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	<title>Wortstudie &#8211; Joel Barthel</title>
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	<description>Theologie. Apologetik. Freude am Wort.</description>
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	<title>Wortstudie &#8211; Joel Barthel</title>
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		<title>Ist Agape die „Gottesliebe“?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mail@joelbarthel.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jul 2026 15:15:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wortstudie]]></category>
		<category><![CDATA[Bibelstudium]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine der häufigsten Annahmen, die wir in der Gemeinde seit Jahrzehnten immer wieder hören und nie konsequent hinterfragen, lautet in etwa so, wie Renke Bohlen, Pastor der Bochumer Pfingstgemeinde „Ava Kirche“, es wiedergibt: „Jetzt gibt’s im Neuen Testament, das wissen viele, drei Begriffe für Liebe im Griechischen. Das eine ist eros;&#160;ich glaube das wissen wir [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Eine der häufigsten Annahmen, die wir in der Gemeinde seit Jahrzehnten immer wieder hören und nie konsequent hinterfragen, lautet in etwa so, wie Renke Bohlen, Pastor der Bochumer Pfingstgemeinde „Ava Kirche“, es wiedergibt<sup data-fn="d6bbad1a-eb01-45a6-b3d4-fecc72c340a9" class="fn"><a href="#d6bbad1a-eb01-45a6-b3d4-fecc72c340a9" id="d6bbad1a-eb01-45a6-b3d4-fecc72c340a9-link">1</a></sup>: </p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„<em>Jetzt gibt’s im Neuen Testament, das wissen viele, drei Begriffe für Liebe im Griechischen. Das eine ist <strong>eros</strong>;&nbsp;ich glaube das wissen wir alle, was damit gemeint ist. Dann gibt’s das Wort <strong>philia</strong>, das ist die zwischenmenschliche, freundliche Liebe. Und dann gibt’s die <strong>agape</strong>. Weißt du, wofür agape steht? Für göttliche Hingabe, für göttliche Liebe.</em>“&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du wie ich bist, hast du diese Aussage in einer ähnlichen Form jahrelang geglaubt, wie so viele eben, die wir hören und nicht minutiös hinterfragen. Viele Gemeinden, häufig der Pfingstbewegung angehörend, beziehen sich auf diese besondere „Agape-Liebe“, die die Liebe Gottes beschreiben soll, und nennen sich entsprechend „Agape Church“ oder nutzen das Wort für einen bestimmten Dienstbereich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die These schönen Gedanken entspringen mag (wahrscheinlich der Grund, dass sie selten hinterfragt wird), ist die Unterscheidung dieser drei Worte biblisch nicht zu verteidigen. Die diversen Probleme möchte ich hier aufzeigen.</p>



<div class="wp-block-rank-math-toc-block" id="rank-math-toc"><h2>Inhaltsverzeichnis</h2><nav><ul><li class=""><a href="#was-bedeutet-eros">Was bedeutet eros?</a></li><li class=""><a href="#agape-und-philia">agape und philia</a><ul><li class=""><a href="#agape">agape</a></li><li class=""><a href="#philia">philia</a></li></ul></li><li class=""><a href="#fazit">Fazit</a></li><li class=""><a href="#weiterfuhrende-quellen">Weiterführende Quellen</a></li><li class=""><a href="#fussnoten">Fußnoten</a></li></ul></nav></div>



<h2 id="was-bedeutet-eros" class="wp-block-heading">Was bedeutet <em>eros</em>?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist erstaunlich, festzustellen, dass das Wort <em>eros</em>&nbsp;biblisch fast vollkommen fremd ist. Im griechischen Neuen Testament kommt es, entgegen der obigen Aussage Bohlens, gar nicht einmal vor. In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, finden wir es immerhin zwei Mal:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Komm, wir wollen uns in Liebe <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">berauschen</mark> bis zum Morgen, an Liebkosungen uns ergötzen.<br></strong>Sprüche 7,18</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>der Scheol und der <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">verschlossene Mutterleib</mark></strong><sup data-fn="11ef71ba-ab16-4595-b95a-714a7a762557" class="fn"><a id="11ef71ba-ab16-4595-b95a-714a7a762557-link" href="#11ef71ba-ab16-4595-b95a-714a7a762557">2</a></sup><strong>, die Erde, die des Wassers nicht satt wird, und das Feuer, das nicht sagt: „Genug!“</strong><br>Sprüche 30,16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres Mal finden wir <em>eros</em>&nbsp;in den Apokryphen in derselben Septuaginta:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Liebhaber des Bösen und solcher Hoffnungen würdig / sind alle, die es anfertigen, die nach ihm <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">verlangen</mark> und die es anbeten.</strong><br>Weisheit 15,6</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir stellen fest: Ausgerechnet das Hohelied Salomos enthält <em>eros</em>&nbsp;nicht ein einziges Mal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während das Wort in der klassisch-griechischen Literatur durchaus häufig Gebrauch im sexuellen Kontext fand, was wir durch die heute explizit sexuelle <em>Erotik</em>, die davon abgeleitet ist,&nbsp;leicht nachvollziehen können, ist der Gebrauch im 1. Jahrhundert im jüdisch-christlichen Kontext weitaus hilfreicher, um die für uns relevante Dreiteilung der Liebe zu untersuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor wir diesen betrachten, ist es aber wichtig, festzustellen, dass dieser sexuelle Gebrauch auch in der griechischen Literatur nicht <em>exklusiv</em> war. Der Gebrauch im letzten zitierten Text gibt es gut wieder: <em>eros</em> beschrieb ein tiefes Verlangen nach etwas, erst einmal unabhängig von dessen Objekt. Letzteres konnte genauso die <em>Wahrheit</em> oder die <em>Erde</em> sein. Der Kontext konnte genauso positiv wie auch negativ sein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Philo von Alexandria, der zur selben Zeit wie Jesus lebte, nutzte <em>eros</em>, um die himmlische und göttliche Liebe als „Quelle aller Tugend“ zu beschreiben:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„<em>Wenn der Geist aber vom himmlischen Eros (ἔρωτι οὐρανίῳ – erōti ouraniō) erfasst wird, wird er beflügelt, schwingt sich in die Höhe, überschreitet die gesamte sichtbare Welt und dringt in die geistige Welt vor [&#8230;] Dort schaut er die unbeschreibliche Schönheit der unkörperlichen Ideen.</em>“<sup data-fn="d81eb579-9e03-4ca4-b663-848c1f699bb1" class="fn"><a id="d81eb579-9e03-4ca4-b663-848c1f699bb1-link" href="#d81eb579-9e03-4ca4-b663-848c1f699bb1">3</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph">In seinen allegorischen Schriften verbindet er das Verb <em>erao</em>&nbsp;mit der intellektuellen und geistlichen Sehnsucht der Seele u. a. nach „guten Dingen“ wie Frieden oder Wahrheit.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für uns am relevantesten ist für uns ein Autor wie Ignatius von Antiochien (ca. 35-108 n. Chr.), der an die Römer schrieb:&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„<em>Mein <strong>Eros</strong> [ὁ ἐμὸς ἔρως] ist gekreuzigt, und es ist in mir kein Feuer, das die Materie liebt, sondern ein ‚lebendiges und sprechendes Wasser‘ in mir, das in meinem Innern mir zuruft: Komm zum Vater! Ich habe keine Freude an vergänglicher Nahrung noch an den Vergnügungen dieses Lebens. Gottes Brot will ich</em>&#8230;“.<sup data-fn="e0529612-8c85-4c5d-992d-11a70e68642e" class="fn"><a id="e0529612-8c85-4c5d-992d-11a70e68642e-link" href="#e0529612-8c85-4c5d-992d-11a70e68642e">4</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter heißt es: </p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„<em>Ich verlange [ἐρῶ] zu sterben.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Justin der Märtyrer (100-165 n. Chr.) schrieb folgendermaßen:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„<em>In meiner Seele aber entbrannte sogleich ein Feuer, und es erfaßte mich eine <strong>Liebe</strong> [ἔρως] zu den Propheten und zu jenen Männern, welche Freunde Christi sind. Ich überdachte seine Worte und fand, daß dies die einzig sichere und nützliche Philosophie sei.</em>“<sup data-fn="5977abe1-a338-4587-8f82-1e140d8dd9ef" class="fn"><a id="5977abe1-a338-4587-8f82-1e140d8dd9ef-link" href="#5977abe1-a338-4587-8f82-1e140d8dd9ef">5</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 3. Jahrhundert schrieb Porphyrios über den <em>eros</em>&nbsp;auf eine Weise, in der wir nach heutigem Verständnis <em>agape</em>&nbsp;erwarten würden:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Vier Grundprinzipien sollen im Hinblick auf Gott besonders fest verankert sein: Glaube, Wahrheit, <strong>Liebe</strong> [ἔρως] und Hoffnung. Denn man muss glauben, dass die Hinwendung zu Gott das einzige Heil ist; wer aber glaubt, muss sich mit ganzer Kraft bemühen, die Wahrheit über ihn zu erkennen; wer sie erkannt hat, muss den Erkannten <strong>lieben</strong> [ἐρᾶν]; und der Liebende muss seine Seele zeitlebens mit guten Hoffnungen nähren.</em>“<sup data-fn="4dd35f7a-ccd1-43c4-9e27-8a589c7018c3" class="fn"><a id="4dd35f7a-ccd1-43c4-9e27-8a589c7018c3-link" href="#4dd35f7a-ccd1-43c4-9e27-8a589c7018c3">6</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph">Entgegen dieser strengen Einordnung als <em>romantische Liebe</em>&nbsp;stellen wir also fest, dass <em>eros</em>&nbsp;eine breite Nutzung in der antiken Literatur findet. <em>Eros</em>&nbsp;(und die Verbform&nbsp;<em>erao</em>) zeugen von einer starken Liebe, sind aber bei Weitem nicht auf romantische oder „erotische“ Liebe beschränkt, und genauso wenig auf eine <em>impulsive</em> oder <em>negative</em> Form derselben.</p>



