Freude am Wort.

Joah: Gott ist Bruder

Anlässlich der gestrigen Kindersegnung unseres kleinen Joah, hier die ungefähren Worte, die ich im Gottesdienst dazu geteilt habe. Ich erkläre, was meine Frau und mich dazu gebracht hat, uns für diesen Namen zu entscheiden.

Die Bedeutung von Joah

Zwei oder drei Jahre ist es her, dass unser Pastor Edmund den Sohn Gottes mit folgenden Worten in seiner Predigt beschrieb: „Our big brother in Heaven“ (Unser großer Bruder im Himmel). Das störte mich! Ich verstand, dass Gott unser Vater ist. Jesus konnte ich problemlos als meinen Herrn bezeichnen. Ich verstand auch irgendwie, dass er unser Hoherpriester ist. Aber Bruder? Das ging mir in dem Moment zu weit…

Joah (wörtl. Jo = Kurzform von Jahweh + A(c)h = Bruder, also „Gott (ist) Bruder“) ist kein häufiger Name im Alten Testament; er wird vier Personen zugeschrieben, die eher unbedeutsam sind. Fakt ist allerdings: Israeliten haben entschieden, wie es in Gottes Wort aufgezeichnet ist, ihre Söhne „Gott ist Bruder“ zu nennen. Wie kam ein Israelit lange vor Christus auf diese Idee? Nur folgendermaßen halte ich es für schlüssig.

goel – der leibliche Erlöser

Der sog. goel (wörtl. „Erlöser“ oder „Rächer“) war aus Sicht eines jeden Israeliten der nächststehende männliche Verwandte, der dazu verpflichtet war,

a) sein Land zurückzukaufen, wenn er es aufgrund von Verarmung verkaufen musste,
b) seine Frau zu heiraten, wenn sie zur Witwe wurde und ihr ggf. Nachkommen in seinem Namen zu ermöglichen und
c) ihn von der Sklaverei freizukaufen, in die er sich aufgrund von Schulden verkaufen musste.

Anhand des Gesetzes wird diese Rolle auch „Verwandter-Löser“ (im engl. kinsman-redeemer) genannt:

Wenn dein Bruder verarmt und von seinem Eigentum verkauft, so soll sein Löser, sein nächster Verwandter, kommen und das Verkaufte seines Bruders lösen.

– 3. Mose 25,25

Der bekannteste wörtliche goel in der Bibel ist Boas, der das Land von Ruths verstorbenem Mann zurückkauft, da er sein nächster verfügbarer Blutsverwandter ist:

Und der Blutsverwandte sprach zu Boas: Kaufe für dich! Und er zog seinen Schuh aus. Da sprach Boas zu den Ältesten und zu allem Volk: Ihr seid heute Zeugen, dass ich aus der Hand Noomis alles gekauft habe, was Elimelech, und alles, was Kiljon und Machlon gehörte; und auch Ruth, die Moabiterin, die Frau Machlons, habe ich mir zur Frau gekauft, um den Namen des Verstorbenen auf seinem Erbteil zu erwecken, damit nicht der Name des Verstorbenen ausgerottet werde unter seinen Brüdern und aus dem Tor seines Ortes. Ihr seid heute Zeugen!

– Ruth 4,8-10

Ich bin überzeugt, dass es diese Rolle des Erlösers war, auf die sich ein Israelit in Hinblick auf Gott stützte, wenn er seinen Sohn Joah nannte. Sie drückten damit sozusagen aus: Gott ist (metaphorisch betrachtet) unser Bruder, der uns erlöst.

Vom Schatten zur Realität: Unser Gott ist wahrhaftig Bruder

Durch das Studium dieses Namens wurde mir aus einer neuen Dimension bewusst: Der Sohn Gottes musste Mensch werden! Nur so konnte er im wahrsten Sinne des Wortes als unser goel eintreten:

als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, damit er die, die unter Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen. Also bist du nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott.

– Galater 4,4-5, 7

Was für ein Privileg. Und was für ein Gott, zu dem wir Abba, Vater rufen dürfen (Galater 4,6) – dessen Sohn sich unser Bruder nennt.

Denn welche er zuvorerkannt hat, die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.

– Römer 8,29

Da haben wir es. Christus ist wahrhaftig unser großer Bruder im Himmel – der Erstgeborene unter vielen! Und er erlöst – kein Land, keine physische Freiheit – sondern seelische Freiheit. Er befreit uns von den Ketten der Sünde. Wir können zusammen mit Hiob rufen: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!

Unser Gebet ist es, dass Joahs Name eines Tages Realität wird; dass unser gemeinsamer Vater ihn zu sich zieht, und Jesus, unser treuer, großer Bruder, ihn aus der Sklaverei der Sünde erlöst. Dass wir ihn eines Tages nicht nur unseren Sohn, sondern, viel wichtiger, unseren Bruder nennen dürfen.

Denn es geziemte ihm, um dessentwillen alle Dinge und durch den alle Dinge sind, indem er viele Söhne zur Herrlichkeit brachte, den Urheber ihrer Errettung durch Leiden vollkommen zu machen. 11 Denn sowohl der, der heiligt, als auch die, die geheiligt werden, sind alle von einem; um welcher Ursache willen er sich nicht schämt, sie Brüder zu nennen, 12 indem er spricht: „Ich will deinen Namen meinen Brüdern kundtun; inmitten der Versammlung will ich dir lobsingen.“ 13 Und wiederum: „Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen.“ Und wiederum: „Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat.“ 17 Daher musste er in allem den Brüdern gleichwerden, damit er in den Sachen mit Gott ein barmherziger und treuer Hoherpriester werde, um die Sünden des Volkes zu sühnen;

– Hebräer 2,10-13, 17

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