In der deutschen Sprache sind zurzeit etwa 75 Bibelübersetzungen erhältlich (wycliffe.ch). Im Englischen sind wir laut den meisten Angaben schon bei etwa 900. Wer soll da durchblicken?
Diese Zahlen mögen groß klingen, doch wenn wir von ernsthaftem Bibelstudium sprechen, wird die Zahl der relevanten Übersetzungen schon deutlich kleiner. Es folgt ein kleiner Überblick über die Übersetzungen, die ich für deutschsprachige Studenten des Wortes empfehlen kann und welche nicht.
Inhaltsverzeichnis
Die 75 deutschen Bibeln
Wenn wir uns die Liste dieser 75 deutschen Bibeln ansehen, die aktuell erhältlich sind, stellen wir fest, dass viele davon entweder Septuaginta-Übersetzungen (also Übersetzungen der griechischen Übersetzung des hebräischen Alten Testaments), verschiedene Editionen derselben Übersetzung (z. B. Elberfelder 1905, Elberfelder 2006, Elberfelder Edition CSV Hückeswagen…), Kinderbibeln, Interlinearübersetzungen, Sektenbibeln (Neue Welt Übersetzung der Zeugen Jehovas, anthroposophische Bibeln), sowie offensichtliche Nicht-Übersetzungen wie die Volxbibel („Jesus ist besser als McDonald’s“) und stark ideologische Werke wie die „Bibel in gerechter Sprache“ sind.
Wenn ich die Liste anhand dieser Ausschlusskriterien reduziere, dann komme ich auf 16 Bibeln und habe somit eine deutlich übersichtlichere Liste, die wir für diese Analyse betrachten und vergleichen können:
Vollbibeln
- Elberfelder CSV Hückeswagen Edition
- Schlachter 2000
- BasisBibel
- Bruns-Bibel
- Einheitsübersetzung 2016
- Gute Nachricht Bibel
- Herder-Bibel
- Hoffnung für Alle (HfA)
- Luther21
- Menge-Bibel
- NeÜ – Neue evangelistische Übersetzung
- Neues Leben Bibel
- Zürcher Bibel
Teilbibeln
- NGÜ – Neue Genfer Übersetzung
- Jörg Zink (Neues Testament und Altes Testament in Auswahl)
- Das Buch (Roland Werner)
Die Liste ist hiermit nicht ausschöpfend. Es gibt historische Übersetzungen, die heute kaum noch in Gebrauch sind. Wenn du als Leser eine kennst, die ich übersehen habe, aber fürs Bibelstudium deiner Meinung nach unabdingbar ist, bin ich für einen Hinweis sehr dankbar!
Dr. Benedikt Peters arbeitet momentan in Kooperation mit dem EBTC und der CLV an einer sog. Arbeitsbibel mit dem Namen EsraBibel. Diese betrachte ich hier noch nicht, da bisher weder das Neue noch das Alte Testament vollständig veröffentlicht worden sind. Diese Bibel wird aber zweifellos ganz weit oben in die Kategorie der wörtlichen Bibeln fallen.
Im nächsten Schritt unterteile ich diese 16 Bibeln in drei Kategorien, wobei die letzten beiden Kategorien etwas schwieriger zu trennen und somit etwas subjektiv sind:
Wort für Wort
Diese Bibeln zeichnen sich durch eine besonders wörtliche Übersetzung aus.
- Elberfelder CSV Hückeswagen Edition
- Schlachter 2000
- Luther21
- Menge 2020
- Zürcher Bibel
Funktionale Äquivalenz
Die Übersetzer nehmen sich zum Ziel, den Sinn des Textes möglichst nah am zeitgenössischen Verständnis mit modernem Vokabular wiederzugeben.