<h2 id="agape-und-philia" class="wp-block-heading"><em>agape</em> und <em>philia</em></h2>



<h3 id="agape" class="wp-block-heading">agape</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Während das Hohelied keine einzige Verwendung von <em>eros</em>&nbsp;aufweist, obwohl wir diese dort nach heutigem Verständnis des Wortes sicherlich erwarten würden, finden wir stattdessen häufig <em>agape</em>&nbsp;und dessen Verbform <em>agapao</em>. Dieses Wort kommt hier zehnmal vor, von den 18 Nutzungen insgesamt im Alten Testament. Diverse davon zeugen von einem äußerst leidenschaftlichen Kontext:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Er hat mich in das Haus des Weines geführt, und sein Banner über mir ist die <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Liebe</mark>. </strong>[5] <strong>Stärkt mich mit Traubenkuchen, erquickt mich mit Äpfeln, denn ich bin krank vor <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Liebe</mark>!</strong><br>Hohelied 2,4-5</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems, bei den Gazellen oder bei den Hirschen des Feldes, dass ihr weder weckt noch stört die <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Liebe</mark>, bis es ihr gefällt!</strong><br>Hohelied 2,7</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems, wenn ihr meinen Geliebten findet, was sollt ihr ihm berichten? Dass ich krank bin vor <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Liebe</mark>.</strong><br>Hohelied 5,8</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Lege mich wie einen Siegelring an dein Herz, wie einen Siegelring an deinen Arm! Denn die <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Liebe</mark> ist gewaltsam wie der Tod, hart wie der Scheol <small>ihr</small> Eifer; ihre Gluten sind Feuergluten, eine Flamme Jahs.</strong><br>Hohelied 8,6</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig übersetzt <em>adelphidos</em>&nbsp;(wörtl. eigentlich zurückgehend auf <em>adelphos =</em>&nbsp;Bruder) folgende Verwendungen des Wortes:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Mein <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Geliebter</mark> ist mir ein Bündel Myrrhe, das zwischen meinen Brüsten ruht. </strong>[14] <strong>Eine Zypertraube ist mir mein <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Geliebter</mark>, in den Weinbergen von En-Gedi.</strong><br>Hohelied 1,13-14</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Mein <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Geliebter</mark> komme in seinen Garten und esse die ihm köstliche Frucht.<br></strong>Hohelied 4,16b</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Mein <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Geliebter</mark> streckte seine Hand durch die Öffnung, und mein Inneres wurde seinetwegen erregt.</strong><br>Hohelied 5,4</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nie würden wir auf die Idee kommen, ein auf <em>Brüderlichkeit</em>&nbsp;zurückgehendes Wort in solch zutiefst romantischen, oft sexuellen Passagen einzuordnen. Doch deshalb schauen wir, wie die Bibel Wörter nutzt, um deren Bedeutung kontextuell zu verstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um zum eigentlichen Kern zurückzukommen, ist es hilfreich, genau diesen Kontext für <em>agape</em> zu betrachten – das Wort, das, obwohl es gar nicht in der jüdischen oder christlichen Literatur entstand<sup data-fn="4ba19255-bc66-48ca-8098-dc7ad098772e" class="fn"><a href="#4ba19255-bc66-48ca-8098-dc7ad098772e" id="4ba19255-bc66-48ca-8098-dc7ad098772e-link">7</a></sup>, scheinbar auf die „Gottesliebe“ beschränkt werden muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Exkurs in die weltliche Nutzung ist an dieser Stelle gar nicht notwendig. Die Bibel selbst gibt uns schockierende Beispiele, bei denen wir nicht wagen würden, das Wort auf Gottes Liebe zu limitieren; ansonsten stünden wir vor einem großen theologischen Problem.&nbsp;<em>Agape</em>&nbsp;und dessen Verb beschreiben z. B. Amnons inzestuöse Vergewaltigung seiner Halbschwester Tamar:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Und Amnon hasste sie mit sehr großem Hass; denn der Hass, mit dem er sie hasste, war größer als die <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Liebe</mark>, mit der er sie <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">geliebt</mark> hatte. Und Amnon sprach zu ihr: Steh auf, geh!</strong><br>2. Samuel 13,15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Will irgendjemand behaupten, Amnon hätte Tamar mit bedingungsloser, göttlicher Liebe geliebt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter wird das Verb genutzt, um Simsons fatale Liebe zu Delila zu beschreiben:&nbsp;<strong>Und es geschah danach, da <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">liebte</mark> er eine Frau im Tal Sorek, ihr Name war Delila.</strong> (Richter 16,4)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Liebe war es, mit der Salomo viele fremde Frauen liebte:&nbsp;<strong>An diesen hing Salomo mit <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">Liebe</mark>.</strong> (1. Könige 11,2b)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Psalmist beschreibt mit diesem Wort die Liebe der Gottlosen für Gewalttaten: </p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Der HERR prüft den Gerechten; aber den Gottlosen und den, der Gewalttat <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">liebt</mark>, hasst seine Seele.</strong><br>Ps 11,5<sup data-fn="abef5e20-a738-4a33-9617-28a7b1e6818a" class="fn"><a id="abef5e20-a738-4a33-9617-28a7b1e6818a-link" href="#abef5e20-a738-4a33-9617-28a7b1e6818a">8</a></sup></p>



<p class="wp-block-paragraph"> Jeder der <strong>widerspenstigen Fürsten</strong><em> … </em><strong><mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">liebt</mark> Geschenke und jagt nach Belohnungen</strong> (Jesaja 1,23). Alle, die Gott <strong>hassen, <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">lieben</mark> den Tod</strong> (Sprüche 8,36).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im Neuen Testament finden wir absolut gottlose <em>agape</em>. In Johannes 3,19 lesen wir, dass die Menschen <strong>die Finsternis mehr <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">geliebt</mark></strong> haben<em> </em><strong>als das Licht.</strong><em>&nbsp;</em>Woanders verurteilt Jesus selbst die <em>agape</em>&nbsp;des <strong>ersten Sitzes in den Synagogen</strong><em> </em>seitens der Pharisäer (Lukas 11,43). Johannes 12,43 kontrastiert die Liebe der Ehre bei den Menschen mit der bei Gott. Auch die Apostel nutzen solche negativen Formen der <em>agape</em>-Liebe, wie etwa Paulus in 2. Timotheus 4,10, wenn er&nbsp;<strong>Demas</strong> beschreibt, der&nbsp;<strong>den jetzigen Zeitlauf <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">lieb gewonnen</mark></strong><em> </em>hat.</p>



<h3 id="philia" class="wp-block-heading">philia</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig stellen wir fest, dass&nbsp;<em>philia</em> nicht nur „freundliche Liebe“ beschreibt, sondern durchaus austauschbar mit anderen Vokabeln für romantische Liebe<sup data-fn="d39d568f-f278-44b4-a0b4-d38fdb02a4c5" class="fn"><a id="d39d568f-f278-44b4-a0b4-d38fdb02a4c5-link" href="#d39d568f-f278-44b4-a0b4-d38fdb02a4c5">9</a></sup> und auch Gottes Liebe stehen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die <em>agape</em>&nbsp;die <em>Gottesliebe</em>&nbsp;beschreibt, gehen wir dann davon aus, dass der Sohn und der Vater sich nur <em>brüderlich</em>&nbsp;lieben, wenn <em>phileo</em> verwendet wird? Tatsächlich finden wir <em>philia </em>und<em> phileo</em>&nbsp;sogar häufig im göttlichen Gebrauch:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Denn der Vater <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">hat</mark> den Sohn <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">lieb</mark> und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm größere Werke als diese zeigen, damit ihr euch verwundert.<br></strong>Johannes 5,20</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>denn der Vater selbst <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">hat</mark> euch <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">lieb</mark>, weil ihr mich <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">lieb gehabt</mark> und geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin.<br></strong>Johannes 16,27</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Agape</em> und <em>philia</em> sind oft austauschbar.  Während Johannes 5,20, wie gerade aufgezeigt, durch <em>phileo</em> die Liebe des Vaters zu seinem Sohn beschreibt, lesen wir synonym in Johannes 3,35 mit <em>agapao</em>:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Der Vater <mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color">liebt</mark> den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben.<br></strong>Johannes 3,35</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Johannes 20,2 lesen wir von dem Jünger, den Jesus <strong>lieb hatte</strong> (<em>phileo</em>), während wir in 13,23 und 21,7 vom selben Jünger lesen, den Jesus <strong>liebte</strong> (<em>agapao</em>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Septuaginta übersetzt Sprüche 8,17a „<strong>Ich liebe, die mich lieben</strong>“ mit <em>agapao</em> und <em>phileo</em>, obwohl der hebräische Text zweimal dasselbe Wort nutzt.</p>



