische Griechische Literatur</em>&nbsp;bzw. „General Literature“ (<strong>GL</strong>), <em>Jüdische Literatur</em> (<strong>JL</strong>) und <em>Neues Testament </em>(<strong>NT</strong>):</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1684" height="620" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:auto/h:auto/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png" alt="" class="wp-image-1215" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1684/h:620/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png 1684w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:110/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:377/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:283/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1536/h:566/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png 1536w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1320/h:486/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1684/h:620/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>GL</strong>&nbsp;umfasst die Nutzung eines Wortes in der vorklassischen Zeit bis zum endgültigen Ende des römischen Zeitalters, also etwa 800 v. Chr. bis 600 n. Chr. Darin eingeschlossen sind bspw. häufig die berühmten Werke von Homer. Das Wissen aus dem LSJ-Lexikon, das ich weiter oben mit aufgezählt habe, wird hier oft angezapft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wichtig ist diese Kategorie häufig, um den kulturellen griechisch-römischen Kontext, in dem die Autoren des Neuen Testaments gelebt haben, besser zu verstehen. Es gibt zahlreiche Beispiele, in denen Jesus, Paulus oder Johannes Wörter radikal neu definieren – aber gerade diese Radikalität erst ersichtlich ist, wenn man versteht, wie sie im weltlichen Kontext verstanden wurden . Ein perfektes Beispiel dafür ist φιλοξενία (Gastfreundschaft), wozu ich bereits <a href="https://joelbarthel.de/der-radikale-ruf-zur-gastfreundschaft/">einen Beitrag</a> geschrieben habe – dieser wäre ohne die Hilfe von NIDNTTE nicht annähernd so ausführlich geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>JL</strong> umfasst die LXX (Septuaginta), also das griechische Alte Testament, aus dem die Autoren des Neuen Testaments oft zitieren, und einige rabbinische Quellen, Historiker wie Josephus und z. B. die Qumran-Schriften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der LXX werden hilfreicherweise auch die hebräischen und aramäischen Äquivalente berücksichtigt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>NT</strong> umfasst ganz simpel das Neue Testament. Dies ist logischerweise meist der ausführlichste Teil, mit vielen verschiedenen Ober- und Unterdefinitionen von Wörtern. Das BDAG dient hier neben Louw and Nida als zentrale Informationsquelle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da wir von theologischen Lexika sprechen, kann ich das simplere, aber durchaus hilfreiche&nbsp;<em>New Dictionary of Biblical Theology</em> (NDBT) aus dem Jahre 2000 nicht unerwähnt lassen, das aber eher durch <em>Konzepte</em>&nbsp;führt und darin viele Vokabeln sammelt als dass man es ein Lexikon nennen könnte.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-fazit-51">Fazit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wer Predigten, Hauskreise oder theologische Beiträge in irgendeiner Form vorbereitet, kommt für maximale Zuversicht nicht um das BDAG-Lexikon herum. Auch wer Kommentare liest, wird feststellen, dass kein Autor der letzten Jahrzehnte auf irgendetwas anderes setzt als BDAG oder eine der früheren Editionen, wenn der Kommentar vor der Jahrtausendwende erschienen ist. Das genauso unbestrittene hebräisch-aramäische Äquivalent für das Alte Testament ist <em>Hebrew and Aramaic Lexicon of the Old Testament</em> (HALOT). Zur Veröffentlichung dieses Beitrags sind beide <a href="https://www.accordancebible.com/product/bdag-and-halot-add-on/" target="_blank" rel="noopener">als Paket</a> für 179$ (~155€) auf Accordance, meiner bevorzugten Bibelsoftware (mehr dazu in einem folgenden Beitrag), im Angebot (regulär sind es 239$). Es gibt hier keine nennenswerte Konkurrenz; wenn auch das Nutzen des BDAG einen beliebig tiefen Umfang erreichen kann, so ist es genauso in der simpelsten Form nutzbar, also lediglich die einzelnen Definitionen eines Wortes zu betrachten, ohne sich mit den Quellen und tiefergehenden Erläuterungen darin zu beschäftigen, wodurch simplere Alternativen wie das ansonsten gute Newman’s Dictionary hinfällig werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das NIDNTTE ist ein Zusatz (kein <em>Er</em>satz) für alle, die neben einem Lexikon auch noch tiefgreifenden Kommentar haben möchten. Dieses Werk ist <em>massiv </em>und es gibt hier nichts Vergleichbares. Aufgrund der starken Nutzung des BDAG, den zusätzlichen Informationen, die es enthält und der übersichtlichen Darstellung, nutze ich dieses häufiger als das BDAG selbst. Das hebräisch-aramäische Äquivalent, ebenfalls von Zondervan herausgegeben, ist das New International <em>Dictionary of Old Testament Theology and Exegesis</em> (NIDOTTE) aus 1997.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-weiterfuhrende-ressourcen-54">Weiterführende Ressourcen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Der größte Teil der hier gegebenen Informationen stammen aus Rodney Deckers sehr ausführlicher Anleitung, die <a href="https://www.logos.com/grow/wp-content/uploads/2023/03/DeckerRodneyAnIntroductionToBDAG.pdf" target="_blank" rel="noopener">hier</a> als PDF verfügbar ist.</li>



<li>D. A. Carsons Buch <em>Exegetical Fallacies </em>(auf Dt.<em> Stolpersteine der Schriftauslegung</em>)&nbsp;geht durch eine große Liste an Fehlern, die man machen kann, wenn man Wörter studiert. Darunter zählt auch das Nutzen unzuverlässiger Wörterbücher, die Nutzung von Definitionen, die für die Zeit des Neuen Testaments keine Relevanz mehr haben und eine Fülle an Beispielen von falschen Wortauslegungen, die bis heute auf großen Bühnen wiederholt werden (wie „Agape ist die Gottesliebe“, „die <em>ekklesia</em> steht für Herausgerufene“ oder „<em>dynamis</em> bedeutet <em>explosive Kraft</em>, weil wir daher das Wort Dynamit haben“.</li>
</ul>
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		<title>Welche Bibelübersetzung ist die beste?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mail@joelbarthel.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Mar 2026 14:17:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bibelstudium]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der deutschen Sprache sind zurzeit etwa 75 Bibelübersetzungen erhältlich (wycliffe.ch). Im Englischen sind wir laut den meisten Angaben schon bei etwa 900. Wer soll da durchblicken? Diese Zahlen mögen groß klingen, doch wenn wir von ernsthaftem Bibelstudium sprechen, wird die Zahl der relevanten Übersetzungen schon deutlich kleiner. Es folgt ein kleiner Überblick über die [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In der deutschen Sprache sind zurzeit etwa 75 Bibelübersetzungen erhältlich (<a href="https://de.wycliffe.ch/wie-viele-deutsche-bibeluebersetzungen-gibt-es/" target="_blank" rel="noopener">wycliffe.ch</a>). Im Englischen sind wir laut den meisten Angaben schon bei etwa 900. Wer soll da durchblicken?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Zahlen mögen groß klingen, doch wenn wir von ernsthaftem Bibelstudium sprechen, wird die Zahl der relevanten Übersetzungen schon <em>deutlich</em> kleiner. Es folgt ein kleiner Überblick über die Übersetzungen, die ich für deutschsprachige Studenten des Wortes empfehlen kann und welche <em>nicht</em>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Inhaltsverzeichnis</h2>



<div class="wp-block-aioseo-table-of-contents"><ul><li><a href="#aioseo-deutsche-bibeln-3">Die 75 deutschen Bibeln</a></li><li><a href="#aioseo-was-ist-besser-58">Was ist besser?</a><ul><li><a href="#aioseo-lange-rede-kurzer-sinn-75">Lange Rede, kurzer Sinn</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-textgrundlagen-vorsicht-bei-schlachter-luther21-82">Textgrundlagen – Vorsicht bei Schlachter &#038; Luther21</a></li><li><a href="#aioseo-welche-ist-es-nun-99">Welche ist es nun?</a></li><li><a href="#aioseo-fazit-108">Fazit</a></li><li><a href="#aioseo-weiterfuhrende-ressourcen-112">Weiterführende Ressourcen</a></li></ul></div>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-deutsche-bibeln-3">Die 75 deutschen Bibeln</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir uns die <a href="https://www.siegiochs.de/biblia/bib_1.pdf" target="_blank" rel="noopener">Liste dieser 75 deutschen Bibeln</a> ansehen, die aktuell erhältlich sind, stellen wir fest, dass viele davon entweder Septuaginta-Übersetzungen (also Übersetzungen der griechischen Übersetzung des hebräischen Alten Testaments), verschiedene Editionen derselben Übersetzung (z. B. Elberfelder 1905, Elberfelder 2006, Elberfelder Edition CSV Hückeswagen…), Kinderbibeln, Interlinearübersetzungen, Sektenbibeln (Neue Welt Übersetzung der Zeugen Jehovas, anthroposophische Bibeln), sowie offensichtliche Nicht-Übersetzungen wie die Volxbibel („<em>Jesus ist besser als McDonald’s</em>“) und stark ideologische Werke wie die „Bibel in gerechter Sprache“ sind.</p>



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<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://bibelcenter-minden.de/" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" width="768" height="1024" data-id="1205" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:auto/h:auto/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Giftschrank-Bibelcenter-Minden-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1205" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Giftschrank-Bibelcenter-Minden-scaled.jpg 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:225/h:300/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Giftschrank-Bibelcenter-Minden-scaled.jpg 225w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:810/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Giftschrank-Bibelcenter-Minden-scaled.jpg 1152w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:810/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Giftschrank-Bibelcenter-Minden-scaled.jpg 1536w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:810/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Giftschrank-Bibelcenter-Minden-scaled.jpg 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:810/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Giftschrank-Bibelcenter-Minden-scaled.jpg 1920w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:810/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Giftschrank-Bibelcenter-Minden-scaled.jpg 2x" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Der „Giftschrank“ im <a href="https://bibelcenter-minden.de/" title="" target="_blank" rel="noopener">BibelCenter Minden</a>.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large is-style-default"><a href="https://bibelcenter-minden.de/" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" width="768" height="1024" data-id="1207" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:auto/h:auto/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Bibel-in-gerechter-Sprache-–-Giftschrank-Bibelcenter-Minden-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1207" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Bibel-in-gerechter-Sprache-–-Giftschrank-Bibelcenter-Minden-scaled.jpg 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:225/h:300/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Bibel-in-gerechter-Sprache-–-Giftschrank-Bibelcenter-Minden-scaled.jpg 225w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:810/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Bibel-in-gerechter-Sprache-–-Giftschrank-Bibelcenter-Minden-scaled.jpg 1152w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:810/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Bibel-in-gerechter-Sprache-–-Giftschrank-Bibelcenter-Minden-scaled.jpg 1536w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:810/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Bibel-in-gerechter-Sprache-–-Giftschrank-Bibelcenter-Minden-scaled.jpg 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:810/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Bibel-in-gerechter-Sprache-–-Giftschrank-Bibelcenter-Minden-scaled.jpg 1920w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:810/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/Bibel-in-gerechter-Sprache-–-Giftschrank-Bibelcenter-Minden-scaled.jpg 2x" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /></a></figure>
</figure>
</div>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"><br>Wenn ich die Liste anhand dieser Ausschlusskriterien reduziere, dann komme ich auf <strong>16 Bibeln</strong> und habe somit eine deutlich übersichtlichere Liste, die wir für diese Analyse betrachten und vergleichen können:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vollbibeln</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Elberfelder CSV Hückeswagen Edition</li>