- NeÜ – Neue evangelistische Übersetzung
- NGÜ – Neue Genfer Übersetzung
- Einheitsübersetzung 2016
- Herder-Bibel
- Das Buch (Roland Werner)
Paraphrase / Freie Übersetzung
Diese Bibeln modernisieren nicht nur den Sinn, sondern nehmen oftmals jeglichen Raum weg, den Text zu interpretieren, indem sie ihre Interpretation bereits in die Übersetzung einbrennen. Hierzu passen:
- Hoffnung für Alle (HfA)
- Neues Leben Bibel (NLB)
- Gute Nachricht Bibel (GNB)
- BasisBibel
- Bruns-Bibel
- Jörg Zink (Neues Testament und Altes Testament in Auswahl)
Was ist besser?
Wort-für-Wort-Übersetzungen bieten grundsätzlich den Vorteil, dass die Übersetzer so präzise wie möglich versuchen, den ursprünglichen Wortlaut der Bibelautoren in dem uns verfügbaren Vokabular wiederzugeben. Redewendungen werden oft nicht übertragen, sondern wörtlich übersetzt. Obwohl klar ist, dass die Anrede „Brüder“ in der Regel auch Schwestern beinhaltet, bevorzugen diese Übersetzungen die wörtliche Wiedergabe. So bleibt es dem Studenten (oder der Studentin) überlassen, zu wissen, dass Paulus die Schwestern in der Gemeinde nicht ausschließt, wenn er sie kollektiv ermahnt oder ermutigt.
Die funktionale Äquivalenz beschreibt wiederum eine Übersetzungsweise, die nicht unbedingt interpretiert, aber den klaren Sinn des Ursprungstextes in heute verständlichen Worten wiedergibt. Ein Schlüsselgedanke hierbei ist: „Wenn Jesus/Paulus/Johannes zweitausend Jahre später im heutigen Deutsch gesprochen hätte, welche Worte hätte er höchstwahrscheinlich genutzt, um genau dieselbe Aussage zu tätigen?“
Ein gutes Beispiel für den Unterschied zwischen wörtlicher Wiedergabe und funktionaler Äquivalenz ist Lukas 9,44a:
Wörtlich
Laßt diese Worte in eure Ohren dringen: (Schlachter 2000)
Fasst ihr diese Worte in eure Ohren! (CSV)
Funktional
NeÜ: Merkt euch gut, was ich jetzt sage: (NeÜ)
Die Vor- und Nachteile sind simpel erklärt: Wer kein Griechisch kann, wird in einer wörtlichen Übersetzung oft gut erfassen, was der griechische Text sagt, ohne die Sprache lernen zu müssen. Andererseits bietet die funktionale Übersetzung theoretisch den Vorteil, den Sinn des griechischen Texts wiederzugeben, ohne die Sprache lernen zu müssen. Dies setzt eine hohe Qualität dieser Wiedergabe sowie ein gutes entsprechendes Verständnis des Übersetzers voraus, führt aber selbst im besten Fall stellenweise zu Limitierungen.
Eine dieser Limitierungen ist der Verlust von sprachlichen Mitteln, z. B. der Doppeldeutigkeit, die gerade Paulus so auszeichnet. Während die wörtlichen Übersetzungen konsistent sarx mit Fleisch übersetzen, so werden wir in einer etwas freieren Übersetzung wie der NeÜ deutende Übersetzungen wiederfinden (die durchaus ihrem jeweiligen Sinn entsprechen): Körper, menschliche Natur, selbstsüchtige Maßstäbe… dies hilft den unerfahrenen Leser, nicht das moderne Verständnis des physischen Fleisches in jeden einzelnen Fall hineinzulesen. Gleichzeitig wird er schnell an seine Grenzen kommen, die Bibel und die Sprache der jeweiligen Autoren wirklich zu studieren.
Eine Paraphrase / freie Übersetzung hat wiederum ein ganz anderes Problem. Während man sich etwa bei der NeÜ bemüht, den Sinn irgendwie wiederzugeben (was auch hier nicht immer klappt!), scheitern freie Übersetzungen wie die HfA (Hoffnung für Alle) nicht selten kläglich. Nehmen wir als Beispiel 1. Korinther 11,10:
CSV: Darum soll die Frau eine Macht auf dem Haupt haben um der Engel willen.