<h2 id="fazit" class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir stellen fest, dass, wie es so oft der Fall ist, die Bedeutung von Wörtern immer in erster Linie anhand ihres jeweiligen Kontexts festgestellt werden muss. Dies ist der Grund, dass es kaum Wörter gibt, für die wir im Lexikon lediglich eine Definition vorfinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die strenge semantische Trennung von&nbsp;<em>agape⁠,&nbsp;⁠phileo </em>und<em> eros </em>ist ein relativ neuartiges Phänomen und hat keine Basis in der Heiligen Schrift. Stattdessen sehen wir eine viel größere semantische Überlappung als diese künstliche Trennung von Definitionen es zulässt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Erkenntnis erfordert kein tiefes, vorsichtiges Studium der drei Wörter; ein einfacher Blick in die Konkordanz genügt, um zu sehen, wie alle drei in ganz unterschiedlichen Passagen verschiedenste Bedeutungen aufweisen. Alle drei Wörter finden wir im positiven wie auch negativen Sinne, in romantischen, brüderlichen, freundschaftlichen und göttlichen Beschreibungen. Es gibt nicht <em>ein</em>&nbsp;Wort für Gottesliebe, <em>ein</em>&nbsp;Wort für romantische Liebe und <em>ein</em>&nbsp;Wort für die brüderliche Liebe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem gibt es nicht einfach nur drei Wörter für Liebe – allein das Neue Testament zeugt mit Vokabular wie <em>stergo</em>, <em>splagchnon</em>, <em>epipotheō</em> und vielen weiteren Beispielen von einem weitaus umfangreicheren biblischen „Wortschatz der Liebe“, als es diese These erlaubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solange Pastoren nicht aufhören, ihre Predigtinhalte von anderen zu kopieren, anstatt <em>in Wort und Lehre</em> zu <em>arbeiten</em> (1. Timotheus 5,17) und eigenständig ins Wortstudium zu gehen, werden wir so bald leider nicht sehen, dass die Verbreitung dieser leicht widerlegbaren Lehre, auf die niemand im eigenen Studium käme, ein Ende nimmt.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 id="weiterfuhrende-quellen" class="wp-block-heading">Weiterführende Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Exegetical Fallacies</em> von D. A. Carson ist <em>das</em> Standardwerk, das auf dieses und viele weitere misslungene Wortstudien (und weitere Arten von Auslegungsfehlern) hinweist, die zum Teil großflächigen Eintritt in die Gemeinde gefunden haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Greek For Life</em> von Benjamin L. Merkle und Robert L. Plummer enthält passend zu dieser Diskussion eine ausführlichere Betrachtung eines hierzu oft zitierten Textes in Johannes 21.</p>



<h2 id="fussnoten" class="wp-block-heading">Fußnoten</h2>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="d6bbad1a-eb01-45a6-b3d4-fecc72c340a9"><a href="https://www.youtube.com/live/UqSIVVA-XXs?si=MgrnT_p_pVfk2ZJS&amp;t=1950" target="_blank" rel="noopener">Quelle</a> (YouTube). <a href="#d6bbad1a-eb01-45a6-b3d4-fecc72c340a9-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren">↩︎</a></li><li id="11ef71ba-ab16-4595-b95a-714a7a762557">In der Septuaginta <em>eros gynaikos</em>, also etwa „Liebe der Frau“, gedanklich zurückgehend auf die Sehnsucht einer Frau nach einem Kind. <a href="#11ef71ba-ab16-4595-b95a-714a7a762557-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren">↩︎</a></li><li id="d81eb579-9e03-4ca4-b663-848c1f699bb1">De opificio mundi, § 70–71 (ins Deutsche übersetzt) <a href="#d81eb579-9e03-4ca4-b663-848c1f699bb1-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren">↩︎</a></li><li id="e0529612-8c85-4c5d-992d-11a70e68642e">Ignatius&#8216; Brief an die Gemeinde in Rom (<em>Epistula ad Romanos</em>), Kapitel 7, VV. 2-3. <a href="#e0529612-8c85-4c5d-992d-11a70e68642e-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren">↩︎</a></li><li id="5977abe1-a338-4587-8f82-1e140d8dd9ef">Justin der Märtyrer, Dialog mit dem Juden Tryphon (<em>Dialogus cum Tryphone Judaeo</em>). <a href="#5977abe1-a338-4587-8f82-1e140d8dd9ef-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren">↩︎</a></li><li id="4dd35f7a-ccd1-43c4-9e27-8a589c7018c3">Porphyrios&#8216; Brief an Marcella (<em>Ad Marcellam</em>), Kapitel 24. <a href="#4dd35f7a-ccd1-43c4-9e27-8a589c7018c3-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren">↩︎</a></li><li id="4ba19255-bc66-48ca-8098-dc7ad098772e">Die klassisch-griechische Literatur bezeugt, dass die Verwendung von <em>agape</em> seltener war als die von <em>philia</em> und <em>eros</em>; es wäre also durchaus korrekt zu sagen, dass die biblischen Autoren dessen Nutzung verstärkt haben – dies begann allerdings bei den Juden bereits einige Zeit vor Christus.   <a href="#4ba19255-bc66-48ca-8098-dc7ad098772e-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 7 navigieren">↩︎</a></li><li id="abef5e20-a738-4a33-9617-28a7b1e6818a">vgl. Psalm 52,3-4 und 109,17. <a href="#abef5e20-a738-4a33-9617-28a7b1e6818a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 8 navigieren">↩︎</a></li><li id="d39d568f-f278-44b4-a0b4-d38fdb02a4c5">s. z. B. Titus 2,4 oder die romantischen Küsse in Hohelied 1,2. <a href="#d39d568f-f278-44b4-a0b4-d38fdb02a4c5-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 9 navigieren">↩︎</a></li></ol>


<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Das Bibellexikon-Problem</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mail@joelbarthel.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 16:19:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bibelstudium]]></category>
		<category><![CDATA[Wortstudie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es mag viele Mittel und Methoden geben, die Bibel zu studieren, doch kein Weg führt um Wörterbücher oder Lexika herum, um den (oft zahlreichen) Bedeutungen der mindestens zweitausend Jahre alten Wörter auf den Grund zu gehen, mit denen wir es in jedem einzelnen Vers zu tun haben. Es ist gerade das Wortstudium, das uns die [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Es mag viele Mittel und Methoden geben, die Bibel zu studieren, doch kein Weg führt um Wörterbücher oder Lexika herum, um den (oft zahlreichen) Bedeutungen der mindestens zweitausend Jahre alten Wörter auf den Grund zu gehen, mit denen wir es in jedem einzelnen Vers zu tun haben. Es ist gerade das Wortstudium, das uns die Welt, Kultur und Theologie der Autoren des Alten und Neuen Testaments eröffnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Beitrag zeige ich auf, welche die wichtigsten und bekanntesten Lexika sind, bevor ich aufzeige, wie man diese für das Bibelstudium nutzt. Ich fokussiere mich hier nur auf solche, die das griechische Neue Testament betrachten. Im Fazit nenne ich die äquivalenten Favoriten für das Alte Testament, Hebräisch und Aramäisch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Inhaltsverzeichnis</h2>