<li>Schlachter 2000&nbsp;</li>



<li>BasisBibel</li>



<li>Bruns-Bibel</li>



<li>Einheitsübersetzung 2016</li>



<li>Gute Nachricht Bibel</li>



<li>Herder-Bibel</li>



<li>Hoffnung für Alle (HfA)</li>



<li>Luther21</li>



<li>Menge-Bibel</li>



<li>NeÜ – Neue evangelistische Übersetzung</li>



<li>Neues Leben Bibel</li>



<li>Zürcher Bibel</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Teilbibeln</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>NGÜ – Neue Genfer Übersetzung</li>



<li>Jörg Zink (Neues Testament und Altes Testament in Auswahl)</li>



<li>Das Buch (Roland Werner)</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Die Liste ist hiermit nicht&nbsp;ausschöpfend. Es gibt historische Übersetzungen, die heute kaum noch in Gebrauch sind. Wenn du als Leser eine kennst, die ich übersehen habe, aber fürs Bibelstudium deiner Meinung nach unabdingbar ist, bin ich für einen Hinweis sehr dankbar!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dr. Benedikt Peters arbeitet momentan in Kooperation mit dem EBTC und der CLV an einer sog. Arbeitsbibel mit dem Namen <em>EsraBibel</em>. Diese betrachte ich hier noch nicht, da bisher weder das Neue noch das Alte Testament vollständig veröffentlicht worden sind. Diese Bibel wird aber zweifellos ganz weit oben in die Kategorie der wörtlichen Bibeln fallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Schritt unterteile ich diese 16 Bibeln in drei Kategorien, wobei die letzten beiden Kategorien etwas schwieriger zu trennen und somit etwas subjektiv sind:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wort für Wort</strong><br>Diese Bibeln zeichnen sich durch eine besonders wörtliche Übersetzung aus.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Elberfelder CSV Hückeswagen Edition</li>



<li>Schlachter 2000</li>



<li>Luther21</li>



<li>Menge 2020</li>



<li>Zürcher Bibel</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Funktionale Äquivalenz</strong><br>Die Übersetzer nehmen sich zum Ziel, den <em>Sinn</em>&nbsp;des Textes möglichst nah am zeitgenössischen Verständnis mit modernem Vokabular wiederzugeben.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>NeÜ – Neue evangelistische Übersetzung</li>



<li>NGÜ – Neue Genfer Übersetzung</li>



<li>Einheitsübersetzung 2016</li>



<li>Herder-Bibel</li>



<li>Das Buch (Roland Werner)</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Paraphrase / Freie Übersetzung</strong><br>Diese Bibeln modernisieren nicht nur den Sinn, sondern nehmen oftmals jeglichen Raum weg, den Text zu interpretieren, indem sie <em>ihre</em> Interpretation bereits in die Übersetzung einbrennen. Hierzu passen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Hoffnung für Alle (HfA)</li>