NeÜ: Deshalb soll die Frau ‹das Zeichen für› ihre Vollmacht über dem Kopf haben, wegen der Engel, ‹die darauf achten›.
HfA: Deshalb soll sie im Gottesdienst eine Kopfbedeckung tragen als Zeichen dafür, dass sie dem Mann untersteht. Auch wegen der Engel, die über Gottes Ordnungen wachen, sollte sie dies tun.
Während die NeÜ in Sprache und Satzbau eine gewisse Freiheit aufweist, bleibt der Sinn erhalten, ohne zu viel zu interpretieren. Die HfA allerdings nimmt das griechische Wort exousia (Vollmacht) gänzlich raus und nutzt das genaue Gegenteil – sie interpretiert, dass die Vollmacht, von der hier die Rede ist, die des Mannes ist. Unabhängig von der richtigen Auslegung (diese mag durchaus vertretbar sein), sollte hier klar sein, dass die HfA als Grundlage gänzlich unbrauchbar ist, um diese schwierige und kontroverse Passage zu diskutieren.
Für weitere Beispielpassagen, in denen Bibelübersetzung eine große Rolle spielt, empfehle ich dieses Video von Crosstalk sehr.
Lange Rede, kurzer Sinn
Um die Frage nun also zu beantworten, was besser ist, gefällt mir, was Mark on Words auf jedes Thumbnail seiner Bibelübersetzungs-Reviews schreibt: „For certain people in certain circumstances“ (für bestimmte Menschen zu bestimmten Umständen) sind viele Bibelübersetzungen als „die beste“ qualifiziert.

Der entscheidende Punkt ist: Wofür nutze ich eine Übersetzung? Wenn es die tägliche Lesung ist und ich durch große Abschnitte gehe, ohne mich zu vertiefen, so kann eine freiere Übersetzung genau das Richtige für mich sein. Da keine Übersetzung perfekt ist, ist es nicht möglich, hier eine Rangliste zu erstellen.
Die eigentliche Frage, die man sich also stellen sollte, ist: Wie gehe ich mit unperfekten Übersetzungen um? Die kurze und simple Antwort ist: Lerne die Sprachen. Werde selbst der Übersetzer der selben Texte, anhand derer die 75 anderen schon gearbeitet haben! Nur so wirst du wirklich Zuversicht haben, wo welche Übersetzung brilliert und wo sie Denkfehler aufweist. Noch besser: Du wirst völlig unabhängig von ihnen!
Für alle, die sich nicht berufen fühlen, die toten Sprachen der Bibel zu lernen: Eine wörtliche Übersetzung wie die CSV Hückeswagen oder die Stück für Stück erscheinende EsraBibel des EBTC wird immer das beste Werkzeug für ein tiefes Bibelstudium sein. Sobald du über die erste Phase des Bibelstudiums hinausgehst, also Lesen und grob verstehen, und einzelne Passagen, Verse oder Wörter analysieren möchtest, solltest du unbedingt auf eine wörtliche Übersetzung setzen.
Auch hier sollen die freieren Übersetzungen aber nicht ihren Platz verlieren: In unserem Hauskreis lesen wir zwar primär aus der CSV oder EsraBibel, aber jeder ist eingeladen, seine bevorzugte Bibel mitzubringen. Es kann uns dann helfen, Unterschiede festzustellen und anhand derer über die Bedeutung der Originalsprache zu gehen und zu verstehen, warum die Bibel an mancher Stelle gar nicht so leicht in einer anderen Sprache wiederzugeben ist.
Textgrundlagen – Vorsicht bei Schlachter & Luther21
Ein Punkt, den ich in dieser Betrachtung nicht unerwähnt lassen kann, ist: Auf welcher Textgrundlage basiert eine Übersetzung?