<div class="wp-block-aioseo-table-of-contents"><ul><li><a href="#aioseo-der-mangelhafte-mainstream-3">Der mangelhafte Mainstream</a></li><li><a href="#aioseo-die-geschichte-der-lexika-9">Die Geschichte der Lexika</a></li><li><a href="#aioseo-kurzer-uberblick-uber-lexika-18">Kurzer Überblick über Lexika</a><ul><li><a href="#aioseo-theologische-lexika-32">Theologische Lexika</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-fazit-51">Fazit</a></li><li><a href="#aioseo-weiterfuhrende-ressourcen-54">Weiterführende Ressourcen</a></li></ul></div>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-der-mangelhafte-mainstream-3">Der mangelhafte Mainstream</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bibelstudent muss keinen Cent ausgeben, um Zugriff auf die besten Bibelübersetzungen in allen Sprachen zu haben (mehr dazu in <a href="https://joelbarthel.de/welche-bibeluebersetzung-ist-die-beste/">meinem letzten Artikel</a>). Bibel<em>lexika</em> haben jedoch ein großes&nbsp;Problem im digitalen Zeitalter: Alles, was kostenlos online zur Verfügung steht, ist alt – so alt, dass es sich bereits in der Public Domain befindet, die diese Ressourcen kostenfrei macht. Diese sieht vor, dass der Autor eines Werkes seit mindestens 70 Jahren verstorben ist. Die Folge: Die meisten von uns nutzen Wörterbücher aus dem 19. Jahrhundert!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für keine tote Sprache ist dies ein größeres Problem als für Koine-Griechisch, die Sprache des Neuen Testaments: Diese Lexika sind entstanden, bevor die meisten antiken Handschriften in ebendieser Sprache ausgegraben und erforscht worden sind, zu denen wir heute Zugang haben und die uns massiv hilfreiche Infos dazu liefern, was Wörter bedeuten und wie sie in welchen Zusammenhängen genutzt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das meistbenutzte Wörterbuch ist zweifellos das Strong’s. Der Grund ist simpel: Die Strong<em>-Konkordanz&nbsp;</em>ist ein hilfreiches, bis heute standardmäßig genutztes System zur Kategorisierung der griechischen Vokabeln. Das dazugehörige Wörterbuch, das sich auf einfache Definitionen begrenzt, wird von Plattformen wie BlueLetterBible, Bible Hub oder der YouVersion-Bibel-App mitgegeben. Dieses Wörterbuch wurde 1890 veröffentlicht.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die berühmten Alternativen heißen Thayer’s Greek Lexicon (1889), Brown-Driver-Briggs für Hebräisch/Aramäisch (1906) und Vine’s Expository Dictionary (1939-1940). All diese Optionen finden wir auf BlueLetterBible – und nichts aktuelleres. Macht es das zu einer schlechten Plattform? Auf keinen Fall; sie ist kostenlos und ihre Entwickler können somit einfach keine besseren, aktuellen Ressourcen zur Verfügung stellen. Es liegt am Bibelstudenten, zu wissen, wie er damit umgeht. Genau dafür ist dieser Beitrag da.</p>


  
  
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<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-die-geschichte-der-lexika-9">Die Geschichte der Lexika</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im frühen 16. Jahrhundert wurde das erste Bibellexikon, die <em>Complutensische Polyglotte</em>, veröffentlicht, bestehend aus sagenhaften 75 Seiten von Wörtern mit ihren lateinischen Äquivalenten. Im Mittelalter war das Lernen der griechischen Sprache kein akademischer Standard. Die Bibel wurde in ihrer lateinischen Übersetzung studiert; das Gleiche galt für griechische Philosophie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1868 gab es den ersten signifikanten Sprung, als&nbsp;Carl Ludwig Wilibald Grimm das 1839 erschienene Lexikon von Christian Gottlob Wilke überarbeitete. Dieses Lexikon war es, das Joseph H. Thayer als deutsche Grundlage nutzte, um 1886 sein englisches Lexikon zu veröffentlichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die neutestamentliche Lexikographie des 19. Jahrhunderts war von einem gutgemeinten Irrglauben geprägt, das Neue Testament sei in einem „Heiliger-Geist-Griechisch“ geschrieben worden. Der Theologe Hermann Cremer etwa schrieb 1866 als Vorwort zu seinem Lexikon:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Man kann in der That mit gutem Fug von einer <strong>Sprache des Heiligen Geistes </strong>reden. Denn es liegt in der Bibel offen vor unsem Augen, wie der in der Offenbarung wirksame göttliche Geist jedesmal aus der Sprache desjenigen Volkskreises, welcher den Schauplatz jener ausmacht, sich eine ganz eigentümliche religiöse Mundart gebildet hat, indem er die sprachlichen Elemente, die er vorfand, ebenso wie die schon vorhandenen Begriffe zu einer ihm eigentümlich angemessenen Gestalt umformte.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thayer, dessen Lexikon 1886 erschien, stimmte diesem Gedanken zu. Er listete etwa 300 Wörter auf, die nur in der Bibel und nirgendwo sonst in der antiken Literatur auffindbar waren. Dies ist nicht korrekt – besser hätte er dies zu seiner Zeit allerdings auch nicht wissen können. Erst kurze Zeit später nämlich, in den 1890ern, entdeckte man antike Manuskripte, die die Möglichkeiten der Lexikographie massiv verbesserten. Was deutlich wurde: Das Neue Testament wurde in einem ganz alltäglichen, für die Masse verständlichen Griechisch geschrieben. Rodney J. Decker kommentiert zurecht: „<em>Es ist bedauerlich, dass seine (Thayers) umfangreichen Bemühungen so schnell hinfällig wurden.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thayer war zudem Unitarier. Das ist in sich für eine wissenschaftliche Arbeit kein Problem; leider sind seine Definitionen zum Teil sichtbar davon geprägt, dass er die Dreieinigkeit nicht für biblisch hielt. Bereits in seinem Vorwort gibt er diesen Einfluss bekannt, sein Wörterbuch sei explizit ein <em>theologisches</em>. Geprägt sind hierdurch elementare Einträge wie&nbsp;υἱός (Sohn) oder&nbsp;θεός (Gott). Bei&nbsp;πνεῦμα (Geist) heißt es im Lexikon grundsätzlich „It“ und nicht „He“, sodass die Identifikation mit Gott nicht besteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1910 veröffentlichte Erwin Preuschen das erste Lexikon, das das neue Wissen aus den ersten der vielen noch zu erforschenden Manuskripte (ein Prozess, der noch heute währt) inkludierte. 1928 war es aber, als Walter Bauer auf Preuschens Werk aufbaute. 1952 veröffentlichte er seine vierte Edition. 1957 wurde diese von William F. Arndt und F. Wilbur Gingrich ins Englische übersetzt und überarbeitet, woraus die <strong>BAG</strong> entstand. 1958 erschien Bauers fünfte und letzte Edition, mit viel neuen Informationen, die eine neue englische Revision veranlassten, die 1979 erschien: Das <strong>BAGD</strong> (Bauer Arndt Gingrich Danker). Dieses massive Lexikon übertraf Bauers Werk inhaltlich noch einmal deutlich, und nutzte neue Informationen aus Manuskripten. 2000 erschien dann das <strong>BDAG</strong>, woran allein F. William Danker arbeitete, da Arndt und Gingrich bereits verstorben waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das 2000 erschienene BDAG ist also das aktuellste Standard-Lexikon, das wir heute besitzen. Kein deutsches Lexikon kommt diesem im Umfang nur ansatzweise nahe – genau genommen hinkt es schon 68 Jahre hinterher, da nach Bauer kein deutschsprachiger Theologe dasselbe Unterfangen wagte wie er.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-kurzer-uberblick-uber-lexika-18">Kurzer Überblick über Lexika</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um es zu vereinfachen, hier eine Liste der wichtigsten und/oder bekanntesten Lexika und ihre Einordnung:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Das <strong>BDAG </strong>(2000)&nbsp;ist der unbestrittene, objektivste König unter den Bibelwörterbüchern. Wer alle Definitionen zu einem Wort erhalten möchte, mit einer ausschöpfenden Auflistung <em>aller</em>&nbsp;Vorkommnisse mit der jeweiligen Bedeutung (hier kommt der Lexikograph nicht um eine gewisse Wertung herum!), wird nichts annähernd so Zuverlässiges finden. Nicht nur das Neue Testament, sondern auch die Septuaginta (also das griechische Alte Testament) und eine massive Datenbank an frühkirchlichen und antiken weltlichen Schriften sind hier mit eingeschlossen, was das Studium eines Wortes in scheinbar unendlicher Tiefe ermöglicht.</li>



<li>Die <strong>Strongs-Konkordanz </strong>(1890) ist zweifellos das meistbenutzte „Wörterbuch“, aber eigentlich kein Lexikon und längst veraltet und unzuverlässig.</li>



<li>Das <strong>Thayer-Lexikon&nbsp;</strong>(1889) ist veraltet und stark theologisch mitunter durch den Unitarismus geprägt.</li>



<li><strong>Abbott-Smith</strong> (1937) ist veraltet.</li>



<li><strong>Vine’s&nbsp;Expository Dictionary</strong>&nbsp;(1996) ⁠ist oft auf Etymologie fokussiert und liegt oftmals nachweisbar falsch.</li>



<li><strong>Louw and Nida</strong> &nbsp;(1989) ist deutlich aktueller als die meisten Optionen, dient aber einem anderen Zweck (semantische Gruppierung der Wörter).</li>