<li>Neues Leben Bibel (NLB)</li>



<li>Gute Nachricht Bibel (GNB)</li>



<li>BasisBibel</li>



<li>Bruns-Bibel</li>



<li>Jörg Zink (Neues Testament und Altes Testament in Auswahl)<br></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-was-ist-besser-58">Was ist besser?</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wort-für-Wort-Übersetzungen </em>bieten grundsätzlich den Vorteil, dass die Übersetzer so präzise wie möglich versuchen, den ursprünglichen Wortlaut der Bibelautoren in dem uns verfügbaren Vokabular wiederzugeben. Redewendungen werden oft nicht übertragen, sondern wörtlich übersetzt. Obwohl klar ist, dass die Anrede „Brüder“ in der Regel auch Schwestern beinhaltet, bevorzugen diese Übersetzungen die wörtliche Wiedergabe. So bleibt es dem Studenten (oder der Studentin) überlassen, zu wissen, dass Paulus die Schwestern in der Gemeinde nicht ausschließt, wenn er sie kollektiv ermahnt oder ermutigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die funktionale Äquivalenz beschreibt wiederum eine Übersetzungsweise, die nicht unbedingt interpretiert, aber den klaren Sinn des Ursprungstextes in heute verständlichen Worten wiedergibt. Ein Schlüsselgedanke hierbei ist: „<em>Wenn Jesus/Paulus/Johannes zweitausend Jahre später im heutigen Deutsch gesprochen hätte, welche Worte hätte er höchstwahrscheinlich genutzt, um genau dieselbe Aussage zu tätigen?</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein gutes Beispiel für den Unterschied zwischen wörtlicher Wiedergabe und funktionaler Äquivalenz ist Lukas 9,44a:&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wörtlich</strong><br><em>Laßt diese Worte in eure Ohren dringen:</em> (Schlachter 2000)<br><em>Fasst ihr diese Worte in eure Ohren! </em>(CSV)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Funktional</strong><br>NeÜ: <em>Merkt euch gut, was ich jetzt sage:</em>&nbsp;(NeÜ)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vor- und Nachteile sind simpel erklärt: Wer kein Griechisch kann, wird in einer <em>wörtlichen</em> Übersetzung oft gut erfassen, was der griechische Text sagt, ohne die Sprache lernen zu müssen. Andererseits bietet die <em>funktionale </em>Übersetzung theoretisch den Vorteil, den Sinn des griechischen Texts wiederzugeben, ohne die Sprache lernen zu müssen. Dies setzt eine hohe Qualität dieser Wiedergabe sowie ein gutes entsprechendes Verständnis des Übersetzers voraus, führt aber selbst im besten Fall stellenweise zu Limitierungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine dieser Limitierungen ist der Verlust von sprachlichen Mitteln, z. B. der Doppeldeutigkeit, die gerade Paulus so auszeichnet. Während die wörtlichen Übersetzungen konsistent <em>sarx</em> mit <em>Fleisch</em> übersetzen, so werden wir in einer etwas freieren Übersetzung wie der NeÜ deutende Übersetzungen wiederfinden (die durchaus ihrem jeweiligen Sinn entsprechen): <em>Körper</em>, <em>menschliche Natur</em>, <em>selbstsüchtige Maßstäbe</em>… dies hilft den unerfahrenen Leser, nicht das moderne Verständnis des physischen Fleisches in jeden einzelnen Fall hineinzulesen. Gleichzeitig wird er schnell an seine Grenzen kommen, die Bibel und die Sprache der jeweiligen Autoren wirklich zu <em>studieren</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine&nbsp;<em>Paraphrase / freie Übersetzung </em>hat wiederum ein ganz anderes Problem. Während man sich etwa bei der NeÜ bemüht, den Sinn irgendwie wiederzugeben (was auch hier nicht immer klappt!), scheitern freie Übersetzungen wie die HfA (Hoffnung für Alle) nicht selten kläglich. Nehmen wir als Beispiel 1. Korinther 11,10:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CSV</strong>: <em>Darum soll die Frau eine Macht auf dem Haupt haben um der Engel willen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>NeÜ</strong>:<em>&nbsp;Deshalb soll die Frau ‹das Zeichen für› ihre Vollmacht über dem Kopf haben, wegen der Engel, ‹die darauf achten›.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>HfA</strong>:&nbsp;<em>Deshalb soll sie im Gottesdienst eine Kopfbedeckung tragen als Zeichen dafür, dass sie dem Mann untersteht. Auch wegen der Engel, die über Gottes Ordnungen wachen, sollte sie dies tun.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die <strong>NeÜ</strong> in Sprache und Satzbau eine gewisse Freiheit aufweist, bleibt der Sinn erhalten, ohne zu viel zu interpretieren. Die <strong>HfA</strong> allerdings nimmt das griechische Wort&nbsp;<em>exousia </em>(Vollmacht) gänzlich raus und nutzt das genaue Gegenteil – sie interpretiert, dass die Vollmacht, von der hier die Rede ist, die des Mannes ist. Unabhängig von der richtigen Auslegung (diese mag durchaus vertretbar sein), sollte hier klar sein, dass die HfA als Grundlage gänzlich unbrauchbar ist, um diese schwierige und kontroverse Passage zu diskutieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für weitere Beispielpassagen, in denen Bibelübersetzung eine große Rolle spielt, empfehle ich <a href="https://www.youtube.com/watch?v=lyMCjZp4Bn4" target="_blank" rel="noopener">dieses Video von Crosstalk</a> sehr.<br></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-lange-rede-kurzer-sinn-75">Lange Rede, kurzer Sinn</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Frage nun also zu beantworten, was <em>besser</em> ist, gefällt mir, was Mark on Words auf jedes Thumbnail seiner Bibelübersetzungs-Reviews schreibt: „For certain people in certain circumstances“ (<em>für bestimmte Menschen zu bestimmten Umständen</em>) sind viele Bibelübersetzungen als „die beste“ qualifiziert.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img decoding="async" width="1024" height="757" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:757/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image.png" alt="" class="wp-image-1191" style="aspect-ratio:1.352717717288852;width:721px;height:auto" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:757/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:222/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:568/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1320/h:976/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1353/h:1000/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image.png 1353w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1353/h:1000/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der entscheidende Punkt ist: Wofür nutze ich eine Übersetzung? Wenn es die tägliche Lesung ist und ich durch große Abschnitte gehe, ohne mich zu vertiefen, so kann eine freiere Übersetzung genau das Richtige für mich sein. Da keine Übersetzung perfekt ist, ist es nicht möglich, hier eine Rangliste zu erstellen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die eigentliche Frage, die man sich also stellen sollte, ist: Wie gehe ich mit unperfekten Übersetzungen um? Die kurze und simple Antwort ist: Lerne die Sprachen. Werde <em>selbst</em>&nbsp;der Übersetzer der selben Texte, anhand derer die 75 anderen schon gearbeitet haben! Nur so wirst du wirklich Zuversicht haben, wo welche Übersetzung brilliert und wo sie Denkfehler aufweist. Noch besser: Du wirst völlig unabhängig von ihnen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für alle, die sich nicht berufen fühlen, die toten Sprachen der Bibel zu lernen: Eine wörtliche Übersetzung wie die CSV Hückeswagen oder die Stück für Stück erscheinende EsraBibel des EBTC wird <em>immer</em>&nbsp;das beste Werkzeug für ein tiefes Bibelstudium sein. Sobald du über die erste Phase des Bibelstudiums hinausgehst, also Lesen und grob verstehen, und einzelne Passagen, Verse oder Wörter analysieren möchtest, solltest du <em>unbedingt</em>&nbsp;auf eine wörtliche Übersetzung setzen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier sollen die freieren Übersetzungen aber nicht ihren Platz verlieren: In unserem Hauskreis lesen wir zwar primär aus der CSV oder EsraBibel, aber jeder ist eingeladen, seine bevorzugte Bibel mitzubringen. Es kann uns dann helfen, Unterschiede festzustellen und anhand derer über die Bedeutung der Originalsprache zu gehen und zu verstehen, warum die Bibel an mancher Stelle gar nicht so leicht in einer anderen Sprache wiederzugeben ist.<br></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-textgrundlagen-vorsicht-bei-schlachter-luther21-82">Textgrundlagen – Vorsicht bei Schlachter &amp; Luther21</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Punkt, den ich in dieser Betrachtung nicht unerwähnt lassen kann, ist: Auf welcher Textgrundlage basiert eine Übersetzung?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer sich nun fragt, was ich damit meine, da die Grundlage doch ganz klar der hebräische, aramäische und griechische Urtext des Alten und Neuen Testaments ist, muss wissen: Es gibt bis heute keine hundertprozentige Einigkeit darüber, was genau diesen Text ausmacht, und keinen zu erwartenden Zeitpunkt diesseits des Himmels, an dem sich das ändern wird. Damit meine ich nicht die Frage, welche Bücher zum biblischen Kanon gehören, sondern die wörtliche Wiedergabe dessen, was die ursprünglichen etwa 40 Autoren über 1.600 Jahre hinweg verfasst haben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über 500 Jahre ist es nun her, dass Luther das Neue Testament veröffentlichte. Sein Text basiert auf dem&nbsp;<em>Novum Testamentum omne</em> seines Zeitgenossen Erasmus – das erste vollständige griechische Neue Testament, nachdem über ein Jahrtausend lang die Latin Vulgate (die lateinische Bibelübersetzung, die lange der Standard der römisch-katholischen Kirche war) dominierte. Die Schlachter basiert ungefähr auf den nicht viel später entstandenen Textus Receptus, der große Ähnlichkeit aufweist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies war mehrere Jahrhunderte bevor tausende antike Manuskripte des Neuen Testaments entdeckt wurden – ein währender Prozess, der weiterhin zur Aktualisierung feiner Nuancen und der Reevaluation dessen führt, was wir als inspirierte Schrift halten. Diese&nbsp;<em>Nuancen</em> sind nie bis sehr selten theologisch ausschlaggebend, aber der Unterschied zwischen der heutigen Textkritik, auf dessen Werk die meisten Übersetzungen sich stützen, und dem Textus Receptus, der nun Jahrhunderte zurückliegt, ist spürbar. Somit sind etwa die Neuen Testamente der Schlachter- und der Lutherübersetzung insgesamt etwa 2.500 Wörter länger als die der restlichen Übersetzungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die Luther21 der reformatorischen Tradition ihres Namensgebers folgt, ist nicht verwunderlich, und wir können den Herausgebern kaum etwas vorwerfen. Warum die Genfer Bibelgesellschaft, die die Schlachter-2000-Bibel herausgibt, von Franz Eugen Schlachters ursprünglicher Entscheidung, der modernen textkritischen Grundlage zu folgen, abgewichen ist, bleibt mir ein Mysterium.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier sind zwei Beispiele, die theologisch signifikanten Einfluss haben und zeigen, dass Textgrundlage eine durchaus kritische Entscheidung ist:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Offenbarung 5,9-10</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Man vergleiche einmal den Text der CSV (oder so gut wie jeder anderen Übersetzung) mit der Schlachter – ich markiere die entscheidenden Unterschiede:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CSV</strong>: <em>Und sie singen ein neues Lied: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und <strong>hast</strong> für Gott <strong>erkauft</strong>, durch dein Blut, aus jedem Stamm und <small>jeder</small> Sprache und <small>jedem</small> Volk und <small>jeder</small> Nation, und hast <strong>sie</strong> unserem Gott zu einem Königtum und zu Priestern <strong>gemacht</strong>, und <strong>sie werden</strong> über die Erde <strong>herrschen</strong>!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schlachter 2000</strong>: <em>Und sie sangen ein neues Lied, indem sie sprachen: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und <strong>hast uns</strong> für Gott <strong>erkauft</strong> mit deinem Blut aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen, und hast <strong>uns</strong> zu Königen und Priestern <strong>gemacht</strong> für unseren Gott, und <strong>wir werden herrschen</strong> auf Erden.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hierbei handelt es sich um eine der Schlüsselpassagen für den klassischen Dispensationalismus, der eine strenge Trennung zwischen Israel und der Gemeinde vorsieht. Prominente Vertreter wie Thomas Ice, Mark Hitchcock oder Tim LaHaye stützen sich heute noch darauf. Die&nbsp;<em>wir</em>, die <em>erkauft</em>&nbsp;wurden und <em>zu Königen und Priestern gemacht worden</em> sind, sollen für die entrückte Gemeinde stehen, während Israel sich in der Trübsal befindet. Für diese Auslegung ist zwingend eine Übersetzung erforderlich, die auf Jahrhunderte alte Texte zurückgeht. Es sei hinzuzufügen, dass es zu dieser Zeit für die Offenbarung nicht einmal vollständige Originalmanuskripte gab, anhand derer man überhaupt übersetzen konnte! Es ist ein aus Kommentaren zusammengepuzzelter Text und zeigt deshalb besonders viele Unterschiede zu modernen Bibeln auf. Wenn du dich nun als Gemeinde exklusiv durch den Schlachtertext arbeitest, stößt du immer wieder auf solch unzuverlässige Stellen, besonders in den letzten Kapiteln der Offenbarung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1Joh 5,7-8 – Das <em>Comma Johanneum</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die Dreieinigkeit Gottes anderweitig klar in der Bibel identifizierbar ist, so ist dieser Text in der Schlachter-Bibel leider <em>nicht</em>&nbsp;zuverlässig, so eindeutig und schön er diese herrliche Lehre auch darlegen mag:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schlachter 2000</strong>: <em>Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins; und drei sind es, die Zeugnis ablegen auf der Erde: der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei stimmen überein.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>CSV</strong>:&nbsp;<em>Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen: der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei sind einstimmig.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Besondere Vorsicht ist also bei diesen Übersetzungen geboten. Wer sie fürs Bibelstudium oder zur Predigtvorbereitung nutzt, sollte sie immer mit einer textkritischen Übersetzung gegenprüfen. Alternativ kann man auch auf der Webseite <a href="https://kjvparallelbible.org/" target="_blank" rel="noopener">KJV Parallel Bible</a>&nbsp;schnell den Unterschied zwischen TR (Textus Receptus) und CT (dem <em>Critical Text</em>) sehen. Die Unterschiede sind über das NT hinweg tausendfach –&nbsp;es sei aber erwähnt, dass es sich i. d. R. nur um kleine Details handelt, die den Sinn des Textes nicht ändern.<br></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-welche-ist-es-nun-99">Welche ist es nun?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Antwort auf die Frage im Titel lautet deutlich, auch wenn sie etwas unbefriedigend sein mag: Es gibt keine <em>beste</em> Bibel. Es lohnt sich immer, bessere Übersetzungen zu vergleichen und sich nicht auf eine zu beschränken. Wenn es aber um die Frage geht, welche die Standardübersetzung sein sollte, auf die man für das Bibelstudium zurückgreift, dann habe ich eine klare Antwort: Die CSV-Bibel ist das Nächste, was wir in der deutschen Sprache an einer perfekten Übersetzung haben. Der Vergleich mit der „Konkurrenz“ macht dies deutlich:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich würde grundsätzlich die Finger von HfA und anderen besonders freien Übersetzungen lassen, die dem Leser jede Arbeit sparen, über Wortwahl, Satzbau, Redewendungen oder gar Bedeutung der Worte der ursprünglichen Autoren nachzudenken. Und auch wenn alles, was zur Kategorie der funktionalen Äquivalenz gehört, äußerst hilfreich zum Vergleichen sein kann, würde ich nie zu einer solchen Übersetzung als Standard raten, sobald man über das reine Lesen des Textes hinausgeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine größte Empfehlung innerhalb dieser Kategorie ist die NGÜ, da sie viele hilfreiche Fußnoten beifügt, um schnell am Urtext zu sein, wenn sie abweicht. Die NeÜ ist oft besonders eigen, aber flüssig lesbar. Die Einheitsübersetzung und die Herder-Bibel sind römische-katholische Veröffentlichungen und dadruch sichtbar geprägt (abgesehen von der Berücksichtigung der Apokryphen).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Wort-für-Wort-Übersetzungen wird es besonders übersichtlich:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kopf an Kopf stehen oft die berühmten CSV und Schlachter 2000 – zumindest was die Präzision und Sprache angeht. Oben habe ich begründet, dass ich die Schlachterbibel aufgrund der lange veralteten Textgrundlage nur als Vergleichsbibel oder mit entsprechender Vorsicht im Studium empfehlen kann. Die CSV brilliert durch Präzision und wird immer wieder in feinsten Details angepasst. Die <a href="https://www.csv-bibel.de/start" target="_blank" rel="noopener">Online-Bibel der CSV</a> beinhaltet die aktuellste Version. Der theologische Hintergrund der Übersetzer (Brüderbewegung) wird nirgendwo sichtbar, die Übersetzung ist spürbar objektiv – eine willkommene Nebenwirkung der hohen Präzision und Ehrfurcht vor Gottes Wort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Luther21 leidet unter dem selben Problem wie die Schlachter 2000. Wer Luthers Sprache besonders schätzt, kann vielleicht noch auf die Lutherbibel 1984 zurückgreifen, die bereits auf dem kritischen Urtext basiert, allerdings nicht mehr den neuesten Stand dieser Textkritik widerspiegelt. An dieser Stelle kann ich die inszenierte, vollständige <a href="https://shop.ebtc.org/products/die-grosse-horbibel-mp3-cd?srsltid=AfmBOoqUUToUTuQgpZVZquTebYv_hIgr3cX7F0Az1k8oUo98FCkoJNa3" target="_blank" rel="noopener">Größe Hörbibel</a> empfehlen, die Xhes und ich dieses Jahr nutzen, um uns durch die Bibel zu hören. Sie basiert auf der Lutherbibel 1984.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menge-Bibel ist nicht sonderlich bekannt, aber ebenfalls eine hervorragende Übersetzung. Hermann Menge war ein Altphilologe, der im letzten Jahrhundert lebte und diese Übersetzung über Jahrzehnte ganz alleine verfasste. Er schätze wissenschaftliche Genauigkeit und setzte deshalb bereits auf einen frühen, kritischen Text. Die Menge 2020 ehrt diese Präzision und basiert auf einem noch aktuelleren Stand der Textkritik. Ein großer Nachteil ist eher praktischer Natur: Diese Bibel gibt es nicht als kostenlose Onlineversion und auch nicht in meiner bevorzugten Bibelsoftware, deshalb nutzen wir sie in unserem Hauskreis nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuletzt würde ich von älteren Bibeln absehen, die bereits einige Runden der neuesten Erkenntnisse der Textkritik verpasst haben, in der sich fleißige, meist christliche Experten von Manuskript zu Manuskript durcharbeiten. Je <em>neuer</em>&nbsp;unsere Übersetzung, desto <em>näher</em>&nbsp;sind wir am ursprünglichen antiken Text. Die modernen Zürcher- und Lutherbibeln werden leider längst nicht mehr von bibeltreuen Christen herausgegeben, was ihre Einleitungen durch bibelkritische Hinweise, die das Fundament der Bibel selbst hinterfragen, deutlich machen. Die älteren Versionen sind dafür aber eben… alt, und somit nicht mehr ideal für das Bibelstudium geeignet.<br></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-fazit-108">Fazit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sehen, dass eine ordentliche Prüfung unserer verfügbaren Übersetzungen zeigt, dass die Welt an wirklich vergleichbar soliden Übersetzungen gar nicht so groß ist, wie sie erst scheint.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine persönliche Empfehlung lautet: Nutze die CSV-Bibel als die primäre Studienbibel. Wenn du nur lesen möchtest, ohne tief einzutauchen, brilliert die Menge 2020 durch ihre Kombination von sprachlicher Genauigkeit, Melodie und Schönheit. Für das intensive Studium sei dir im Grunde&nbsp;<em>alles</em>&nbsp;erlaubt, solange du primär eine wörtliche Übersetzung verwendest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um immer weniger auf fehlbares, menschliches Übersetzungswerk vertrauen zu müssen und mehr Zuversicht zu bekommen, dass man <em>das Wort der Wahrheit recht teilt</em> (2. Timotheus 2,15), kommt man nicht darum herum, die toten Sprachen des Neuen und Alten Testaments zu lernen: Griechisch, Hebräisch und Aramäisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffe, dass diese Übersicht und Infos dir helfen, zukünftig bessere Entscheidungen darüber zu treffen, welche Bibel du in die Hand nimmst – und welche gerne anfangen dürfen, Staub zu sammeln.<br></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-weiterfuhrende-ressourcen-112">Weiterführende Ressourcen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="http://youtube.com/watch?v=lyMCjZp4Bn4" target="_blank" rel="noopener" title="">Dieses Video</a> von Crosstalk führt durch ein paar Beispielpassagen, anhand derer erklärt wird, warum die Wahl der Übersetzung wichtig ist.</li>