Wer sich nun fragt, was ich damit meine, da die Grundlage doch ganz klar der hebräische, aramäische und griechische Urtext des Alten und Neuen Testaments ist, muss wissen: Es gibt bis heute keine hundertprozentige Einigkeit darüber, was genau diesen Text ausmacht, und keinen zu erwartenden Zeitpunkt diesseits des Himmels, an dem sich das ändern wird. Damit meine ich nicht die Frage, welche Bücher zum biblischen Kanon gehören, sondern die wörtliche Wiedergabe dessen, was die ursprünglichen etwa 40 Autoren über 1.600 Jahre hinweg verfasst haben.
Über 500 Jahre ist es nun her, dass Luther das Neue Testament veröffentlichte. Sein Text basiert auf dem Novum Testamentum omne seines Zeitgenossen Erasmus – das erste vollständige griechische Neue Testament, nachdem über ein Jahrtausend lang die Latin Vulgate (die lateinische Bibelübersetzung, die lange der Standard der römisch-katholischen Kirche war) dominierte. Die Schlachter basiert ungefähr auf den nicht viel später entstandenen Textus Receptus, der große Ähnlichkeit aufweist.
Dies war mehrere Jahrhunderte bevor tausende antike Manuskripte des Neuen Testaments entdeckt wurden – ein währender Prozess, der weiterhin zur Aktualisierung feiner Nuancen und der Reevaluation dessen führt, was wir als inspirierte Schrift halten. Diese Nuancen sind nie bis sehr selten theologisch ausschlaggebend, aber der Unterschied zwischen der heutigen Textkritik, auf dessen Werk die meisten Übersetzungen sich stützen, und dem Textus Receptus, der nun Jahrhunderte zurückliegt, ist spürbar. Somit sind etwa die Neuen Testamente der Schlachter- und der Lutherübersetzung insgesamt etwa 2.500 Wörter länger als die der restlichen Übersetzungen.
Dass die Luther21 der reformatorischen Tradition ihres Namensgebers folgt, ist nicht verwunderlich, und wir können den Herausgebern kaum etwas vorwerfen. Warum die Genfer Bibelgesellschaft, die die Schlachter-2000-Bibel herausgibt, von Franz Eugen Schlachters ursprünglicher Entscheidung, der modernen textkritischen Grundlage zu folgen, abgewichen ist, bleibt mir ein Mysterium.
Hier sind zwei Beispiele, die theologisch signifikanten Einfluss haben und zeigen, dass Textgrundlage eine durchaus kritische Entscheidung ist:
Offenbarung 5,9-10
Man vergleiche einmal den Text der CSV (oder so gut wie jeder anderen Übersetzung) mit der Schlachter – ich markiere die entscheidenden Unterschiede:
CSV: Und sie singen ein neues Lied: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott erkauft, durch dein Blut, aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation, und hast sie unserem Gott zu einem Königtum und zu Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen!
Schlachter 2000: Und sie sangen ein neues Lied, indem sie sprachen: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast uns für Gott erkauft mit deinem Blut aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen, und hast uns zu Königen und Priestern gemacht für unseren Gott, und wir werden herrschen auf Erden.
Hierbei handelt es sich um eine der Schlüsselpassagen für den klassischen Dispensationalismus, der eine strenge Trennung zwischen Israel und der Gemeinde vorsieht. Prominente Vertreter wie Thomas Ice, Mark Hitchcock oder Tim LaHaye stützen sich heute noch darauf. Die wir, die erkauft wurden und zu Königen und Priestern gemacht worden sind, sollen für die entrückte Gemeinde stehen, während Israel sich in der Trübsal befindet. Für diese Auslegung ist zwingend eine Übersetzung erforderlich, die auf Jahrhunderte alte Texte zurückgeht. Es sei hinzuzufügen, dass es zu dieser Zeit für die Offenbarung nicht einmal vollständige Originalmanuskripte gab, anhand derer man überhaupt übersetzen konnte! Es ist ein aus Kommentaren zusammengepuzzelter Text und zeigt deshalb besonders viele Unterschiede zu modernen Bibeln auf. Wenn du dich nun als Gemeinde exklusiv durch den Schlachtertext arbeitest, stößt du immer wieder auf solch unzuverlässige Stellen, besonders in den letzten Kapiteln der Offenbarung.