<li><strong>Liddell and Scott/LSJ&nbsp;</strong>(1996) ist ein akademisch respektiertes Lexikon, aber kein <em>Bibellexikon</em>, sondern fokussiert auf Altgriechisch – wodurch dennoch die LXX und das NT eingeschlossen sind.</li>



<li><strong>Newman’s Dictionary </strong>(2010) ist aktuell, aber nur für Anfänger gedacht und bietet lediglich einfache Übersetzungen, keine detaillierten Definitionen (weshalb es ein Wörterbuch und kein Lexikon ist).</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Rodney Decker fasst zusammen: „<em>Kauf dir BDAG (falls nötig, verkaufe dein Auto!) und lerne, es zu nutzen. Du wirst deinen Kauf nicht bereuen.</em>“ (Ins Deutsche übersetzt). </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1042" height="1000" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:auto/h:auto/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-4.png" alt="" class="wp-image-1217" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1042/h:1000/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-4.png 1042w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:288/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-4.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:983/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-4.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:737/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-4.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1042/h:1000/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-4.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Auszug aus dem BDAG-Lexikon.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Für eine ausführliche Anleitung zur Nutzung des BDAG ist&nbsp;<a href="https://www.logos.com/grow/wp-content/uploads/2023/03/DeckerRodneyAnIntroductionToBDAG.pdf" target="_blank" rel="noopener">diese PDF</a>&nbsp;von Rodney J. Decker, aus der ich viele Informationen für diesen Beitrag entnommen habe, Gold wert.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-theologische-lexika-32">Theologische Lexika</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich zu regulären Lexika gibt es noch sog. <em>theologische</em> Lexika. Diese Werke geben nicht bloß die Definition wieder, sondern erklären, wie ein Wort seitens der verschiedenen Autoren verwendet wird, statt nur eine möglichst genaue kompakte Definition zu liefern. Die Einträge ähneln eher Aufsätzen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Standard in diesem Fall ist das <em>New International Dictionary of New Testament Theology and Exegesis</em> (NIDNTTE) von Moisés Silva. Über Bibelsoftware beläuft sich der Preis auf&nbsp;$250 (~220€), eine Investition, die nur teuer erscheint, wenn man noch nicht weiß, wie massiv und ausschöpfend dieses 5-teilige Werk ist. Wie wir sehen, ist das Veröffentlichen signifikanter neuer Lexika kein häufiges Ereignis in der Geschichte. Da das NIDNTTE 2014 veröffentlicht wurde, wird es sicher noch mindestens die nächsten zwei Jahrzehnte das Standardwerk in diesem Umfang bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Kommentaren ist das NIDNTTE mein meistgelesenes Referenzwerk, wenn ich ein Buch studiere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier bspw. ein Auszug aus dem Eintrag für&nbsp;<strong>γενεά</strong>:</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1000" height="1061" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:auto/h:auto/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-5.png" alt="" class="wp-image-1218" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1000/h:1061/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-5.png 1000w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:283/h:300/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-5.png 283w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:965/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-5.png 965w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:815/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-5.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1000/h:1061/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-5.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wie man sieht, ist es hier unmöglich, den gesamten Eintrag auf einem Screenshot einzufangen. Es ist aber genug, um einen guten Eindruck zu geben, was das Lexikon bietet.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="548" height="278" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:auto/h:auto/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-1.png" alt="" class="wp-image-1214" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:548/h:278/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-1.png 548w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:152/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-1.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:548/h:278/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-1.png 2x" sizes="(max-width: 548px) 100vw, 548px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wie wir hier sehen, wird&nbsp;γενεά⁠ mitsamt seinen semantisch verwandten Wörtern gelistet; der Eintrag umfasst in diesem Fall also alle fünf relevanten Vokabeln. Daneben erhalten wir jeweils eine schnelle Übersicht der möglichen direkten Übersetzungen des Wortes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter unten sehen wir, unter welchen Konzepten das Wort im Inhaltsverzeichnis gelistet ist. Wenn ich z. B. auf&nbsp;<em>Family</em> klicke, sehe ich alle in diese Kategorie passenden Wörter, z. B. <em>Vater</em>, <em>Schwester</em>, <em>Bruder</em>, <em>Nachkomme</em>, <em>Erstgeborener</em>, etc.:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="968" height="1024" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:968/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png" alt="" class="wp-image-1216" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:968/h:1024/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png 968w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:284/h:300/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png 284w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:812/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1020/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png 1452w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1021/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1020/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png 1728w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1020/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-3.png 2x" sizes="(max-width: 968px) 100vw, 968px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück zum Eintrag für&nbsp;γενεά: Sofern zutreffend, gibt es jeweils einen Eintrag für <em>Klassische Griechische Literatur</em>&nbsp;bzw. „General Literature“ (<strong>GL</strong>), <em>Jüdische Literatur</em> (<strong>JL</strong>) und <em>Neues Testament </em>(<strong>NT</strong>):</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1684" height="620" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:auto/h:auto/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png" alt="" class="wp-image-1215" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1684/h:620/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png 1684w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:110/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:377/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:283/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1536/h:566/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png 1536w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1320/h:486/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1684/h:620/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2026/03/image-2.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>GL</strong>&nbsp;umfasst die Nutzung eines Wortes in der vorklassischen Zeit bis zum endgültigen Ende des römischen Zeitalters, also etwa 800 v. Chr. bis 600 n. Chr. Darin eingeschlossen sind bspw. häufig die berühmten Werke von Homer. Das Wissen aus dem LSJ-Lexikon, das ich weiter oben mit aufgezählt habe, wird hier oft angezapft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wichtig ist diese Kategorie häufig, um den kulturellen griechisch-römischen Kontext, in dem die Autoren des Neuen Testaments gelebt haben, besser zu verstehen. Es gibt zahlreiche Beispiele, in denen Jesus, Paulus oder Johannes Wörter radikal neu definieren – aber gerade diese Radikalität erst ersichtlich ist, wenn man versteht, wie sie im weltlichen Kontext verstanden wurden . Ein perfektes Beispiel dafür ist φιλοξενία (Gastfreundschaft), wozu ich bereits <a href="https://joelbarthel.de/der-radikale-ruf-zur-gastfreundschaft/">einen Beitrag</a> geschrieben habe – dieser wäre ohne die Hilfe von NIDNTTE nicht annähernd so ausführlich geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>JL</strong> umfasst die LXX (Septuaginta), also das griechische Alte Testament, aus dem die Autoren des Neuen Testaments oft zitieren, und einige rabbinische Quellen, Historiker wie Josephus und z. B. die Qumran-Schriften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der LXX werden hilfreicherweise auch die hebräischen und aramäischen Äquivalente berücksichtigt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>NT</strong> umfasst ganz simpel das Neue Testament. Dies ist logischerweise meist der ausführlichste Teil, mit vielen verschiedenen Ober- und Unterdefinitionen von Wörtern. Das BDAG dient hier neben Louw and Nida als zentrale Informationsquelle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da wir von theologischen Lexika sprechen, kann ich das simplere, aber durchaus hilfreiche&nbsp;<em>New Dictionary of Biblical Theology</em> (NDBT) aus dem Jahre 2000 nicht unerwähnt lassen, das aber eher durch <em>Konzepte</em>&nbsp;führt und darin viele Vokabeln sammelt als dass man es ein Lexikon nennen könnte.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-fazit-51">Fazit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wer Predigten, Hauskreise oder theologische Beiträge in irgendeiner Form vorbereitet, kommt für maximale Zuversicht nicht um das BDAG-Lexikon herum. Auch wer Kommentare liest, wird feststellen, dass kein Autor der letzten Jahrzehnte auf irgendetwas anderes setzt als BDAG oder eine der früheren Editionen, wenn der Kommentar vor der Jahrtausendwende erschienen ist. Das genauso unbestrittene hebräisch-aramäische Äquivalent für das Alte Testament ist <em>Hebrew and Aramaic Lexicon of the Old Testament</em> (HALOT). Zur Veröffentlichung dieses Beitrags sind beide <a href="https://www.accordancebible.com/product/bdag-and-halot-add-on/" target="_blank" rel="noopener">als Paket</a> für 179$ (~155€) auf Accordance, meiner bevorzugten Bibelsoftware (mehr dazu in einem folgenden Beitrag), im Angebot (regulär sind es 239$). Es gibt hier keine nennenswerte Konkurrenz; wenn auch das Nutzen des BDAG einen beliebig tiefen Umfang erreichen kann, so ist es genauso in der simpelsten Form nutzbar, also lediglich die einzelnen Definitionen eines Wortes zu betrachten, ohne sich mit den Quellen und tiefergehenden Erläuterungen darin zu beschäftigen, wodurch simplere Alternativen wie das ansonsten gute Newman’s Dictionary hinfällig werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das NIDNTTE ist ein Zusatz (kein <em>Er</em>satz) für alle, die neben einem Lexikon auch noch tiefgreifenden Kommentar haben möchten. Dieses Werk ist <em>massiv </em>und es gibt hier nichts Vergleichbares. Aufgrund der starken Nutzung des BDAG, den zusätzlichen Informationen, die es enthält und der übersichtlichen Darstellung, nutze ich dieses häufiger als das BDAG selbst. Das hebräisch-aramäische Äquivalent, ebenfalls von Zondervan herausgegeben, ist das New International <em>Dictionary of Old Testament Theology and Exegesis</em> (NIDOTTE) aus 1997.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-weiterfuhrende-ressourcen-54">Weiterführende Ressourcen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Der größte Teil der hier gegebenen Informationen stammen aus Rodney Deckers sehr ausführlicher Anleitung, die <a href="https://www.logos.com/grow/wp-content/uploads/2023/03/DeckerRodneyAnIntroductionToBDAG.pdf" target="_blank" rel="noopener">hier</a> als PDF verfügbar ist.</li>