<li><a href="https://www.goodreads.com/book/show/244514092-the-history-of-english-bible-translations" target="_blank" rel="noopener" title="The History of English Bible Translations">The History of English Bible Translations</a> ist ein Ende 2025 erschienenes Buch von Joshua Barzon, das objektiv durch die Geschichte von Bibelübersetzung im englischensprachigen Kontext führt.</li>
</ul>
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		<title>Joah: Gott ist Bruder</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mail@joelbarthel.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Oct 2025 20:14:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wortstudie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anlässlich der gestrigen Kindersegnung unseres kleinen Joah, hier die ungefähren Worte, die ich im Gottesdienst dazu geteilt habe. Ich erkläre, was meine Frau und mich dazu gebracht hat, uns für diesen Namen zu entscheiden. Die Bedeutung von Joah Zwei oder drei Jahre ist es her, dass unser Pastor Edmund den Sohn Gottes mit folgenden Worten [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Anlässlich der gestrigen Kindersegnung unseres kleinen Joah, hier die ungefähren Worte, die ich im Gottesdienst dazu geteilt habe. Ich erkläre, was meine Frau und mich dazu gebracht hat, uns für diesen Namen zu entscheiden.</p>



<div class="wp-block-aioseo-table-of-contents"><ul><li><a href="#aioseo-die-bedeutung-von-joah">Die Bedeutung von Joah</a><ul><li><a href="#aioseo-goel-der-leibliche-erloser">goel &#x2013;&#xA0;der leibliche Erl&#xF6;ser</a></li><li><a href="#aioseo-der-wahre-erloser-unser-grosser-bruder-im-himmel">Vom Schatten zur Realit&#xE4;t: Unser Gott ist wahrhaftig Bruder</a></li></ul></li></ul></div>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-die-bedeutung-von-joah">Die Bedeutung von Joah</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei oder drei Jahre ist es her, dass unser Pastor Edmund den Sohn Gottes mit folgenden Worten in seiner Predigt beschrieb: „Our big brother in Heaven“ (Unser großer Bruder im Himmel). Das störte mich! Ich verstand, dass Gott unser <em>Vater</em> ist. Jesus konnte ich problemlos als meinen <em>Herrn</em> bezeichnen. Ich verstand auch irgendwie, dass er unser Hoherpriester ist. Aber <em>Bruder</em>? Das ging mir in dem Moment zu weit&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Joah</strong> (wörtl. <strong>Jo</strong> = Kurzform von Jahweh + <strong>A(c)h</strong> = Bruder, also „Gott (ist) Bruder“) ist kein häufiger Name im Alten Testament; er wird vier Personen zugeschrieben, die eher unbedeutsam sind. Fakt ist allerdings: Israeliten haben entschieden, wie es in Gottes Wort aufgezeichnet ist, ihre Söhne „Gott ist Bruder“ zu nennen. Wie kam ein Israelit lange vor Christus auf diese Idee? Nur folgendermaßen halte ich es für schlüssig.</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-goel-der-leibliche-erloser"><em>goel</em> –&nbsp;der leibliche Erlöser</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Der sog. <em>goel</em> (wörtl. „Erlöser“ oder „Rächer“) war aus Sicht eines jeden Israeliten der nächststehende männliche Verwandte, der dazu verpflichtet war, <br><br><strong>a)</strong> sein Land zurückzukaufen, wenn er es aufgrund von Verarmung verkaufen musste,<br><strong>b)</strong> seine Frau zu heiraten, wenn sie zur Witwe wurde und ihr ggf. Nachkommen in seinem Namen zu ermöglichen und<br><strong>c) </strong>ihn von der Sklaverei freizukaufen, in die er sich aufgrund von Schulden verkaufen musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anhand des Gesetzes wird diese Rolle auch „Verwandter-Löser“ (im engl. <em>kinsman-redeemer</em>) genannt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em>Wenn dein Bruder verarmt und von seinem Eigentum verkauft, so soll sein Löser, sein nächster Verwandter, kommen und das Verkaufte seines Bruders lösen.</em></p>
<cite>– 3. Mose 25,25</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Der bekannteste wörtliche <em>goel</em> in der Bibel ist Boas, der das Land von Ruths verstorbenem Mann zurückkauft, da er sein nächster verfügbarer Blutsverwandter ist:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em><em>Und der Blutsverwandte sprach zu Boas: Kaufe für dich! Und er zog seinen Schuh aus. Da sprach Boas zu den Ältesten und zu allem Volk: Ihr seid heute Zeugen, dass ich aus der Hand Noomis alles gekauft habe, was Elimelech, und alles, was Kiljon und Machlon gehörte; und auch Ruth, die Moabiterin, die Frau Machlons, habe ich mir zur Frau gekauft, um den Namen des Verstorbenen auf seinem Erbteil zu erwecken, damit nicht der Name des Verstorbenen ausgerottet werde unter seinen Brüdern und aus dem Tor seines Ortes. Ihr seid heute Zeugen!</em></em></p>
<cite>– Ruth 4,8-10</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin überzeugt, dass es diese Rolle des Erlösers war, auf die sich ein Israelit in Hinblick auf Gott stützte, wenn er seinen Sohn <em>Joah</em> nannte. Sie drückten damit sozusagen aus: <em>Gott ist (metaphorisch betrachtet) unser Bruder, der uns erlöst. </em></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-der-wahre-erloser-unser-grosser-bruder-im-himmel">Vom Schatten zur Realität: Unser Gott ist wahrhaftig Bruder</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Durch das Studium dieses Namens wurde mir aus einer neuen Dimension bewusst: Der Sohn Gottes <em>musste</em> Mensch werden! Nur so konnte er im wahrsten Sinne des Wortes als unser <em>goel</em> eintreten:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em><em>als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, damit er die, <small>die</small> unter Gesetz <small>waren</small>, <strong>loskaufte</strong>, damit wir die Sohnschaft empfingen. Also bist du nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, <small>so</small> auch Erbe durch Gott.</em></em></p>
<cite>– Galater 4,4-5, 7</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Was für ein Privileg. Und was für ein Gott, zu dem wir <em>Abba, Vater</em> rufen dürfen (Galater 4,6) – dessen Sohn sich unser Bruder nennt.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em><em>Denn welche er zuvorerkannt hat, die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig <small>zu sein</small>, damit er <small>der</small> Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.</em></em></p>
<cite>– Römer 8,29</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Da haben wir es. Christus ist wahrhaftig unser großer Bruder im Himmel – der Erstgeborene unter vielen! Und er erlöst – kein Land, keine physische Freiheit – sondern <em>seelische</em> Freiheit. Er befreit uns von den Ketten der Sünde. Wir können zusammen mit Hiob rufen: <em>Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Gebet ist es, dass Joahs Name eines Tages Realität wird; dass unser gemeinsamer Vater ihn zu sich zieht, und Jesus, unser treuer, großer Bruder, ihn aus der Sklaverei der Sünde erlöst. Dass wir ihn eines Tages nicht nur unseren Sohn, sondern, viel wichtiger, unseren Bruder nennen dürfen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em><em><em>Denn es geziemte ihm, um dessentwillen alle <small>Dinge</small> und durch den alle <small>Dinge</small> sind, indem er viele Söhne zur Herrlichkeit brachte, den Urheber ihrer Errettung durch Leiden vollkommen zu machen. 11 Denn sowohl der, der heiligt, als auch die, die geheiligt werden, <small>sind</small> alle von einem; um welcher Ursache willen <strong>er sich nicht schämt, sie Brüder zu nennen</strong>, 12 indem er spricht: „Ich will deinen Namen meinen Brüdern kundtun; inmitten <small>der</small> Versammlung will ich dir lobsingen.“ 13 Und wiederum: „Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen.“ Und wiederum: „Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat.“ 17 Daher musste er in allem den Brüdern gleichwerden, damit er in den <small>Sachen</small> mit Gott ein barmherziger und treuer Hoherpriester werde, um die Sünden des Volkes zu sühnen;</em></em></em></p>
<cite>– Hebräer 2,10-13, 17</cite></blockquote>
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		<title>Der radikale Ruf zur Gastfreundschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mail@joelbarthel.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Jul 2025 06:55:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Wortstudie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://joelbarthel.de/?p=1036</guid>