1Joh 5,7-8 – Das Comma Johanneum
Auch wenn die Dreieinigkeit Gottes anderweitig klar in der Bibel identifizierbar ist, so ist dieser Text in der Schlachter-Bibel leider nicht zuverlässig, so eindeutig und schön er diese herrliche Lehre auch darlegen mag:
Schlachter 2000: Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins; und drei sind es, die Zeugnis ablegen auf der Erde: der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei stimmen überein.
CSV: Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen: der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei sind einstimmig.
Besondere Vorsicht ist also bei diesen Übersetzungen geboten. Wer sie fürs Bibelstudium oder zur Predigtvorbereitung nutzt, sollte sie immer mit einer textkritischen Übersetzung gegenprüfen. Alternativ kann man auch auf der Webseite KJV Parallel Bible schnell den Unterschied zwischen TR (Textus Receptus) und CT (dem Critical Text) sehen. Die Unterschiede sind über das NT hinweg tausendfach – es sei aber erwähnt, dass es sich i. d. R. nur um kleine Details handelt, die den Sinn des Textes nicht ändern.
Welche ist es nun?
Meine Antwort auf die Frage im Titel lautet deutlich, auch wenn sie etwas unbefriedigend sein mag: Es gibt keine beste Bibel. Es lohnt sich immer, bessere Übersetzungen zu vergleichen und sich nicht auf eine zu beschränken. Wenn es aber um die Frage geht, welche die Standardübersetzung sein sollte, auf die man für das Bibelstudium zurückgreift, dann habe ich eine klare Antwort: Die CSV-Bibel ist das Nächste, was wir in der deutschen Sprache an einer perfekten Übersetzung haben. Der Vergleich mit der „Konkurrenz“ macht dies deutlich:
Ich würde grundsätzlich die Finger von HfA und anderen besonders freien Übersetzungen lassen, die dem Leser jede Arbeit sparen, über Wortwahl, Satzbau, Redewendungen oder gar Bedeutung der Worte der ursprünglichen Autoren nachzudenken. Und auch wenn alles, was zur Kategorie der funktionalen Äquivalenz gehört, äußerst hilfreich zum Vergleichen sein kann, würde ich nie zu einer solchen Übersetzung als Standard raten, sobald man über das reine Lesen des Textes hinausgeht.
Meine größte Empfehlung innerhalb dieser Kategorie ist die NGÜ, da sie viele hilfreiche Fußnoten beifügt, um schnell am Urtext zu sein, wenn sie abweicht. Die NeÜ ist oft besonders eigen, aber flüssig lesbar. Die Einheitsübersetzung und die Herder-Bibel sind römische-katholische Veröffentlichungen und dadruch sichtbar geprägt (abgesehen von der Berücksichtigung der Apokryphen).
Bei den Wort-für-Wort-Übersetzungen wird es besonders übersichtlich:
Kopf an Kopf stehen oft die berühmten CSV und Schlachter 2000 – zumindest was die Präzision und Sprache angeht. Oben habe ich begründet, dass ich die Schlachterbibel aufgrund der lange veralteten Textgrundlage nur als Vergleichsbibel oder mit entsprechender Vorsicht im Studium empfehlen kann. Die CSV brilliert durch Präzision und wird immer wieder in feinsten Details angepasst. Die Online-Bibel der CSV beinhaltet die aktuellste Version. Der theologische Hintergrund der Übersetzer (Brüderbewegung) wird nirgendwo sichtbar, die Übersetzung ist spürbar objektiv – eine willkommene Nebenwirkung der hohen Präzision und Ehrfurcht vor Gottes Wort.