<li>D. A. Carsons Buch <em>Exegetical Fallacies </em>(auf Dt.<em> Stolpersteine der Schriftauslegung</em>)&nbsp;geht durch eine große Liste an Fehlern, die man machen kann, wenn man Wörter studiert. Darunter zählt auch das Nutzen unzuverlässiger Wörterbücher, die Nutzung von Definitionen, die für die Zeit des Neuen Testaments keine Relevanz mehr haben und eine Fülle an Beispielen von falschen Wortauslegungen, die bis heute auf großen Bühnen wiederholt werden (wie „Agape ist die Gottesliebe“, „die <em>ekklesia</em> steht für Herausgerufene“ oder „<em>dynamis</em> bedeutet <em>explosive Kraft</em>, weil wir daher das Wort Dynamit haben“.</li>
</ul>
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		<title>Joah: Gott ist Bruder</title>
		<link>https://joelbarthel.de/joah-gott-ist-bruder/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mail@joelbarthel.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Oct 2025 20:14:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wortstudie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anlässlich der gestrigen Kindersegnung unseres kleinen Joah, hier die ungefähren Worte, die ich im Gottesdienst dazu geteilt habe. Ich erkläre, was meine Frau und mich dazu gebracht hat, uns für diesen Namen zu entscheiden. Die Bedeutung von Joah Zwei oder drei Jahre ist es her, dass unser Pastor Edmund den Sohn Gottes mit folgenden Worten [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Anlässlich der gestrigen Kindersegnung unseres kleinen Joah, hier die ungefähren Worte, die ich im Gottesdienst dazu geteilt habe. Ich erkläre, was meine Frau und mich dazu gebracht hat, uns für diesen Namen zu entscheiden.</p>



<div class="wp-block-aioseo-table-of-contents"><ul><li><a href="#aioseo-die-bedeutung-von-joah">Die Bedeutung von Joah</a><ul><li><a href="#aioseo-goel-der-leibliche-erloser">goel &#x2013;&#xA0;der leibliche Erl&#xF6;ser</a></li><li><a href="#aioseo-der-wahre-erloser-unser-grosser-bruder-im-himmel">Vom Schatten zur Realit&#xE4;t: Unser Gott ist wahrhaftig Bruder</a></li></ul></li></ul></div>



<h2 class="wp-block-heading" id="aioseo-die-bedeutung-von-joah">Die Bedeutung von Joah</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei oder drei Jahre ist es her, dass unser Pastor Edmund den Sohn Gottes mit folgenden Worten in seiner Predigt beschrieb: „Our big brother in Heaven“ (Unser großer Bruder im Himmel). Das störte mich! Ich verstand, dass Gott unser <em>Vater</em> ist. Jesus konnte ich problemlos als meinen <em>Herrn</em> bezeichnen. Ich verstand auch irgendwie, dass er unser Hoherpriester ist. Aber <em>Bruder</em>? Das ging mir in dem Moment zu weit&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Joah</strong> (wörtl. <strong>Jo</strong> = Kurzform von Jahweh + <strong>A(c)h</strong> = Bruder, also „Gott (ist) Bruder“) ist kein häufiger Name im Alten Testament; er wird vier Personen zugeschrieben, die eher unbedeutsam sind. Fakt ist allerdings: Israeliten haben entschieden, wie es in Gottes Wort aufgezeichnet ist, ihre Söhne „Gott ist Bruder“ zu nennen. Wie kam ein Israelit lange vor Christus auf diese Idee? Nur folgendermaßen halte ich es für schlüssig.</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-goel-der-leibliche-erloser"><em>goel</em> –&nbsp;der leibliche Erlöser</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Der sog. <em>goel</em> (wörtl. „Erlöser“ oder „Rächer“) war aus Sicht eines jeden Israeliten der nächststehende männliche Verwandte, der dazu verpflichtet war, <br><br><strong>a)</strong> sein Land zurückzukaufen, wenn er es aufgrund von Verarmung verkaufen musste,<br><strong>b)</strong> seine Frau zu heiraten, wenn sie zur Witwe wurde und ihr ggf. Nachkommen in seinem Namen zu ermöglichen und<br><strong>c) </strong>ihn von der Sklaverei freizukaufen, in die er sich aufgrund von Schulden verkaufen musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anhand des Gesetzes wird diese Rolle auch „Verwandter-Löser“ (im engl. <em>kinsman-redeemer</em>) genannt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em>Wenn dein Bruder verarmt und von seinem Eigentum verkauft, so soll sein Löser, sein nächster Verwandter, kommen und das Verkaufte seines Bruders lösen.</em></p>
<cite>– 3. Mose 25,25</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Der bekannteste wörtliche <em>goel</em> in der Bibel ist Boas, der das Land von Ruths verstorbenem Mann zurückkauft, da er sein nächster verfügbarer Blutsverwandter ist:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em><em>Und der Blutsverwandte sprach zu Boas: Kaufe für dich! Und er zog seinen Schuh aus. Da sprach Boas zu den Ältesten und zu allem Volk: Ihr seid heute Zeugen, dass ich aus der Hand Noomis alles gekauft habe, was Elimelech, und alles, was Kiljon und Machlon gehörte; und auch Ruth, die Moabiterin, die Frau Machlons, habe ich mir zur Frau gekauft, um den Namen des Verstorbenen auf seinem Erbteil zu erwecken, damit nicht der Name des Verstorbenen ausgerottet werde unter seinen Brüdern und aus dem Tor seines Ortes. Ihr seid heute Zeugen!</em></em></p>
<cite>– Ruth 4,8-10</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin überzeugt, dass es diese Rolle des Erlösers war, auf die sich ein Israelit in Hinblick auf Gott stützte, wenn er seinen Sohn <em>Joah</em> nannte. Sie drückten damit sozusagen aus: <em>Gott ist (metaphorisch betrachtet) unser Bruder, der uns erlöst. </em></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-der-wahre-erloser-unser-grosser-bruder-im-himmel">Vom Schatten zur Realität: Unser Gott ist wahrhaftig Bruder</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Durch das Studium dieses Namens wurde mir aus einer neuen Dimension bewusst: Der Sohn Gottes <em>musste</em> Mensch werden! Nur so konnte er im wahrsten Sinne des Wortes als unser <em>goel</em> eintreten:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em><em>als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, damit er die, <small>die</small> unter Gesetz <small>waren</small>, <strong>loskaufte</strong>, damit wir die Sohnschaft empfingen. Also bist du nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, <small>so</small> auch Erbe durch Gott.</em></em></p>
<cite>– Galater 4,4-5, 7</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Was für ein Privileg. Und was für ein Gott, zu dem wir <em>Abba, Vater</em> rufen dürfen (Galater 4,6) – dessen Sohn sich unser Bruder nennt.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em><em>Denn welche er zuvorerkannt hat, die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig <small>zu sein</small>, damit er <small>der</small> Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.</em></em></p>
<cite>– Römer 8,29</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Da haben wir es. Christus ist wahrhaftig unser großer Bruder im Himmel – der Erstgeborene unter vielen! Und er erlöst – kein Land, keine physische Freiheit – sondern <em>seelische</em> Freiheit. Er befreit uns von den Ketten der Sünde. Wir können zusammen mit Hiob rufen: <em>Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Gebet ist es, dass Joahs Name eines Tages Realität wird; dass unser gemeinsamer Vater ihn zu sich zieht, und Jesus, unser treuer, großer Bruder, ihn aus der Sklaverei der Sünde erlöst. Dass wir ihn eines Tages nicht nur unseren Sohn, sondern, viel wichtiger, unseren Bruder nennen dürfen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em><em><em>Denn es geziemte ihm, um dessentwillen alle <small>Dinge</small> und durch den alle <small>Dinge</small> sind, indem er viele Söhne zur Herrlichkeit brachte, den Urheber ihrer Errettung durch Leiden vollkommen zu machen. 11 Denn sowohl der, der heiligt, als auch die, die geheiligt werden, <small>sind</small> alle von einem; um welcher Ursache willen <strong>er sich nicht schämt, sie Brüder zu nennen</strong>, 12 indem er spricht: „Ich will deinen Namen meinen Brüdern kundtun; inmitten <small>der</small> Versammlung will ich dir lobsingen.“ 13 Und wiederum: „Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen.“ Und wiederum: „Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat.“ 17 Daher musste er in allem den Brüdern gleichwerden, damit er in den <small>Sachen</small> mit Gott ein barmherziger und treuer Hoherpriester werde, um die Sünden des Volkes zu sühnen;</em></em></em></p>
<cite>– Hebräer 2,10-13, 17</cite></blockquote>
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		<title>Der radikale Ruf zur Gastfreundschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mail@joelbarthel.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Jul 2025 06:55:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Wortstudie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einer der Gründe, warum ich Griechisch lernen möchte, liegt im Wortschatz der Sprache. Manche Wörter finden in der eigenen Sprache keine würdige Übersetzung. Eines dieser Wörter, die ich entdecken durfte, ist φιλοξενία (philoxenía). Übersetzt wird dieses Wort als gastfreundlich (Schlachter) oder gastfrei (Elberfelder &#38; EsraBibel). Es besteht aus philo (Liebe oder Freund) und xenos (Fremder). [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-aioseo-table-of-contents"><ul><li><a href="#aioseo-wie-definiert-die-bibel-gastfreundschaft">Wie definiert die Bibel Gastfreundschaft?</a><ul><li><a href="#aioseo-wer-ist-ein-gast">Wer ist ein &#x201E;Gast&#x201C;?</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-xenia-gastfreundschaft-im-antiken-griechenland">Xenia &#x2013; Gastfreundschaft in der Antike</a><ul><li><a href="#aioseo-ein-vorbild-in-der-praxis-kein-vorbild-in-der-intention">Ein Vorbild in der Praxis, kein Vorbild in der Intention</a></li><li><a href="#aioseo-christus-ist-unser-vorbild">Christus ist unser Vorbild</a></li></ul></li><li><a href="#aioseo-eine-ermutigung-zum-dienst">Praktische Anwendung: Eine Ermutigung zum Dienst</a></li></ul></div>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der Gründe, warum ich Griechisch lernen möchte, liegt im Wortschatz der Sprache. Manche Wörter finden in der eigenen Sprache keine würdige Übersetzung. Eines dieser Wörter, die ich entdecken durfte, ist <strong>φιλοξενία</strong> (<em>philoxenía</em>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übersetzt wird dieses Wort als <em>gastfreundlich</em> (Schlachter) oder <em>gastfrei</em> (Elberfelder &amp; EsraBibel). Es besteht aus <strong>philo</strong> (<em>Liebe</em> oder <em>Freund</em>) und <strong>xenos</strong> (<em>Fremder</em>). Wenn man es wörtlich übersetzen möchte, heißt es etwa <em>fremdenfreundlich</em>. Der Eleganz halber werde ich im weiteren Verlauf dieses Beitrags jedoch auf <em>gastfreundlich</em> setzen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-wie-definiert-die-bibel-gastfreundschaft">Wie definiert die Bibel Gastfreundschaft?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Fünf mal finden wir dieses Wort im Neuen Testament – dreimal als Adjektiv und zweimal als Nomen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">[Röm 12,13] an den Bedürfnissen der Heiligen nehmt teil; nach <strong>φιλοξενίαν</strong> trachtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">[1. Tim 3,2] Der Aufseher nun muss untadelig sein, <small>der</small> Mann <em>einer</em> Frau, nüchtern, besonnen, bescheiden, <strong>φιλόξενον</strong>, lehrfähig;</p>