					<description><![CDATA[<p>Einer der Gründe, warum ich Griechisch lernen möchte, liegt im Wortschatz der Sprache. Manche Wörter finden in der eigenen Sprache keine würdige Übersetzung. Eines dieser Wörter, die ich entdecken durfte, ist φιλοξενία (philoxenía). Übersetzt wird dieses Wort als gastfreundlich (Schlachter) oder gastfrei (Elberfelder &#38; EsraBibel). Es besteht aus philo (Liebe oder Freund) und xenos (Fremder). [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-aioseo-table-of-contents"><ul><li><a href="#aioseo-wie-definiert-die-bibel-gastfreundschaft">Wie definiert die Bibel Gastfreundschaft?</a><ul><li><a href="#aioseo-wer-ist-ein-gast">Wer ist ein &#x201E;Gast&#x201C;?</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-xenia-gastfreundschaft-im-antiken-griechenland">Xenia &#x2013; Gastfreundschaft in der Antike</a><ul><li><a href="#aioseo-ein-vorbild-in-der-praxis-kein-vorbild-in-der-intention">Ein Vorbild in der Praxis, kein Vorbild in der Intention</a></li><li><a href="#aioseo-christus-ist-unser-vorbild">Christus ist unser Vorbild</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-eine-ermutigung-zum-dienst">Praktische Anwendung: Eine Ermutigung zum Dienst</a></li></ul></div>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der Gründe, warum ich Griechisch lernen möchte, liegt im Wortschatz der Sprache. Manche Wörter finden in der eigenen Sprache keine würdige Übersetzung. Eines dieser Wörter, die ich entdecken durfte, ist <strong>φιλοξενία</strong> (<em>philoxenía</em>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übersetzt wird dieses Wort als <em>gastfreundlich</em> (Schlachter) oder <em>gastfrei</em> (Elberfelder &amp; EsraBibel). Es besteht aus <strong>philo</strong> (<em>Liebe</em> oder <em>Freund</em>) und <strong>xenos</strong> (<em>Fremder</em>). Wenn man es wörtlich übersetzen möchte, heißt es etwa <em>fremdenfreundlich</em>. Der Eleganz halber werde ich im weiteren Verlauf dieses Beitrags jedoch auf <em>gastfreundlich</em> setzen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-wie-definiert-die-bibel-gastfreundschaft">Wie definiert die Bibel Gastfreundschaft?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Fünf mal finden wir dieses Wort im Neuen Testament – dreimal als Adjektiv und zweimal als Nomen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">[Röm 12,13] an den Bedürfnissen der Heiligen nehmt teil; nach <strong>φιλοξενίαν</strong> trachtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">[1. Tim 3,2] Der Aufseher nun muss untadelig sein, <small>der</small> Mann <em>einer</em> Frau, nüchtern, besonnen, bescheiden, <strong>φιλόξενον</strong>, lehrfähig;</p>



<p class="wp-block-paragraph">[Tit 1,8] sondern <strong>φιλόξενον</strong>, das Gute liebend, besonnen, gerecht, fromm, enthaltsam,</p>



<p class="wp-block-paragraph">[Heb 13,2] Die <strong>φιλοξενίας</strong> vergesst nicht, denn durch diese haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">[1. Pet 4,9] Seid <strong>φιλόξενοι</strong> gegeneinander ohne Murren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei klare Prinzipien werden aus diesen Versen ersichtlich:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Jeder Christ soll Geschwistern gegenüber <em>ohne Murren </em>gastfreundlich sein.</li>



<li>Wir sollen nach Gastfreundschaft <em>trachten</em>.</li>



<li>Gastfreundschaft ist eine hervorgehobene Qualifikation für Älteste.</li>



<li>Gastfreundschaft ist in erster Linie ein <em>Gebot</em>, keine individuelle <em>Gnadengabe</em>.</li>
</ol>



<p class="wp-block-paragraph">Schön und gut, aber: <br>Ab wann gelte ich als gastfreundlich? Und wem gegenüber soll ich gastfreundlich sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesen Fragen möchte ich auf den Grund gehen.</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-wer-ist-ein-gast">Wer ist ein „Gast“?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn das Wort im Griechischen wörtlich meint, wir sollen <em>fremdenliebend</em> sein, habe ich Gastfreundschaft bisher schlichtweg missverstanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es stellt sich zuerst die Frage, wieso uns der Heilige Geist ermahnt, <em>ohne Murren</em> gastfreundlich zu sein. Warum sollte ich murren, wenn uns meine lieben Geschwister zum Mittagessen besuchen und ich sowieso gerne Zeit mit ihnen verbringe? Soll ich den anschließenden Kaffee <em>ohne Murren </em>zubereiten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich denke, dass uns der biblische Befund ein klares Bild gibt: Die primären Empfänger unserer Gastfreundschaft sollen zwar unsere Geschwister sein („seid gastfreundlich <em>gegeneinander</em>“, „an den Bedürfnissen <em>der Heiligen</em> nehmt teil“), doch das Beispiel aus Hebräer 13,2 (&#8230; „durch diese haben einige <em>ohne ihr Wissen Engel beherbergt</em>“) geht auf Abraham und Lot in 1. Mose 18 und 19 zurück. Hier handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um fremde Männer, die mit einer Form der Gastfreundschaft begegnet wurden, die uns heute hierzulande völlig <em>fremd</em> ist:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em>Da eilte Abraham ins Zelt zu Sara und sprach: Nimm schnell drei Maß Feinmehl, knete und mache Kuchen! Und Abraham lief zu den Rindern und nahm ein Kalb, zart und gut, und gab es dem Knaben; und der beeilte sich, es zuzubereiten. Und er holte dicke und süße Milch und das Kalb, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor; und er stand vor ihnen unter dem Baum, und sie aßen.</em></p>
<cite>– 1. Mose 18,6-8</cite></blockquote>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="924" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:924/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image.png" alt="" class="wp-image-1076" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:924/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:271/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:693/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1196/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image.png 1200w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1196/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Abraham and the Three Angels</em> | Bartolomé Esteban Murillo, ca. 1670-1674</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Lot zeigt ähnliche Gastfreundschaft:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em>und er sprach: Ach siehe, meine Herren! Kehrt doch ein in das Haus eures Knechtes und übernachtet und wascht euch die Füße; und ihr macht euch früh auf und geht eures Weges. Aber sie sprachen: Nein, sondern wir wollen auf dem Platz übernachten. Und er drang sehr in sie; und sie kehrten bei ihm ein und kamen in sein Haus. Und er machte ihnen ein Mahl, und er backte ungesäuerte Kuchen, und sie aßen.</em></p>
<cite>– 1. Mose 19,2-3</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Als sich die grausame Schar von Männern vor Lots Haus versammelt, um seine Gäste zu vergewaltigen, macht dieser ein Angebot, das den modernen Leser erschüttert:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em>Sieh doch, ich habe zwei Töchter, die keinen Mann erkannt haben; lasst mich sie doch zu euch herausbringen, und tut ihnen, wie es gut ist in euren Augen. Nur diesen Männern tut nichts, da sie nun einmal unter den Schatten meines Daches gekommen sind.</em></p>
<cite>– 1. Mose 19,9</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Das mag uns extrem erscheinen, wie so vieles in biblischen Ereignissen. Aber wir sehen, wie heilig die Gastfreundschaft unter Hebräern war. Wie sah es bei den Griechen im 1. Jahrhundert aus?</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-xenia-gastfreundschaft-im-antiken-griechenland"><em>Xenia</em> – Gastfreundschaft in der Antike</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Um einen tieferen Einblick in die Bedeutung griechischer Begriffe zu bekommen, kann es hilfreich sein, den kulturellen Kontext zu verstehen, den die ursprünglichen Empfänger der neutestamentlichen Briefe hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im antiken Griechenland, und später Rom, herrschte das Prinzip der <em>theoxenia</em>. Ein Grieche lebte in der ständigen Erwartung, er könnte einen Gott (<em>theos</em>) empfangen, wenn er einen Fremden (<em>xenos</em>) aufnimmt. Ihr berühmtester Gott trug u. a. den Titel <em>Zeus Xenios</em>, da ihm die Rolle des Beschützers von Fremden und Reisenden zuteil wurde. Zugleich war Zeus ein Rächer derer, die ihre Gäste nicht ordnungsgemäß behandelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Ovids Werk <em>Metamorphosen</em> (1-8 n. Chr.) suchen Jupiter (Zeus) und Merkur (Hermes) in Menschengestalt erfolglos eine Herberge, bis das ärmliche Ehepaar Philemon und Baucis, ihre Identitäten nicht kennend, sie aufnimmt und mit allem bewirtet, was sie haben. Zur Belohnung wird ihre bescheidene Hütte in einen goldenen Tempel verwandelt, bevor die restliche Stadt aufgrund ihrer mangelnden Gastfreundschaft geflutet wird.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="844" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:844/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.png" alt="" class="wp-image-1078" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:844/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:247/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:633/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1310/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1310/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.png 1415w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1310/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Jupiter und Merkur bei Philemon und Baucis</em> | Peter Paul Rubens, ca. 1620-1625</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-left is-style-default wp-block-paragraph">Der Architekt Vitruvius <a href="https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=urn:cts:latinLit:phi1056.phi001.perseus-eng1:6.7.4" target="_blank" rel="noopener" title="schrieb etwa 25 v. Chr.">schrieb etwa 25 v. Chr.</a> in seinem Werk <em>De Architectura</em>:</p>