Die Luther21 leidet unter dem selben Problem wie die Schlachter 2000. Wer Luthers Sprache besonders schätzt, kann vielleicht noch auf die Lutherbibel 1984 zurückgreifen, die bereits auf dem kritischen Urtext basiert, allerdings nicht mehr den neuesten Stand dieser Textkritik widerspiegelt. An dieser Stelle kann ich die inszenierte, vollständige Größe Hörbibel empfehlen, die Xhes und ich dieses Jahr nutzen, um uns durch die Bibel zu hören. Sie basiert auf der Lutherbibel 1984.
Die Menge-Bibel ist nicht sonderlich bekannt, aber ebenfalls eine hervorragende Übersetzung. Hermann Menge war ein Altphilologe, der im letzten Jahrhundert lebte und diese Übersetzung über Jahrzehnte ganz alleine verfasste. Er schätze wissenschaftliche Genauigkeit und setzte deshalb bereits auf einen frühen, kritischen Text. Die Menge 2020 ehrt diese Präzision und basiert auf einem noch aktuelleren Stand der Textkritik. Ein großer Nachteil ist eher praktischer Natur: Diese Bibel gibt es nicht als kostenlose Onlineversion und auch nicht in meiner bevorzugten Bibelsoftware, deshalb nutzen wir sie in unserem Hauskreis nicht.
Zuletzt würde ich von älteren Bibeln absehen, die bereits einige Runden der neuesten Erkenntnisse der Textkritik verpasst haben, in der sich fleißige, meist christliche Experten von Manuskript zu Manuskript durcharbeiten. Je neuer unsere Übersetzung, desto näher sind wir am ursprünglichen antiken Text. Die modernen Zürcher- und Lutherbibeln werden leider längst nicht mehr von bibeltreuen Christen herausgegeben, was ihre Einleitungen durch bibelkritische Hinweise, die das Fundament der Bibel selbst hinterfragen, deutlich machen. Die älteren Versionen sind dafür aber eben… alt, und somit nicht mehr ideal für das Bibelstudium geeignet.
Fazit
Wir sehen, dass eine ordentliche Prüfung unserer verfügbaren Übersetzungen zeigt, dass die Welt an wirklich vergleichbar soliden Übersetzungen gar nicht so groß ist, wie sie erst scheint.
Meine persönliche Empfehlung lautet: Nutze die CSV-Bibel als die primäre Studienbibel. Wenn du nur lesen möchtest, ohne tief einzutauchen, brilliert die Menge 2020 durch ihre Kombination von sprachlicher Genauigkeit, Melodie und Schönheit. Für das intensive Studium sei dir im Grunde alles erlaubt, solange du primär eine wörtliche Übersetzung verwendest.
Um immer weniger auf fehlbares, menschliches Übersetzungswerk vertrauen zu müssen und mehr Zuversicht zu bekommen, dass man das Wort der Wahrheit recht teilt (2. Timotheus 2,15), kommt man nicht darum herum, die toten Sprachen des Neuen und Alten Testaments zu lernen: Griechisch, Hebräisch und Aramäisch.
Ich hoffe, dass diese Übersicht und Infos dir helfen, zukünftig bessere Entscheidungen darüber zu treffen, welche Bibel du in die Hand nimmst – und welche gerne anfangen dürfen, Staub zu sammeln.
Weiterführende Ressourcen
- Dieses Video von Crosstalk führt durch ein paar Beispielpassagen, anhand derer erklärt wird, warum die Wahl der Übersetzung wichtig ist.
- The History of English Bible Translations ist ein Ende 2025 erschienenes Buch von Joshua Barzon, das objektiv durch die Geschichte von Bibelübersetzung im englischensprachigen Kontext führt.

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