<p class="wp-block-paragraph">[Tit 1,8] sondern <strong>φιλόξενον</strong>, das Gute liebend, besonnen, gerecht, fromm, enthaltsam,</p>



<p class="wp-block-paragraph">[Heb 13,2] Die <strong>φιλοξενίας</strong> vergesst nicht, denn durch diese haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">[1. Pet 4,9] Seid <strong>φιλόξενοι</strong> gegeneinander ohne Murren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei klare Prinzipien werden aus diesen Versen ersichtlich:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Jeder Christ soll Geschwistern gegenüber <em>ohne Murren </em>gastfreundlich sein.</li>



<li>Wir sollen nach Gastfreundschaft <em>trachten</em>.</li>



<li>Gastfreundschaft ist eine hervorgehobene Qualifikation für Älteste.</li>



<li>Gastfreundschaft ist in erster Linie ein <em>Gebot</em>, keine individuelle <em>Gnadengabe</em>.</li>
</ol>



<p class="wp-block-paragraph">Schön und gut, aber: <br>Ab wann gelte ich als gastfreundlich? Und wem gegenüber soll ich gastfreundlich sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesen Fragen möchte ich auf den Grund gehen.</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-wer-ist-ein-gast">Wer ist ein „Gast“?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn das Wort im Griechischen wörtlich meint, wir sollen <em>fremdenliebend</em> sein, habe ich Gastfreundschaft bisher schlichtweg missverstanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es stellt sich zuerst die Frage, wieso uns der Heilige Geist ermahnt, <em>ohne Murren</em> gastfreundlich zu sein. Warum sollte ich murren, wenn uns meine lieben Geschwister zum Mittagessen besuchen und ich sowieso gerne Zeit mit ihnen verbringe? Soll ich den anschließenden Kaffee <em>ohne Murren </em>zubereiten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich denke, dass uns der biblische Befund ein klares Bild gibt: Die primären Empfänger unserer Gastfreundschaft sollen zwar unsere Geschwister sein („seid gastfreundlich <em>gegeneinander</em>“, „an den Bedürfnissen <em>der Heiligen</em> nehmt teil“), doch das Beispiel aus Hebräer 13,2 (&#8230; „durch diese haben einige <em>ohne ihr Wissen Engel beherbergt</em>“) geht auf Abraham und Lot in 1. Mose 18 und 19 zurück. Hier handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um fremde Männer, die mit einer Form der Gastfreundschaft begegnet wurden, die uns heute hierzulande völlig <em>fremd</em> ist:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em>Da eilte Abraham ins Zelt zu Sara und sprach: Nimm schnell drei Maß Feinmehl, knete und mache Kuchen! Und Abraham lief zu den Rindern und nahm ein Kalb, zart und gut, und gab es dem Knaben; und der beeilte sich, es zuzubereiten. Und er holte dicke und süße Milch und das Kalb, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor; und er stand vor ihnen unter dem Baum, und sie aßen.</em></p>
<cite>– 1. Mose 18,6-8</cite></blockquote>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="924" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:924/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image.png" alt="" class="wp-image-1076" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:924/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:271/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:693/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1196/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image.png 1200w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1196/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Abraham and the Three Angels</em> | Bartolomé Esteban Murillo, ca. 1670-1674</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Lot zeigt ähnliche Gastfreundschaft:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em>und er sprach: Ach siehe, meine Herren! Kehrt doch ein in das Haus eures Knechtes und übernachtet und wascht euch die Füße; und ihr macht euch früh auf und geht eures Weges. Aber sie sprachen: Nein, sondern wir wollen auf dem Platz übernachten. Und er drang sehr in sie; und sie kehrten bei ihm ein und kamen in sein Haus. Und er machte ihnen ein Mahl, und er backte ungesäuerte Kuchen, und sie aßen.</em></p>
<cite>– 1. Mose 19,2-3</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Als sich die grausame Schar von Männern vor Lots Haus versammelt, um seine Gäste zu vergewaltigen, macht dieser ein Angebot, das den modernen Leser erschüttert:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em>Sieh doch, ich habe zwei Töchter, die keinen Mann erkannt haben; lasst mich sie doch zu euch herausbringen, und tut ihnen, wie es gut ist in euren Augen. Nur diesen Männern tut nichts, da sie nun einmal unter den Schatten meines Daches gekommen sind.</em></p>
<cite>– 1. Mose 19,9</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Das mag uns extrem erscheinen, wie so vieles in biblischen Ereignissen. Aber wir sehen, wie heilig die Gastfreundschaft unter Hebräern war. Wie sah es bei den Griechen im 1. Jahrhundert aus?</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-xenia-gastfreundschaft-im-antiken-griechenland"><em>Xenia</em> – Gastfreundschaft in der Antike</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Um einen tieferen Einblick in die Bedeutung griechischer Begriffe zu bekommen, kann es hilfreich sein, den kulturellen Kontext zu verstehen, den die ursprünglichen Empfänger der neutestamentlichen Briefe hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im antiken Griechenland, und später Rom, herrschte das Prinzip der <em>theoxenia</em>. Ein Grieche lebte in der ständigen Erwartung, er könnte einen Gott (<em>theos</em>) empfangen, wenn er einen Fremden (<em>xenos</em>) aufnimmt. Ihr berühmtester Gott trug u. a. den Titel <em>Zeus Xenios</em>, da ihm die Rolle des Beschützers von Fremden und Reisenden zuteil wurde. Zugleich war Zeus ein Rächer derer, die ihre Gäste nicht ordnungsgemäß behandelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Ovids Werk <em>Metamorphosen</em> (1-8 n. Chr.) suchen Jupiter (Zeus) und Merkur (Hermes) in Menschengestalt erfolglos eine Herberge, bis das ärmliche Ehepaar Philemon und Baucis, ihre Identitäten nicht kennend, sie aufnimmt und mit allem bewirtet, was sie haben. Zur Belohnung wird ihre bescheidene Hütte in einen goldenen Tempel verwandelt, bevor die restliche Stadt aufgrund ihrer mangelnden Gastfreundschaft geflutet wird.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="844" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:844/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.png" alt="" class="wp-image-1078" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:844/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.png 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:247/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.png 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:633/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.png 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1310/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.png 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1310/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.png 1415w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1310/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.png 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Jupiter und Merkur bei Philemon und Baucis</em> | Peter Paul Rubens, ca. 1620-1625</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-left is-style-default wp-block-paragraph">Der Architekt Vitruvius <a href="https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=urn:cts:latinLit:phi1056.phi001.perseus-eng1:6.7.4" target="_blank" rel="noopener" title="schrieb etwa 25 v. Chr.">schrieb etwa 25 v. Chr.</a> in seinem Werk <em>De Architectura</em>:</p>