<p class="has-text-align-center is-style-default wp-block-paragraph">„&#8230;<em>Als die Griechen luxuriöser wurden und ihre Verhältnisse opulenter, begannen sie, Speisesäle, Kammern und Vorratsräume für ihre Gäste aus dem Ausland bereitzustellen, und am ersten Tag luden sie sie zum Abendessen ein, wobei sie ihnen am nächsten Hühner, Eier, Gemüse, Früchte und andere ländliche Erzeugnisse schickten</em>&#8230;“.</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-ein-vorbild-in-der-praxis-kein-vorbild-in-der-intention">Ein Vorbild in der Praxis, kein Vorbild in der Intention</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die alten Griechen, die zu Zeiten Jesu und Paulus lebten, waren also äußerst gastfreundliche Menschen. Sie nahmen Gäste auf, als wären sie Götter –&nbsp;Hebräer nahmen sie auf, als wären sie Engel (nach dem Vorbild Abrahams und Lots).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schön und gut&#8230; doch  warum müssen uns Paulus und Petrus dann noch ermahnen, gastfreundlich zu sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der kultivierte Grieche als Gastgeber dazu angehalten war, Fremde aufzunehmen, für Speis und Trank zu sorgen, ein Bad und einen Schlafplatz bereitzustellen und beim Abschied Geschenke mitzugeben (und all das, ohne erst den Namen oder die Herkunft zu erfragen), so war auch dem Gast selbst geboten, respektvoll zu sein, seine Bleibe nicht in die Länge zu ziehen, keine Last zu sein und, falls keine Geschenke, zumindest Dankbarkeit und gute Geschichten mitzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz entscheidend aber ist der Aspekt der gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit, die in <em>Xenia</em> steckt. Was hattest du als Grieche schon für eine Wahl, wenn du nicht dem Zorn des Zeus verfallen oder als Atheist (im griechischen Sinne) einen schlechten Stand haben wolltest? Oder als Jude, wenn du deinen Gott nicht verleugnen wolltest?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es muss also einen Grund geben, dass uns sowohl Paulus als auch Petrus zur Gastfreundschaft aufrufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den folgenden Abschnitten möchte ich versuchen, die Frage zu beantworten, wie wir diesem Gebot als Christen im 21. Jahrhundert folgen können.</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-christus-ist-unser-vorbild">Christus ist unser Vorbild</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Als Christen ermahnt uns Petrus, <em>ohne Murren</em> Geschwister und Fremde in unsere Häuser aufzunehmen. Nur einen Vers vorher schreibt er:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em>Vor allem habt untereinander eine inbrünstige Liebe, denn <small>die</small> Liebe bedeckt eine Menge von Sünden.</em></p>
<cite>– 1. Petrus 4,8</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Und diese Liebe finden wir allein in Christus. Er ist unser Vorbild. Ohne diese werden wir dieses Gebot der Gastfreundschaft nie mit dem Frieden erfüllen können, den Gott uns durch Seine Liebe geschenkt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jesus selbst erniedrigte sich unter die Engel, damit er uns diene, die wir einst Fremde waren. Und wenn wir auch nicht unerwartet Christus wörtlich empfangen mögen werden, wie die Jünger es in Emmaus taten (die weitaus glorreichere und <em>nicht</em> rein mythologische Gott-Mensch-Begegnung in der Gastfreundschaft), so können wir den Herrn doch ganz praktisch gastfreundlich empfangen: </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em>Wahrlich, ich sage euch, insofern ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan.</em></p>
<cite>– Matthäus 25,40b</cite></blockquote>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="926" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:926/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg" alt="" class="wp-image-1079" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:926/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:271/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:695/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1194/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg 1536w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1193/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1194/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg 1944w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1194/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Das Abendmahl in Emmaus</em> | Rembrandt van Rijn, 1629</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-eine-ermutigung-zum-dienst">Praktische Anwendung: Eine Ermutigung zum Dienst</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, wir grenzen <em>Dienst</em> manchmal zu sehr auf den unmittelbaren Kontext des Sonntagsgottesdienstes ein: Lobpreisdienst, Kindergottesdienst, Putzdienst, Kaffeedienst&#8230; in der Gastfreundschaft finden wir einen Dienst, den wir uneingeschränkt jeden Tag in der Woche ausüben können –&nbsp;sowohl aktiv als auch passiv – und der explizit biblisch geboten wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Frage nun also zu beantworten, <em>wie</em> wir dieses Gebot im 21. Jahrhundert praktisch erfüllen können, hier ganz konkrete Ansätze:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Mach aus dem allzuoft nicht ernstzunehmenden „Lass uns mal wieder treffen“ ein „Wann hast du diese Woche Zeit, zum Abendessen zu kommen?“ Paulus sagt: <em>Trachte</em> nach Gastfreundschaft! Das Gebot ist aktiv. Das Verb steht normalerweise für <em>verfolgen </em>oder <em>nachjagen</em>.</li>



<li class="has-normal-font-size">Sorge immer dafür, dass du spontan Besuch empfangen kannst.<br>-&gt; Wenn du Ehefrau bist, beachte das in Titus 2,5 implizierte Gebot, <em>Hausfrau</em> (EsraBibel), <em>mit häuslichen Arbeiten beschäftigt</em> (CSV) zu sein.</li>



<li>Hebe die beste Speise (und den besten Kaffee!) für deine Gäste auf.</li>



<li>Bestelle keine Pizza, sondern koche!</li>



<li>Frage dich bei der Wahl oder Einrichtung deines Hauses oder deiner Wohnung: Wie kann ich hier Gästen dienen? Selbst die Griechen haben das getan – wieso dann nicht erst recht wir?</li>



<li>Priorisiere dein Leben so, dass du allzeit bereit bist, alles hinzuschmeißen, um Gäste zu empfangen. Nimm besonders deine Geschwister so auf, als wäre es Jesus selbst sein, der an deiner Tür klingelt.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz persönlich haben mich die Erkenntnisse dieser Wortstudie dazu gebracht, dass ich gemeinsam mit Xhesika entschieden habe, dass wir unsere Finanzen in diese Richtung lenken wollen. Vor einiger Zeit beschäftigte ich mit mit Aktien und ETFs; es ist lukrativ, sein ganzes Geld zu investieren und in allen Lebensbereichen zu sparen, um sich damit ein Vermögen aufzubauen. Als mein Vater mich dann fragte, ob ich wolle, dass unser kleiner Joah bis ins Erwachsenenalter in der günstigstmöglichen Wohnung aufwächst, wurde mir klar: Ich priorisiere nicht biblisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So ist auch meine Ermutigung an dich, lieber Leser, dir diese Frage zu stellen: Priorisierst du deine Zeit und deine Ressourcen biblisch? Mein Gebet ist es, dass dieser Beitrag die Bibelworte zur Gastfreundschaft in dir vertieft und dich genauso berührt, wie sie mich berührt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Bibelkunde beim EBTC – Ein Erfahrungsbericht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mail@joelbarthel.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Jul 2025 19:28:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Review]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Meine Frau Xhesika und ich haben soeben unser Bibelkunde-Jahr abgeschlossen.&#160;Das ist das Grundlagenjahr und somit das erste von mehreren Studiengängen, die das EBTC, Verlag und Bibelschule zugleich, anbietet. Im folgenden Beitrag möchte ich diverse Facetten dieses Studiengangs detallieren, um dich vielleicht zu überzeugen, ebenfalls Bibelkunde zu studieren. Was glaubt das EBTC? Theologisch würde ich die [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Meine Frau Xhesika und ich haben soeben unser Bibelkunde-Jahr abgeschlossen.&nbsp;Das ist das Grundlagenjahr und somit das erste von mehreren Studiengängen, die das EBTC, <a href="https://shop.ebtc.org/" target="_blank" rel="noopener" title="">Verlag</a> und <a href="https://www.ebtc.org/" target="_blank" rel="noopener" title="">Bibelschule</a> zugleich, anbietet.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="900" height="244" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:auto/h:auto/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/05/image-3.png" alt="" class="wp-image-1005" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:900/h:244/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/05/image-3.png 900w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:81/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/05/image-3.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:208/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/05/image-3.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:900/h:244/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/05/image-3.png 2x" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im folgenden Beitrag möchte ich diverse Facetten dieses Studiengangs detallieren, um dich vielleicht zu überzeugen, ebenfalls Bibelkunde zu studieren.</p>



<div class="wp-block-aioseo-table-of-contents"><ul><li><a href="#aioseo-was-lehrt-das-ebtc">Was glaubt das EBTC?</a></li><li><a href="#aioseo-ist-bibelkunde-das-richtige-fur-mich">Ist Bibelkunde das Richtige f&#xFC;r mich?</a><ul><li><a href="#aioseo-habe-ich-genug-zeit">Habe ich &#xFC;berhaupt genug Zeit daf&#xFC;r?</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-was-genau-macht-man-im-bibelkunde-jahr">Was genau macht man in Bibelkunde?</a><ul><li><a href="#aioseo-bibelkunde">1. Bibelkunde</a></li><li><a href="#aioseo-prufungen">2. Pr&#xFC;fungen</a></li><li><a href="#aioseo-praktische-theologie">3. Praktische Theologie</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-bibelkunde-vs-bibelkunde-express">Bibelkunde vs. Bibelkunde-Express</a></li><li><a href="#aioseo-der-unterricht">Der Unterricht</a></li><li><a href="#aioseo-toll-fur-ehepaare">Lohnt es sich f&#xFC;r Ehepaare?</a></li><li><a href="#aioseo-test">Die Kosten</a></li><li><a href="#aioseo-fazit">Fazit</a></li></ul></div>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-was-lehrt-das-ebtc"><strong>Was glaubt das EBTC?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Theologisch würde ich die Lehre beim EBTC so zusammenfassen, dass es die Gnadenlehren lehrt und bezüglich der Geistesgaben cessationistisch und in der Endzeitlehre ganz klar dispensationalistisch ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Bibelkunde-Jahr kommen die eben genannten Glaubensgrundlagen selten zum Vorschein und beeinflussen den Wert des Studiums nicht maßgebend. Das <a href="https://www.ebtc.org/ueber-uns/glaubensbekenntnis" target="_blank" rel="noopener" title="">Glaubensbekenntnis des EBTC</a> ist zu lesen, wenn man sich bewirbt; aber das Studium ist nicht für Menschen bestimmter theologischer Lager limitiert – besonders nicht dieses eher allgemeine Einstiegsjahr.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-ist-bibelkunde-das-richtige-fur-mich">Ist Bibelkunde das Richtige für mich?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht selten habe ich mit meiner Frau diskutiert, ob dieses Studium überhaupt sinnvoll ist. Früh kam schon die Frage auf: Wieso nicht alles selbst zuhause lernen? Die Aufgabe ist doch klar: In zehn Monaten die gesamte Bibel durchlesen und dabei jedes Kapitel mit maximal sieben Worten und jedes Buch in maximal 1500 Zeichen zusammenfassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der zum Pragmatismus neigende Mensch fängt hier nun an, sich zu sagen: <em>Ach, ich kann es ja auch auf zwölf Monate verteilen. Und was soll&#8217;s, wenn ich mal ein achtes Wort für einen Titel brauche.</em> Und im realistischen Fall sieht es dann vermutlich so aus, dass du spätestens bei 3. Mose aufhörst und die Bibel dann wieder nach Lust und Laune liest – inkonsequent, unregelmäßig und ziellos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Motto des EBTC lautet: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-style-plain is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-normal-font-size wp-block-paragraph" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--50);margin-right:var(--wp--preset--spacing--70);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--50);margin-left:var(--wp--preset--spacing--70)"><em>Jünger fürs Leben zurüsten, um der Gemeinde Christi zu dienen.</em></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, wenn man sich dessen bewusst ist, wird man Frieden damit haben können, dass die mit dem Studium verbundene Arbeitslast genau diesem Zweck dient. In zehn Monaten durch die Bibel zu lesen und dabei jeden Monat wieder einer engen Deadline zu folgen, schafft Disziplin und lehrt, dass es durchaus möglich ist, in jeder Lebenslage die Bibel in zehn Monaten <em>aufmerksam</em> zu lesen und damit zu arbeiten –&nbsp;und man Gott durchaus vertrauen darf, einen durch solch eine Herausforderung zu tragen!</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-habe-ich-genug-zeit">Habe ich überhaupt genug Zeit dafür?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Das EBTC gibt an, dass das Studium <strong>2 bis 3 Stunden am Tag</strong> erfordert. Ich habe nie die Zeit getrackt, um diesen Durchschnitt zu überprüfen –&nbsp;aber allein durch die gesamte Bibel zu lesen kann etwa 80 bis 85 Stunden dauern. Während der Gesamtdauer des Studiums solltest du also mit durchschnittlich 30min reiner Lesezeit pro Tag rechnen. Das beinhaltet noch nicht das Zusammenfassen. Ich würde sagen, die intensivste Phase sind die ersten vier Monate –&nbsp;hier arbeitet man sich von <strong>1. Mose</strong> bis <strong>Hohelied</strong> durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Tipp</strong>: Vorarbeiten ist nicht verboten. Das haben Xhesika und ich gemacht – und ich frage mich wirklich, wie jemand es anders durch die ersten vier Monate schaffen soll!</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img decoding="async" width="814" height="1024" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:814/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/05/image-5.png" alt="" class="wp-image-1007" style="width:334px;height:auto" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:814/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/05/image-5.png 814w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:239/h:300/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/05/image-5.png 239w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:966/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/05/image-5.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:858/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/05/image-5.png 892w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:858/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/05/image-5.png 2x" sizes="(max-width: 814px) 100vw, 814px" /><figcaption class="wp-element-caption">Wer den Dezember schafft, schafft alles.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Um noch inhaltlich auf die Frage einzugehen, ob Bibelkunde das Richtige für dich ist: Wenn du bereits eine gute Gesamtübersicht der Bibel hast, kannst du dich darauf prüfen lassen und das Bibelkunde-Jahr ggf. überspringen. Manche wollen direkt mit den Kursen Biblische Seelsorge oder Auslegungspredigt beginnen –&nbsp;das ist durchaus möglich, wenn du gute Vorkenntnisse vorweisen kannst. Groß beworben wird das aber aus guten Gründen nicht – im nächsten Abschnitt führe ich aus, woraus Bibelkunde überhaupt besteht. Vorneweg: Es es ist kein rein theoretisches Studium.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-was-genau-macht-man-im-bibelkunde-jahr">Was genau macht man in Bibelkunde?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Studium besteht aus drei Teilen:</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-bibelkunde">1. Bibelkunde</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die meiste Zeit deines Studiums verbringst du im Wohnzimmer, in der Küche oder in der Bahn, während du zur Arbeit fährst. Wo auch immer du freie Minuten findest, um noch ein weiteres der manchmal dreistelligen Summe an Kapiteln (<em>oh, die Psalmen&#8230;</em>) für diesen Monat zu lesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also noch mal zusammengefasst: Du liest jeden Monat der Reihenfolge nach verschiedene Bücher aus der Bibel und fasst dabei <strong>jedes Kapitel</strong> in <strong>max. sieben Wörtern</strong> und <strong>jedes Buch</strong> in <strong>max. 1500 Zeichen</strong> zusammen. In zehn Monaten wirst du alle 66 Bücher bzw. 1189 Kapitel durchgearbeitet haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Lesen nutzt du eine der wortgetreueren Übersetzungen (Elberfelder, Schlachter, Luther oder Menge –&nbsp;HfA oder NeÜ sind nicht gewährt). </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, es ist viel und ja, wenn du wirklich <em>liest, denkst</em> und deine Zusammenfassungen nicht von einer KI generieren lässt (was natürlich verboten ist), wirst du vermutlich überfordert sein. Die Bibelkunde ist namensgebend für den Jahrgang und bildet <strong>80 %</strong> der Gesamtnote.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entscheidend für deine Note ist die Bewertung deines dir zugeteilten Tutors, der dies anhand einiger Kriterien tut. An dieser Stelle ein kurzes Shoutout (und großes Dankeschön) an meinen Tutor Daniel – du musstest dir <em>sehr</em> viel Zeug durchlesen!</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-prufungen">2. Prüfungen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Während deines Studiums gibt es vier Prüfungen (2x AT und 2x NT), auf die du dich vorbereiten musst. Sie bestimmen <strong>20 %</strong> deiner Endnote. Sie behandeln neun Kernfragen zu jedem Buch, z. B. Autor, Abfassung oder Thema.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hand aufs Herz: Ich habe diese Prüfungen halbherzig absolviert. Es gibt Punkte, die sinnvoll sind –&nbsp;zum Beispiel der Autor oder die Schlüsselverse eines Buches. Manche Punkte finde ich äußerst arbiträr – „Wesen Gottes“&nbsp;zum Beispiel. In 2. Mose ist Gott vielleicht gnädig, barmherzig und sieben weitere Dinge –&nbsp;gleichzeitig sollst du „Schlüsselworte“ und „Schlüssellehren“ lehren, die oft Überschneidungen haben. Selbst aus Seite der Dozenten werden diese Punkte manchmal fragend vorgestellt. Für mich nicht wirklich motivierend –&nbsp;weitaus intelligentere Menschen wie meine Frau streben hier trotzdem nach der perfekten Note und quälen sich irgendwie durch!</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-praktische-theologie">3. Praktische Theologie</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die praktische Theologie macht zwar nur <strong>10 %</strong> der Gesamtnote aus, ist für mich aber ein unerwartetes Highlight des Bibelkunde-Jahres. Eigentlich nicht das, wofür man sich angemeldet hat, aber dem Zweck der <em>Zurüstung der Jünger</em>&nbsp;ungemein dient. Ich blicke auf viele gesegnete Stunden zurück, in denen ich in einer überschauberen Gruppe von Männern über alle wesentlichen Themen gesprochen habe, die einen Mann betreffen: Gebet, Dienst in der Gemeinde, Finanzen, sexuelle Reinheit u. v. m.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Frauen gibt es etwas andere Themen. Ich bin nun wirklich konservativ, aber selbst mich hat es überrascht, dass <em>sie</em> das Thema Finanzen nicht in ihrem Katalog haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In unserem Fall wurden aufgrund der Größe des Kurses Männer und Frauen jeweils in zwei verschiedene Gruppen aufgeteilt, damit diese klein bleiben und intimen Austausch fördern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Vorbereitung der jeweiligen Themen liest man hier in den meisten Monaten ein oder zwei Kapitel aus dem Buch <em>Ein Mann nach dem Herzen Gottes </em>von Jim George (interessanterweise nicht <em>Mann mit Profil</em>, obwohl Xhesika <em>Frau mit Profil</em> lesen musste). Ich persönlich halte es nicht für den Höhepunkt der christlichen Literatur; deutlich besser fand ich die anderen Büchlein oder Buchauszüge, die auch mal drankommen, mit J. C. Ryle als absoluten Höhepunkt. Aber das Lesen ist hier m. E. nicht der wichtigste Teil –&nbsp;es ist der Austausch mit gleichgesinnten Männern, das Teilen von Zeugnissen und die gesunde, klare Lehre der Dozenten zu sehr wichtigen Themen, über die die meisten von uns zu wenig sprechen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-bibelkunde-vs-bibelkunde-express">Bibelkunde vs. Bibelkunde-Express</h2>