<p class="has-text-align-center is-style-default wp-block-paragraph">„&#8230;<em>Als die Griechen luxuriöser wurden und ihre Verhältnisse opulenter, begannen sie, Speisesäle, Kammern und Vorratsräume für ihre Gäste aus dem Ausland bereitzustellen, und am ersten Tag luden sie sie zum Abendessen ein, wobei sie ihnen am nächsten Hühner, Eier, Gemüse, Früchte und andere ländliche Erzeugnisse schickten</em>&#8230;“.</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-ein-vorbild-in-der-praxis-kein-vorbild-in-der-intention">Ein Vorbild in der Praxis, kein Vorbild in der Intention</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die alten Griechen, die zu Zeiten Jesu und Paulus lebten, waren also äußerst gastfreundliche Menschen. Sie nahmen Gäste auf, als wären sie Götter –&nbsp;Hebräer nahmen sie auf, als wären sie Engel (nach dem Vorbild Abrahams und Lots).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schön und gut&#8230; doch  warum müssen uns Paulus und Petrus dann noch ermahnen, gastfreundlich zu sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der kultivierte Grieche als Gastgeber dazu angehalten war, Fremde aufzunehmen, für Speis und Trank zu sorgen, ein Bad und einen Schlafplatz bereitzustellen und beim Abschied Geschenke mitzugeben (und all das, ohne erst den Namen oder die Herkunft zu erfragen), so war auch dem Gast selbst geboten, respektvoll zu sein, seine Bleibe nicht in die Länge zu ziehen, keine Last zu sein und, falls keine Geschenke, zumindest Dankbarkeit und gute Geschichten mitzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz entscheidend aber ist der Aspekt der gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit, die in <em>Xenia</em> steckt. Was hattest du als Grieche schon für eine Wahl, wenn du nicht dem Zorn des Zeus verfallen oder als Atheist (im griechischen Sinne) einen schlechten Stand haben wolltest? Oder als Jude, wenn du deinen Gott nicht verleugnen wolltest?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es muss also einen Grund geben, dass uns sowohl Paulus als auch Petrus zur Gastfreundschaft aufrufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den folgenden Abschnitten möchte ich versuchen, die Frage zu beantworten, wie wir diesem Gebot als Christen im 21. Jahrhundert folgen können.</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="aioseo-christus-ist-unser-vorbild">Christus ist unser Vorbild</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Als Christen ermahnt uns Petrus, <em>ohne Murren</em> Geschwister und Fremde in unsere Häuser aufzunehmen. Nur einen Vers vorher schreibt er:</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em>Vor allem habt untereinander eine inbrünstige Liebe, denn <small>die</small> Liebe bedeckt eine Menge von Sünden.</em></p>
<cite>– 1. Petrus 4,8</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Und diese Liebe finden wir allein in Christus. Er ist unser Vorbild. Ohne diese werden wir dieses Gebot der Gastfreundschaft nie mit dem Frieden erfüllen können, den Gott uns durch Seine Liebe geschenkt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jesus selbst erniedrigte sich unter die Engel, damit er uns diene, die wir einst Fremde waren. Und wenn wir auch nicht unerwartet Christus wörtlich empfangen mögen werden, wie die Jünger es in Emmaus taten (die weitaus glorreichere und <em>nicht</em> rein mythologische Gott-Mensch-Begegnung in der Gastfreundschaft), so können wir den Herrn doch ganz praktisch gastfreundlich empfangen: </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-left is-style-plain has-normal-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center has-normal-font-size wp-block-paragraph"><em>Wahrlich, ich sage euch, insofern ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan.</em></p>
<cite>– Matthäus 25,40b</cite></blockquote>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="926" src="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:926/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg" alt="" class="wp-image-1079" srcset="https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1024/h:926/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg 1024w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:300/h:271/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg 300w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:768/h:695/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg 768w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1194/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg 1536w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1193/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg 1320w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1194/h:1080/q:mauto/f:best/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg 1944w, https://mlh8eosmci7d.i.optimole.com/cb:4Wto.873/w:1194/h:1080/q:mauto/f:best/dpr:2/https://joelbarthel.de/wp-content/uploads/2025/07/The_Supper_at_Emmaus_by_Rembrandt.jpg 2x" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Das Abendmahl in Emmaus</em> | Rembrandt van Rijn, 1629</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading" id="aioseo-eine-ermutigung-zum-dienst">Praktische Anwendung: Eine Ermutigung zum Dienst</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, wir grenzen <em>Dienst</em> manchmal zu sehr auf den unmittelbaren Kontext des Sonntagsgottesdienstes ein: Lobpreisdienst, Kindergottesdienst, Putzdienst, Kaffeedienst&#8230; in der Gastfreundschaft finden wir einen Dienst, den wir uneingeschränkt jeden Tag in der Woche ausüben können –&nbsp;sowohl aktiv als auch passiv – und der explizit biblisch geboten wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Frage nun also zu beantworten, <em>wie</em> wir dieses Gebot im 21. Jahrhundert praktisch erfüllen können, hier ganz konkrete Ansätze:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Mach aus dem allzuoft nicht ernstzunehmenden „Lass uns mal wieder treffen“ ein „Wann hast du diese Woche Zeit, zum Abendessen zu kommen?“ Paulus sagt: <em>Trachte</em> nach Gastfreundschaft! Das Gebot ist aktiv. Das Verb steht normalerweise für <em>verfolgen </em>oder <em>nachjagen</em>.</li>



<li class="has-normal-font-size">Sorge immer dafür, dass du spontan Besuch empfangen kannst.<br>-&gt; Wenn du Ehefrau bist, beachte das in Titus 2,5 implizierte Gebot, <em>Hausfrau</em> (EsraBibel), <em>mit häuslichen Arbeiten beschäftigt</em> (CSV) zu sein.</li>



<li>Hebe die beste Speise (und den besten Kaffee!) für deine Gäste auf.</li>



<li>Bestelle keine Pizza, sondern koche!</li>



<li>Frage dich bei der Wahl oder Einrichtung deines Hauses oder deiner Wohnung: Wie kann ich hier Gästen dienen? Selbst die Griechen haben das getan – wieso dann nicht erst recht wir?</li>



<li>Priorisiere dein Leben so, dass du allzeit bereit bist, alles hinzuschmeißen, um Gäste zu empfangen. Nimm besonders deine Geschwister so auf, als wäre es Jesus selbst sein, der an deiner Tür klingelt.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz persönlich haben mich die Erkenntnisse dieser Wortstudie dazu gebracht, dass ich gemeinsam mit Xhesika entschieden habe, dass wir unsere Finanzen in diese Richtung lenken wollen. Vor einiger Zeit beschäftigte ich mit mit Aktien und ETFs; es ist lukrativ, sein ganzes Geld zu investieren und in allen Lebensbereichen zu sparen, um sich damit ein Vermögen aufzubauen. Als mein Vater mich dann fragte, ob ich wolle, dass unser kleiner Joah bis ins Erwachsenenalter in der günstigstmöglichen Wohnung aufwächst, wurde mir klar: Ich priorisiere nicht biblisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So ist auch meine Ermutigung an dich, lieber Leser, dir diese Frage zu stellen: Priorisierst du deine Zeit und deine Ressourcen biblisch? Mein Gebet ist es, dass dieser Beitrag die Bibelworte zur Gastfreundschaft in dir vertieft und dich genauso berührt, wie sie mich berührt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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