<p class="has-normal-font-size wp-block-paragraph">Ich würde niemals <em>prinzipiell</em> davon abraten, <a href="https://www.ebtc.org/bibelschule/bibelkunde-express-online-bibelschule" target="_blank" rel="noopener" title="">Bibelkunde-Express</a> (die kompaktere Online-Version von Bibelkunde) zu studieren. Aber eines der schönsten Aspekte der Nicht-Express-Variante ist das physische Zusammenkommen mit Geschwistern aus ganz Deutschland. Jeder der zehn Monate kulminiert nämlich in einem langen Wochenende vor Ort (entweder in Berlin, Soest, Oberberg oder Zürich), beginnend am Freitagabend mit einem Abendessen*, gefolgt von einer ersten Bibelkunde-Einheit. Dann fährst du entweder nach Hause, zu deiner Gastfamilie oder ins Hotel und machst samstags früh um 8 mit dem Gottesdienst weiter, bevor um etwa 09:15 der Unterricht fortgesetzt wird, der dann mit der praktischen Theologie von 16:00 bis 17:30 endet.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">*<em>Den kostbaren Mahlzeiten vor Ort könnte ich als Feinschmecker einen ganzen Abschnitt gewähren, aber das würde den Rahmen meines Beitrags sprengen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir waren auch unglaublich gesegnet, Geschwister vor Ort kennenzulernen und tiefe Gespräche mit ihnen führen zu dürfen. An dieser Stelle ein Shoutout an die Schindlers, unsere Gastfamilie, die uns und weitere Stundenten Monat für Monat herzlich zuhause empfangen haben!</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-der-unterricht">Der Unterricht</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin nicht ganz sicher, wie der Unterricht an den anderen Standorten aussieht. Für uns in Soest kann ich aber sagen, dass kein Unterricht der Dozenten, die ich in diesen zehn Monaten kennengelernt habe, uninspiriert oder langweilig war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Hauptdozent war Eberhard Dahm, der das schon viele Jahre macht und somit spürbar souverän unterrichtet. Der Unterricht behandelt die verschiedenen Bibelbücher. Während andere Dozenten, die vereinzelt auch mal dran sind, großartig in 75-90min durch einzelne Bücher navigieren, lässt sich Eberhard häufig Zeit, von seiner Erfahrung als langjähriger <a href="https://www.institut-fuer-gemeindeaufbau.de/ueber-uns/eberhard-dahm" target="_blank" rel="noopener" title="">Gemeindeberater</a> zu berichten. Er ist Vater eines mittlerweilen erwachsenen, dadurch aber nicht weniger herausfordernden Sohnes namens Daniel, dessen Down-Syndrom mit viel Leid und Sorgen, aber überraschend auch Segen, verbunden ist. Diese Anekdoten sind einmalig, prägend und Eberhard damit ein großartiges Vorbild im Glauben. Junge Christen brauchen mehr Eberhards in der Gemeinde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hatten einen jungen Mann im Kurs, dem es offenbar gefällt, besonders schwierige Fragen zu hoch debattierten Bibeltexten zu stellen. Das mag so manchen Geschwistern ein Anstoß sein, weil man annehmen könnte, er hinterfrage die Bibel –&nbsp;aber den Kurs hat es dadurch immer wieder bereichert, dass Eberhard zeigte, dass du die Bibel irgendwann in deinem Leben so gut kennen kannst, dass du all diese Fragen selbst schon durchgekaut hast und beantworten kannst. Ganz im Sinne Petrus also:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„Seid jederzeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, <small>die</small> in euch <small>ist</small>.“</p>
<cite>– 1. Petrus 3,15b (CSV)</cite></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-toll-fur-ehepaare">Lohnt es sich für Ehepaare?</h2>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1707" height="2560" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:auto/h:auto/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/Abschluss-SOE-25-61-scaled.jpg" alt="Xhesika und ich mit den Dozenten Eberhard Dahm und Andreas Unrau" class="wp-image-1061" style="aspect-ratio:1;object-fit:cover" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:720/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/Abschluss-SOE-25-61-scaled.jpg 1707w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:200/h:300/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/Abschluss-SOE-25-61-scaled.jpg 200w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:683/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/Abschluss-SOE-25-61-scaled.jpg 683w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:720/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/Abschluss-SOE-25-61-scaled.jpg 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:720/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/Abschluss-SOE-25-61-scaled.jpg 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:719/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/Abschluss-SOE-25-61-scaled.jpg 1365w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:720/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/Abschluss-SOE-25-61-scaled.jpg 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:720/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/Abschluss-SOE-25-61-scaled.jpg 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">Notiz an mich selbst: Prüfen, ob der Anzug sitzt, bevor man sich fotografieren lässt. © EBTC</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt habe ich das Bibelkunde-Jahr zusammen mit meiner Frau absolviert. Ganz romantisch ging ich in dieses Studium mit der Idee, dass Xhesika und ich <em>jedes Kapitel</em> zusammen lesen würden. Das ist ein wahrer Segen. Sehr früh in unserer frischen Ehe durfte ich so mit ihr gemeinsam durch die ganze Bibel lesen; viel produktiver kann man ein erstes Jahr gemeinsam glaube ich nicht verbringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch ist klar, dass es zu zweit schwieriger ist als allein, besonders wenn man alles zusammen lesen, erarbeiten und sich gegenseitig unterstützen und korrigieren möchte! Das ist ein zusätzlicher Zeitaufwand, aber er fördert auch die geistige Anstrengung und Präzision.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als unser Joah im März auf die Welt kam, nur drei Monate vor Ende des Studiums, war es für Xhesika in Bezug auf das Studium fast ein Bankrott-Erlebnis. Natürlich war ihr Kopf und Terminkalender nicht mehr ganz so frei wie noch in den wenigen Wochen, die sie durch ihren Mutterschutz zuhause verbringen konnte. Wer also in diesem Zeitraum Kinder erwartet, sollte es sich zweimal überlegen, denn immensen Druck wird es allemal bedeuten – doch das EBTC unterstützt Ehepaare, wie wir es vor und während des Bibelkunde-Jahres immer wieder von anderen Paaren hörten, und wir können es durch unsere Erfahrung nur bestätigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Frage dieses Abschnitts also zu beantworten: Ja, es lohnt sich!</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„und sie werden <em>ein</em> Fleisch sein.“</p>
<cite>– 2. Mose 2,24b (CSV)</cite></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-test">Die Kosten</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vorneweg</strong>: Jeder EBTC-Studiengang wird standardmäßig mindestens zur Hälfte von Spendern getragen. Das finde ich großartig –&nbsp;und das dient als weitere Motivation, sein Studium ernstzunehmen. Die Kosten belaufen sich in Soest für den kommenden Jahrgang 2025/26 auf <strong>1.800,- €</strong> (Stand: Juni). Das heißt, dass Spender genau diesen Betrag tragen, um die eigentlichen 3.600,- € zu decken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kosten decken u. a. 10 Unterrichtswochenden mit verschiedenen Dozenten inkl. Verpflegung und ggf. Übernachtung bei einer Gastfamilie; außerdem erhält man einige für das Studium relevante Bücher.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-fazit">Fazit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kann das Bibelkunde-Studium fast jedem in fast jeder Lebenslage uneingeschränkt empfehlen. Ja, auch wenn du in Vollzeit arbeitest. Oder wenn du, wie ich, zusätzlich noch einen Minijob ausübst. Oder wenn du viel in deiner Ortsgemeinde involviert bist. Oder wenn du frisch verheiratet bist oder sogar vier Kinder hast. Ich kann dir aus unserem Jahrgang berichten: Die meisten Menschen sind mit allen möglichen Dingen bereits gut beschäftigt – und doch haben wir es (fast) alle geschafft!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Herr wird dir die Kraft schenken, die du brauchst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Warum ich Endzeitagnostiker bin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mail@joelbarthel.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Jul 2025 19:29:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dispensationalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Endzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Offenbarung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt kein großes Thema in der Bibel, das ein tiefgründigeres Studium der gesamten Schrift erfordert als die Endzeit. Offenbarung ist das schwierigste aller Bücher. Mehr als die Hälfte der Verse also enthält direkte Parallelen zum Alten Testament.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Die letzten Wochen hat mich Eschatologie, die „Lehre der letzten Dinge“ – also die Endzeit –&nbsp;erstmals sehr beschäftigt. Ich war nie bereit, mich einem der definierten Endzeitsysteme anzuschließen. Ich wusste nicht, ob ich mich auf dieser Erde noch als <em>Dispensationalist</em>, <em>Postmillenialist</em> oder <em>Amillenialist</em> bezeichnen werde. Und nun, wo ich dieses Thema endlich angehe, sieht es Tag für Tag so aus, dass meine Zuversicht weiter sinkt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kompliziert, komplizierter, Endzeitlehre</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hier sind sich fast alle einig: Es gibt kein großes Thema in der Bibel, das ein tiefgründigeres Studium der gesamten Schrift erfordert als die Endzeit. Offenbarung ist das schwierigste aller Bücher. Mehr als die Hälfte der Verse enthält direkte Parallelen zum Alten Testament. Die großen Reformatoren Luther, Zwingli und Calvin mussten zugeben, dass sie sich mit dessen Studium überfordert sahen. Hieronymus behauptete, das Buch enthalte „<em>genauso viele Worte wie Mysterien</em>“, und B. B. Warfield sagte: „<em>Es wurde schon immer am verschiedensten verstanden, am willkürlichsten ausgelegt und exegetisch am meisten gefoltert.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst die überzeugtesten Vertreter jeder Endzeitlehre werden durch seine oft ambivalente Ausdrucksweise und nicht immer eindeutig erschließbare Struktur gedemütigt, und nicht wenige der begabtesten Ausleger der apokalyptischen Literatur (wie Daniel, Offenbarung oder die Ölbergrede Jesu) haben nach vielen Jahren des Studiums zeitweise ihre Meinung geändert. Einige der besten Ausleger der Offenbarung, die akribisch versuchen, die jüdische apokalyptische Sprache des 1. Jahrhunderts zu verstehen, nennen sich erst <em>Amillenialist</em> oder <em>historischer</em> <em>Prämillenialist</em> und bezeichnen sich dann als „Optimistischer Amillenialist“&nbsp;(Dr. Joel Beeke), „Neue-Schöpfung-Amillenialist“ (Thomas R. Schreiner) oder weigern sich gänzlich, von solch stark geprägten Begriffen auszugehen (D.A. Carson).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manche nennen sich auch <em>Panmillenialist</em>: „It will all <em>pan</em> out in the end.“ (etwa: „Am Ende wird sich schon alles fügen.“)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Keine triviale Entscheidung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Meine größte Schwierigkeit damit, mich für ein System zu „entscheiden“&nbsp;und mich fortan <em>Dispensationalist</em> oder <em>Postmillenialist</em> zu nennen, ist die Tatsache, dass ich mehrere Annahmen machen muss, die <em>individuell</em> bereits intensives Studium erfordern, das sich nicht in ein oder zwei Wochen, Monaten oder gar Jahren ausschöpfen lässt. Es betrifft große Fragen wie das Verständnis von Prophetien (welche wörtlich, welche symbolisch?), inwieweit die Kirche und Israel als zwei verschiedene Völker verstanden werden müssen, wenn Paulus in Epheser von einem „neuen Menschen“ spricht, zu dem Juden und Heiden zusammengefügt werden, die <em>gemeinsam</em> „Abrahams Same“&nbsp;sind; und wie das mit Gottes Bund mit Abraham zu verstehen ist, wenn die Bibel von einem „himmlischen Zion“&nbsp;spricht und durch Hosea offenbart, dass er „Nicht-mein-Volk“ sein Volk nennen wird; und ist dieser Bund wirklich unkonditionell?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kenne genug Geschwister, die ich respektiere und die verschiedene sehr im Widerspruch stehende Endzeitlehren für eindeutig wahr halten. Ich sehe mich somit gezwungen, in diesem Sinne Agnostiker zu bleiben. Es gibt zwar mehr Punkte, die mich am Dispensationalismus stören als an den anderen Systemen, aber auch letztere machen mehrere Annahmen, deren teilweiser Ausfall den Zerfall des gesamten Systems bedeuten würde. Der (Teil-)Präterismus zerfällt bereits vollständig, wenn Offenbarung <em>nicht</em> vor 70 n. Chr. geschrieben wurde. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn mein Glaube nun von so vielen voneinander abhängigen Puzzleteilen abhängt, darf ich nicht annehmen, dass bei zukünftig neuen Erkenntnissen meine Bereitschaft zur Neuausrichtung jemals größer sein wird als die entstehende kognitive Dissonanz, die mich zur Sturheit führt. Wie viel größer ist die Sorge für solche, die seit Jahrzehnten eine feste Lehre vertreten, predigen und bereits viele auf ihre Seite gezogen haben?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein nüchternes Fazit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach nur wenigen Wochen des Vergleichens der verschiedenen Endzeitlehren ist mir bewusst geworden, warum sich so viele begnadete Bibelausleger als <em>vorsichtig</em> amillenialistisch oder premillenialistisch bezeichnen. Dennoch gibt es äußerst überzeugte Vertreter jeweiliger Endzeitlehren wie John MacArthur, der behauptet, er habe die „beste Eschatologie“&nbsp;von allen –&nbsp;überhaupt sehe ich, dass sowohl Dispensationalisten als auch Postmillenialisten tendenziell sehr überzeugt von dem wirken, was sie glauben. Vielleicht, weil beide Systeme das praktische Leben so stark beeinflussen: Der optimistische Postmillenialist meint, der Missionsbefehl stehe im prophetischen Zusammenhang damit, die Welt werde bis zur Wiederkunft Jesu weitgehend christianisiert werden. Der pessimistische Dispensationalist wartet sehnlichst auf Jesu bevorstehende Entrückung der Heiligen, weil der moralische Abfall in der Welt zunimmt und wir nun in den <em>aller</em>letzten Tagen leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab auch für mich einige Momente in diesen letzten Wochen, an denen ich fast überzeugt war, der Teil-Präterismus müsse absolut stimmen. Wer in dieser Zeit mit mir über dieses Thema gesprochen hat (am meisten vergeben muss mir wohl meine Frau), wird dies gespürt haben. Doch je tiefer man reingeht, desto verwurzelter wird das Ganze, und man stellt fest – es geht hier um weitaus wichtigere Themen: Die Beziehung zwischen Gottes neuem und altem Bund, Israel und die Gemeinde, das Königreich Jesu und vieles mehr. Das demütigt mich, und bis ich hier nicht tiefgreifendere Erkenntnisse erlangt habe, will ich es nicht wagen, mir ein Urteil zu bilden und mich einem System anzuschließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Appell an dich, lieber Leser, ist an dieser Stelle nur eines: Wenn du von der Endzeitlehre, an der du festhältst, <em>völlig</em> überzeugt bist, dann hoffe ich, dass du es <em>biblisch </em>bist. Und wenn du <em>völlig</em> und <em>biblisch</em> überzeugt bist –&nbsp;und auch noch recht hast – dann danke ich dir, wenn du für mich betest, dass Gott mich zur rechten Erkenntnis der letzten Dinge führt.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em>Seid jederzeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, <small>die</small> in euch <small>ist</small>.</em></p>
<cite>– 1. Pet 3,15b</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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